Stormarn
Unkonventionelle Lösung

Wie das Dorf Hamberge seine Schule rettete

Bürgermeister Paul Friedrich Beeck (CDU) im Neubaugebiet. Es könnte der kleinen Gemeinde rund 300 Bürger zusätzlich bescheren

Bürgermeister Paul Friedrich Beeck (CDU) im Neubaugebiet. Es könnte der kleinen Gemeinde rund 300 Bürger zusätzlich bescheren

Foto: Marc R. Hofmann / HA

1500-Einwohner-Kommune erweitert Grundschule und schafft einen Schulbus an. Neubürger stellen eine Herausforderung dar.

Hamberge.  Vor vier Jahren hatte die Grundschule Hamberge gerade einmal 72 Schüler – zu wenig, um auf Dauer bestehen zu bleiben. Der Schulleiterposten wurde zunächst nicht nachbesetzt, die Bildungsanstalt verlor ihre Selbstverwaltung an die größere Matthias-Claudius-Schule in Reinfeld und konnte nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung des Schulrates fortgeführt werden. Mit der Einweihung eines modernen Schulanbaus und einem Anstieg der Schülerzahlen auf 117 Köpfe scheint nun die Wende geschafft.

Jüngste Einwohnerstatistik stammt vom Dezember 2016

„Durch das Neubaugebiet wächst unsere Gemeinde“, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister Paul Friedrich Beeck (CDU). Allein im vergangenen Jahr seien rund 150 Bürger in das Dorf mit Blick auf die Kirchtürme Lübecks gezogen, das nach aktueller amtlicher Statistik vom Dezember 2016 noch 1528 Einwohner hat. Für dieses Jahr rechnet der Bürgermeister noch einmal mit einem Zuwachs in gleicher Höhe. Darunter etwa ein Drittel Kinder. „Eine Schule, die immer noch überschaubar ist, eine gute Nachmittagsbetreuung und ein aktives Dorfleben ziehen die Menschen an“, sagt Beeck, dessen Familie einen Spargelhof im Ort betreibt. Außerdem ist es der Gemeinde, die zwischen den Autobahnen 1, A 20 und der Bundesstraße 75 liegt, gelungen, die mehr als 30 Jahre schwelende Lärmschutzfrage zu klären. Entsprechend dankbar ist Gudrun Wrage, die erst kommissarisch und nun fest neue Schulleiterin ist. „Der Bürgermeister hat uns gerettet“, sagt sie.

Doch bis dahin war es ein langer Weg. Allein 1,3 Millionen Euro hat Hamberge für die Erweiterung der Schule um drei Klassenräume sowie eine Mensa investiert. „Zu einem Zeitpunkt, als es dafür noch keine Förderung gab“, sagt Beeck stolz. Dabei konnte die Gemeinde durch Rücklagen unter anderem durch den Verkauf von Baugrundstücken auf Kredite verzichten.

Gemeinde finanzierte Bau komplett selbst

„Weil wir keine Zuschüsse bekommen haben, mussten wir den Bau auch nicht überörtlich ausschreiben“, sagt der Bürgermeister, der im Ort oft nur „Pauli“ genannt wird. So konnten überwiegend Unternehmen aus der Region Nordstormarn zum Zuge kommen.

Geplant hat den modernen Holz-Anbau der Hamberger Architekt Maik Kofler, der eine besondere Beziehung zur Grundschule pflegt. „Eine meiner Töchter geht auf die Schule, eine ging früher und die dritte kommt jetzt nach den Sommerferien dorthin.“

Rund 40 Kinder kommen aus Nachbarorten

Das allein reichte jedoch noch nicht, um genügend Schüler zu finden. „Deswegen haben wir einen Kleinbus angeschafft und in den umliegenden Kommunen für uns geworben.“ Zwei Fahrer erklärten sich bereit, kostengünstig als geringfügig Beschäftigte für den Fahrservice zu sorgen. Örtliche Firmen kauften Werbeflächen auf dem Wagen, finanzierten so einen Großteil der Investition. Hinzu kommen Eltern, die ehrenamtlich eine Nachmittagsbetreuung organisieren und ihre Sprösslinge selbst zur Schule fahren.

Rund 40 Kinder aus den umliegenden Dörfern Wesenberg, Klein Wesenberg und Barnitz besuchen die Hamberger Schule mittlerweile. Klingt nach einem Happy End, wären da nicht die höheren Kosten für den Betrieb des vergrößerten Schulgebäudes und vor allem die Betreuung der jüngeren Kinder. Bürgermeister Beeck mahnt: „Das müssen wir sofort bezahlen, während die Zuweisungen von Kreis und Land erst nach rund drei Jahren an die höhere Einwohnerzahl angepasst werden.“ Unter dem Strich erwarte die Gemeinde dadurch geringere Einnahmen in Höhe von knapp 155.000 Euro in diesem Jahr. Das ist viel für ein Dorf, dessen Gesamteinnahmen lediglich 2,1 Millionen Euro im Jahr betragen. „Dafür müssen wir noch eine Lösung finden“, sagt Bürgermeister Paul Friedrich Beeck. Wer die Gemeinde kennt, weiß, dass sie sich der Herausforderung stellen wird.