Betreuung

Hortplatz-Mangel: Ahrensburg findet Notlösung

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Janina Dietrich
Ahrensburger Familien hatten sich bereits im Juni vor der Grundschule Am Aalfang versammelt, um auf fehlende Hort-Plätze aufmerksam zu machen

Ahrensburger Familien hatten sich bereits im Juni vor der Grundschule Am Aalfang versammelt, um auf fehlende Hort-Plätze aufmerksam zu machen

Foto: Janina Dietrich / HA

Zum Schulstart sind viele Erstklässler noch nicht versorgt. Einige sollen nach dem Unterricht im Jugendtreff Hagen betreut werden.

Ahrensburg.  Für die neuen Erstklässler in Ahrensburg ist heute ein großer Tag: Sie werden eingeschult. Für viele Eltern hat die seit Monaten andauernde Unsicherheit damit allerdings noch kein Ende. Sie warten immer noch auf ein Betreuungsangebot für ihre Kinder nach dem regulären Unterricht. In der Stadt fehlen zum Schulstart Dutzende Hort-Plätze. Wie viele es genau sind und wie sich die Zahl über die vier Grundschulen verteilt, ist von der Ahrensburger Verwaltung trotz mehrfacher Anfrage des Abendblattes seit einer Woche nicht zu erfahren. Auch die Arbeiterwohlfahrt Stormarn als Träger der Horte äußert sich trotz mehrfacher Anfrage nicht zu dem Thema.

„Es gibt nach wie vor keine abschließende Lösung. Viele Kinder haben keinen Hortplatz“, sagt Franziska Janz vom Elternbeirat der Grundschule Am Aalfang. Zuletzt hatte Stadtjustiziar Thomas Reich Anfang Juli von 62 fehlenden Plätzen gesprochen. Für die Betroffenen gibt es nun zumindest eine neue Hoffnung: Die Verwaltung hat den Eltern am Montagabend kurzfristig eine Alternativlösung präsentiert. Diese sieht nach Abendblatt-Informationen vor, einige Erstklässler der Grundschulen Am Aalfang und Am Hagen im Jugendtreff Hagen zu betreuen. Die Einrichtung soll künftig bereits um 12 statt um 15 Uhr öffnen. Dabei handelt es sich laut Rathaussprecherin Imke Bär nicht um ein Angebot nach dem Kindertagesstättengesetz Schleswig-Holstein, sondern um eine Alternativ-Betreuung im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit. „Die Kinder erhalten in dem Jugendtreff zwar keine Erziehung, Bildung oder Hausaufgabenbetreuung wie im Hort, aber es ist besser als nichts“, sagt Frauke Storm. „Wir sind inzwischen für alles dankbar.“

Wieviele Kinder der Jugendtreff betreuen kann, ist unklar

Die 43-Jährige ist Elternvertreterin der Kita Am Aalfang und selbst vom Hortplatz-Mangel betroffen. Für ihren sechsjährigen Sohn Jonah fehlt bisher eine Betreuungsmöglichkeit nach dem Unterricht. Die berufstätige Mutter will das neue Angebot der Stadt wahrnehmen – auch, wenn es derzeit noch nicht komplett ausgereift erscheine. So sei bislang nicht abschließend geklärt, wie die Kinder der Grundschule Am Aalfang den 2,5 Kilometer langen Weg zum Jugendtreff zurücklegen sollen. Angedacht ist laut Storm, dass ein Lehrer oder ein anderer Mitarbeiter der Schule die Kinder bis zu einem öffentlichen Bus begleitet, mit dem sie dann in den Hagen fahren. Die Mädchen und Jungen der Grundschule Am Hagen sollen auf ihrem einen Kilometer langen Weg von einer FSJlerin begleitet werden. Im Jugendtreff sollen die betreuten Kinder wie im Hort ein Mittagessen bekommen. „Die Eltern zahlen dafür 60 Euro im Monat, ansonsten ist das Angebot für sie kostenlos“, sagt Storm. Im Unterschied zum Hort werde es aber keine Betreuung in den Ferien geben.

+++ Kommentar zum Thema +++

Wie viele Kinder im Jugendtreff betreut werden können, dazu äußerte sich die Verwaltung auf Anfrage ebenfalls nicht. Nach Informationen der Eltern sollen es nicht mehr als 20 sein. Das wären nicht genug Plätze, um alle wartenden Kinder zu versorgen. Zudem soll sich das Angebot nur an Kinder richten, deren Eltern beide nachweisen können, dass sie berufstätig sind. Unklar ist, wann das Angebot im Jugendtreff startet. Laut Frauke Storm werde als Termin Anfang September angepeilt. Der Leiter des Jugendtreffs, der die Kinder mit seinen Mitarbeitern betreuen wird, hat sich nach Angaben der Eltern eine Probezeit bis Weihnachten erbeten. Selbst im Erfolgsfall sei das Angebot aber nur als Übergangslösung gedacht, Ende des Schuljahres 2018/19 solle auf jeden Fall Schluss sein.

Brandbrief an das Sozialministerium in Kiel

„Wir können kurz durchschnaufen, aber der Kampf geht weiter“, sagt eine andere betroffene Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Es bleibt die Frage, was in einem Jahr passiert. Dann kommen die neuen Erstklässler und wir stehen vor den gleichen Schwierigkeiten.“ Diese Befürchtungen teilt auch Elternvertreterin Storm: „Das Angebot darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer noch Probleme gibt“, sagt die Ahrensburgerin.

Die Schwierigkeiten hatten den Elternbeirat der Grundschule Am Aalfang und die Elternvertreter der benachbarten Kita im Juni dazu veranlasst, einen Brandbrief an das Sozialministerium in Kiel zu schicken und um Unterstützung zu bitten. Es folgte ein Streit zwischen Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach und Sozialminister Heiner Garg (FDP) über die Frage, wer Schuld an den Betreuungsproblemen in der Schlossstadt sei. Der Minister hielt der Stadt Ahrensburg vor, beim Thema Offene Ganztagsschule nicht weit genug zu sein. Sarach wies die Kritik zurück, bemängelte, dass bei dem Thema klare Vorgaben aus Kiel fehlten.

Awo sei von der Idee nicht begeistert gewesen

Die Eltern sind froh darüber, sich ans Ministerium gewandt zu haben. „Wir haben anschließend starke Unterstützung aus Kiel erhalten“, sagt Franziska Janz. Mitte Juli gab es einen dreistündigen Krisengipfel in der Landeshauptstadt, bei dem Vertreter der Stadt, der Arbeiterwohlfahrt, des Sozialministeriums, die Referentin der Beschwerdestelle für Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein, die Bürgerbeauftragten des Landes und Eltern über mögliche Lösungen diskutierten.

Das Ministerium habe bei dem Treffen auf einen Erlass vom Januar 2018 verwiesen, der es den Horten ermögliche, die Gruppengröße von 15 auf 20 Kinder zu erhöhen. Nach Angaben der Eltern sei die Awo davon aber nicht begeistert gewesen. „Es wurde vereinbart, als kurzfristige Lösung Tagesmütter und andere geeignete Drittkräfte zu suchen“, sagt Janz. Die Idee: Zwei Erzieher und eine Drittkraft betreuen eine 20-köpfige Gruppe. Janz: „So könnten alle wartenden Kinder mit einem Platz versorgt werden.“ Doch bisher ist dieser Weg offenbar noch nicht mit Erfolg weiter verfolgt worden.

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