Stormarn
Konzert

Bargteheide: Die schönen Saiten des SHMF-Sommers

Bei nahezu tropischen Temperaturen im Kleinen Theater spielten Peter (l.) und Zoltán Katona so hinreißend wie brillant. Das Publikum liebte sie dafür

Bei nahezu tropischen Temperaturen im Kleinen Theater spielten Peter (l.) und Zoltán Katona so hinreißend wie brillant. Das Publikum liebte sie dafür

Foto: Elvira Nickmann

Kritik der Woche: Katona Twins überzeugten beim Konzert im Kleinen Theater auf ganzer Linie. Stimmiges und innovatives Programm.

Bargteheide.  Ein Bernstein-Abend mit Weltklassemusik, das hatte das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) für sein Konzert am Sonnabend im Kleinen Theater Bargteheide angekündigt. Zu Gast: die Katona Twins, ein klassisches Gitarrenduo, das sich eigens für diesen Auftritt und zum 100. Geburtstag des Komponisten Leonard Bernstein, ein Mitbegründer des SHMF, dieses besondere Programm ausgedacht hatte.

Beim Blick ins Programmheft offenbart sich das ganze Ausmaß des Vorhabens: Musicalstücke von Bernstein, Béla Bartóks Werke der klassischen Moderne, Jazz von Django Reinhardt, Tangomusik von Astor Piazzolla und der Pop der Beatles, dazu eigene Stücke. So herausfordernd wie gewagt, aus diesem Ritt durch die Genres ein stimmiges Ganzes zu komponieren.

Zum Auftakt bekannte Stücke mit beliebten Melodien

Keine lange Vorrede, als das Duo auf die Bühne kommt, deren Hintergrund in ein Meer aus geschmackvoll dekorierten Blumen und Pflanzen getaucht ist, und auf den beiden schwarzen Hockern Platz nimmt, links Peter, rechts Zoltán. Das Brüderpaar legt gleich los. Mit „Maria“, dem Sehnsuchtsstück aus der „West Side Story“. Beim temperamentvollen „America“ stehen die Musiker auf, treten nach vorn und spielen im Stehen weiter. Dabei dient die Gitarre auch als Rhythmusinstrument: Da kann sein Resonanzkörper schon mal wie eine Cajón klingen, wenn er getrommelt, geschlagen oder geklopft wird.

„Diese Stücke haben wir das erste Mal in Key West im Bundesstaat Florida gespielt“, erzählt Peter Katona. Der Veranstalter vor Ort habe berichtet, dass Bernstein den typischen Rhythmus von „America“ dort das erste Mal gehört habe. Ein schweißtreibender Beat, der zu der Situation im Saal passt, die schwüle Luft liegt wie eine Decke über den Zuschauern, einige versuchen sich mit einem Fächer Abkühlung zu verschaffen. Selbstmitleid ist jedoch fehl am Platz: „Hier oben ist es noch heißer“, sagt Peter Katona, der im Scheinwerferlicht steht.

Schon als Kinder begeistert von Django Reinhardt

Im „Abend auf dem Lande“ aus Béla Bartóks „Zehn leichten Klavierstücke“ erklingen auch hauchzarte Töne, Pausen und Betonung sind exakt aufeinander abgestimmt, Augenkontakt dazu kaum nötig. Wie ein Klangkörper aus einem Guss agieren die beiden Zwillingsbrüder. Faszinierend, ihnen dabei zuzuschauen, atemberaubend, wenn sie das Tempo steigern. Besonders die letzten beiden Bartók-Stücke, Polka und „Schnell-Tanz“, bieten den Musikern Gelegenheit, den Esprit und folkloristischen Charme der „Rumänischen Volkstänze“ in seiner Gänze zum Klingen zu bringen.

„Als kleine Kinder waren wir sehr begeistert von Django Reinhardt“, sagt Zoltán Katona, und leitet damit über zu „Nuagers“ und „Minor Swing“ aus der Feder des Begründers des Gipsy Jazz. Hinter dem leicht und mühelos wirkendem Spiel des Duos steckt meisterliche Technik und intuitives Verstehen. Wie Rädchen in einem perfekten Getriebe funktioniert ihr Zusammenspiel auch bei den herausfordernden Tango-Stücken von Piazzolla, die mit viel Experimentierfreude umgesetzt werden.

Brüder Karamasow: Stelldichein in Eigenkompositionen

Überraschend, spannungsreich, aufwühlend die beiden Kompositionen von Peter Katona in Anlehnung an den Roman „Die Brüder Karamasow“.

Die beiden von den Brüdern bearbeiteten Beatles-Songs sind die weitaus authentischeren, „Come Together“ so roh und ungekünstelt wie das Original, dabei faszinierend anders. Zum Abschluss wiederum Bernstein, doch das Publikum will mehr und erklatscht sich etliche Zugaben. Am Ende ist klar: Niemals hat es sich mehr gelohnt, einen schönen Sommerabend statt draußen in der schwülen Hitze des Theatersaals zu verbringen. Ein Genuss.