Stormarn
Bad Oldesloe

Mann drohte mit Anschlag auf Tankstelle: Geldstrafe

Verhandelt wurde der Fall vor dem Ahrensburger Amtsgericht

Verhandelt wurde der Fall vor dem Ahrensburger Amtsgericht

Foto: Christian Thiesen

Der Anruf führte zu einem Großeinsatz in Bad Oldesloe. Die Polizei rückte mit Spürhunden an und evakuierte umliegende Häuser.

Ahrensburg.  „Hier spricht der IS. Es wird in der nächsten halben Stunde eine Bombe bei Ihnen hochgehen.“ Mit diesem Satz soll der 32-Jährige Angeklagte Fabio T. (Namen geändert) eine Mitarbeiterin der Oldesloer HEM-Tankstelle an der Ratzeburger Straße per Telefon bedroht haben. Es folgte ein Großeinsatz der Polizei, eine Bombe gab es nicht. Ob T. der Täter war, blieb nach Einstellung des Verfahrens vor dem Amtsgericht Ahrensburg unklar.

Der Angeklagte äußerte sich nur zu seiner Person und seinen Lebensumständen, nicht jedoch zur Tat. Er akzeptierte aber eine Geldstrafe, die ohne Eintrag in sein polizeiliches Führungszeugnis bleibt. Die Tat, die Tankstellen-Mitarbeiterin Barbara G. wohl nie vergessen wird, spielte sich vor zwei Jahren ab. An einem Sonntagmorgen im August klingelte das Telefon zu Beginn ihrer Schicht. „Ich bin noch Monate nach dem Anruf zusammengezuckt, wenn das Telefon geklingelt hat“, sagte die Oldesloerin vor Gericht. In der Leitung sei ein Mann mit ausländischem Akzent gewesen, der mit der Sprengung gedroht habe. Daraufhin habe sie das Gelände verlassen und trotz der telefonischen Aussage ihres Chefs, die Sache nicht zu ernst zu nehmen, die Polizei gerufen. Diese sperrt die Ratzeburger Straße, evakuiert umliegende Häuser und suchte das Gelände mit Spürhunden ab – ohne Erfolg.

Anruf wurde vom Handy des Neffens getätigt

Bei einer Befragung durch die Polizei wenige Tage nach der Tat erfährt die Zeugin G., dass der Anruf vom Handy ihres Neffen Philipp Z. getätigt wurde. Auch seine Mutter arbeitet an der Tankstelle. „Es war aber nicht seine Stimme“, sagt sie vor Gericht. Ungewöhnlich jedoch die frühe Uhrzeit des Anrufs noch vor Ladenöffnung. Hatte der Täter also Insider-Wissen? G. sagt jedenfalls auch: „Philipp hat in der Folgezeit den Kontakt zu mir gemieden.“ Richter Ulf Thiele lässt den Angeklagten Fabio T. vorlesen: Dieser spricht trotz deutschen Passes mit deutlich vernehmbarem Akzent. Auch wenn der genaue Wortlaut abweicht, will Zeugin Barbara G. die Stimme eindeutig erkannt haben.

Thiele bietet dem Angeklagten, der einer geregelten Tätigkeit nachgeht und mit seiner Partnerin in wenigen Wochen sein zweites Kind erwartet, an, das Verfahren gegen eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro einzustellen. Nach Beratung durch seinen Verteidiger akzeptiert T., äußert sich jedoch nicht weiter. 1000 Euro fließen der Staatskasse zu, den Rest muss er der Tankstellenmitarbeiterin zahlen, die durch den Droh-Anruf verschreckt wurde.

Unklar bleibt deswegen, welche Rolle Neffe Philipp Z. spielte. Er hatte bei der polizeilichen Vernehmung sein Handy als gestohlen gemeldet und seinen mutmaßlichen Bekannten Fabio T. der Tat bezichtigt.