Stormarn
Serie

Ahrensburger Künstler greift zu Hammer und Säge

Der Ahrensburger Peter F. Piening betrachtet in seinem Atelier ein Buch, in dem seine Arbeiten aus sechs Jahrzehnten thematisiert sind

Der Ahrensburger Peter F. Piening betrachtet in seinem Atelier ein Buch, in dem seine Arbeiten aus sechs Jahrzehnten thematisiert sind

Foto: Pelle Kohrs

In einer neuen Serie stellen wir Künstler aus Stormarn vor. Was treibt sie an? Heute: Der Ahrensburger Peter F. Piening.

Ahrensburg.  Bretter lehnen an Wänden, Holzabfälle ragen aus Pappkartons hervor. Sägespäne bedecken hier und dort den Boden – das Atelier von Peter F. Piening erinnert ein bisschen an eine Tischlerei. „Nach Farbspritzern und Leinwänden sucht man hier vergeblich“, sagt der Ahrensburger. Kein Wunder: Für seine Werke greift der Künstler nicht zu Pinsel und Farbpalette, sondern zu Hammer und Säge. Damit schafft der 76-Jährige seit Jahrzehnten Objekte und Skulpturen aus Holz, mit denen er sich in der Kunstszene in weiten Teilen Deutschlands einen Namen machen konnte.

Um ein Gespräch zu führen, bittet Piening seinen Gast hinaus aus seiner Werkstätte und hinein in sein Wohnzimmer. Dort setzt sich der Ahrensburger an den Esstisch. Als er jedoch nur wenige Sekunden später gebeten wird, über seine Kunst zu sprechen, steht er wieder auf. Der Künstler geht hinüber zu einem Regal, bleibt davor stehen und lässt seine Finger über etliche Buchrücken gleiten. „Da ist es“, sagt er schließlich, zieht eines der Werke heraus und setzt sich wieder an den Tisch. „Hier steht alles drin, was ich zur Kunst zu sagen habe.“

Begehbare Holzgehäuse machten Piening bekannt

Anhand dieses Buches mit dem pechschwarzen Einband erzählt Peter F. Piening seine Geschichte. Die soll sich vor allem um sein Schaffen und weniger um ihn als Person drehen. Denn das interessiere schließlich niemanden. Auf dem Cover des besagten Werkes stehen der Name des Ahrensburgers und der Titel des 140 Seiten umfassenden Buches: „Peter F. Piening, augenscheinlich“.

„Es ist in diesem Jahr herausgegeben worden“, sagt der Künstler. Der Anlass: Zwei Kunstschauen, die im Frühjahr Pienings Werke zeigten. Eine im Bayreuther Kunstmuseum, eine im Flensburger Museumsberg. An renommierten Adressen wie diesen gab es in den vergangenen Jahrzehnten 40 Einzelausstellungen, die seine Arbeiten präsentierten. An 60 weiteren Kunstschauen war Piening mit seinen Werken beteiligt. „Steht hier alles drin“, sagt der 76-Jährige und schlägt das Buch mit dem schwarzen Einband etwa in der Mitte auf.

Auf den Seiten sind Fotos großer Holzskulpturen abgebildet. Keine Statuen oder abstrakte Formen, sondern überdimensional anmutende Gehäuse, die aussehen wie kleine Räume. Tatsächlich sind viele dieser Objekte von innen erkundbar. Das Werk „Volvox“ etwa, im Jahr 1991 von Piening erschaffen, ist laut Bildunterschrift etwa zweieinhalb Meter hoch und im Inneren mit mehr als 200 Hausratsgegenständen ausgestattet – jeden einzelnen davon hat Piening eigenhändig aus Holz geschaffen. Er sagt: „Ich hab’ ein Jahr lang daran gearbeitet.“

Angefangen hat alles mit Bleistiftzeichnungen

Die Mühe zahlte sich aus. Seine begehbaren Holzgehäuse machten den in Nordfriesland geborenen Künstler in Deutschland bekannt. Sein Abitur – auch für diese Informationen verweist er auf das schwarze Buch – hat der 76-Jährige in Hamburg gemacht, von 1962 an studierte er in Mainz Grafik, Malerei, Kunstgeschichte und Philosophie. „Ich hab’ mich schon als Kind für alles interessiert, was mit bildender Kunst zu tun hat“, sagt Piening, der vor vielen Jahren nach Ahrensburg zog, wo er und seine Frau heute leben. Die zwei Töchter des Ehepaars sind inzwischen aus dem Haus.

Neben den großen Holzgehäusen schafft Piening auch Reliefs. Das Material, das er dafür benötigt, bekommt er aus dem Baumarkt oder der Natur. Früher hatte er es da leichter – als junger Mann brauchte er nur einen Bleistift. Um zu zeigen, was er damit meint, blättert der Ahrensburger wieder in seinem Buch, schlägt die ersten Seiten auf. Auf denen sind keine Skulpturen zu sehen, sondern Zeichnungen. Oft bedienen sich diese der Schleswig-Holsteinischen Landschaft als Motiv. Eine ganze Reihe von Seiten zeigt zudem Bleistiftzeichnungen eines Hauses aus den 70er-Jahren. „Das ist eine Kate in Nordfriesland“, sagt Piening. Er entdeckte das verfallende und verlassene Gebäude im Jahr 1970, machte es sich bewohnbar und verbrachte in ihm zusammen mit seiner Familie jeden Sommer der folgenden 40 Jahre.

Die Kate hatte Einfluss darauf, dass sich Pienings fotorealistische Bleistiftzeichnungen hin zu dreidimensionalen Objekten entwickelten. Das Buch dokumentiert das. Es zeigt, dass Piening immer wieder mit Holz vernagelte Fenster zeichnete. Wer weiterblättert, stellt erst auf den zweiten Blick fest, dass für dieses Motiv irgendwann echtes Holz zum Einsatz kam.

Peter F. Piening klappt das schwarze Buch zu. Es konnte nicht alle Fragen beantworten. Ob der Künstler eigentlich von seinen Werken leben kann zum Beispiel. „Das musste ich nie“, sagt der 76-Jährige. „Ich war Kunsterzieher und in meinem Schaffen daher immer unabhängig.“ Zum Glück: Denn das sei der Schlüssel zu echter Kunst.