Stormarn
Reinbek/Lübeck

Stormarns Handwerker haben derzeit beste Aussichten

Pascal Kiel aus Trittau fand Baustellen schon als Kind faszinierend. Jetzt lernt der 19 Jahre alte Stormarner in einer Reinbeker Firma den Beruf des Maurers

Pascal Kiel aus Trittau fand Baustellen schon als Kind faszinierend. Jetzt lernt der 19 Jahre alte Stormarner in einer Reinbeker Firma den Beruf des Maurers

Foto: Verena Künstner

Das Baugewerbe boomt, Auftragsbücher vieler Betriebe sind voll. Doch Nachwuchs und viele Fachkräfte fehlen. Kunden müssen lange warten.

Reinbek/Lübeck.  Bei mehr als 30 Grad im Schatten muss er genauso raus wie bei 15 Minusgraden. Seine Hände werden schmutzig, seine Hosen staubig. Er trägt schwere Steine und viel Verantwortung. Doch Pascal Kiel, 19 Jahre alt, bereut seine Berufswahl nicht. Der Trittauer lernt Maurer, ist im zweiten Lehrjahr und hat schon jetzt an vielen Häusern mitgebaut. „Davon hab’ ich schon als Kind geträumt“, sagt er. Ein Praktikum verstärkte seinen Berufswunsch. Nach seinem Hauptschulabschluss an der Trittauer Hahnheideschule bewarb Pascal sich sofort bei verschiedenen Bauunternehmen im Kreis.

Christoph Schulz, Chef des Reinbeker Baugeschäfts Schulz & Fildebrandt, hat ihn eingestellt. Pascal gehört damit zu den 963 Azubis, die nun im Kreis Stormarn eine Lehre im Handwerk machen. Nach dem Abschluss in einem Jahr ist er dann eine Fachkraft auf seinem Gebiet – und auf dem Arbeitsmarkt so begehrt wie nie. Denn vor allem die Baubranche im Kreis boomt, die Auftragsbücher sind voll.

Was fehlt, sind gut ausgebildete Arbeiter. Das hat Folgen. „

e nicht so flexibel auf Aufträge reagieren, wie sie es eigentlich gern möchten“ sagt Günther Stapelfeldt, Präsident der Handwerkskammer in Schleswig-Holstein. Weil Profi-Handwerker Mangelware sind, warten auch in Stormarn Kunden oft wochen- oder gar monatelang auf Termine. „Einerseits freuen wir uns natürlich über die gute Auftragslage. Andererseits besteht die Gefahr, dass wir unsere Kunden durch lange Wartezeiten verärgern und potentielle Auftraggeber verprellen“, sagt Christoph Schulz. Ein Dilemma, dem der Reinbeker Bauunternehmer und Chef von 20 Angestellten unter anderem mit einem guten Ausbildungsangebot entgegenwirken will.

Schulz verantwortet die Ausbildung von vier Azubis

Derzeit lernen bei ihm neben Pascal Kiel noch drei weitere Azubis den Beruf des Maurers. Darunter ein junger Mann, der aus Afghanistan geflüchtet ist. „Drei Viertel der Leute, die bei uns arbeiten, haben ihre Lehre bei uns gemacht“, sagt Schulz zum Abendblatt. „Das ist ein großer Vorteil. Wir kennen deren Stärken und eventuelle Schwächen ganz genau und können sie daher optimal einsetzen.“

Schulz selbst hat im Alter von 23 Jahren seine Meisterprüfung im Maurerhandwerk abgelegt. Er packe auch heute noch gern selbst mit an. „Viele Jugendliche ahnen gar nicht, wie befriedigend und erfüllend ein Handwerksberuf sein kann. Sie träumen lieber davon, Youtube-Star zu werden und auf leichtem Weg schnelles Geld zu machen.“ Andere sähen allein in einem Studium die Chance, beruflich Fuß zu fassen. Dabei stelle gerade das Handwerk sehr gute Karrierechancen in Aussicht. Kammerpräsident Günther Stapelfeldt bestätigt das: „Die Handwerkskonjunktur ist zurzeit hervorragend. Viele Betriebe stehen zur Übergabe an. Das bietet guten Fachkräften die Möglichkeit, bald als Meister die eigene Firma zu führen.“ Laut aktueller Umfrage der Handwerkskammer Lübeck, zu deren Bezirk auch Stormarn gehört, sprechen 94 Prozent der Betriebe von einer guten beziehungsweise befriedigenden Geschäftslage.

Auch Anlagenmechaniker haben zurzeit gute Chancen

„Vor allem das Bau- und Baunebengewerbe kann sich vor Aufträgen kaum retten. Aber auch die meisten anderen Branchen müssen derzeit keine Zukunftsängste haben“, sagt Björn Felder. Als Kreishandwerksmeister hat er den Überblick über die Lage aller Handwerksinnungen in Stormarn. Er weiß, dass die Freude über den Auftragsboom häufig vom Problem des Fachkräftemangels und dessen Folgen überschattet ist. Felder, Kfz-Meister mit eigener Werkstatt in Bad Oldesloe, sucht selbst seit vier Monaten nach einem Gesellen. „Kein Handwerksbetrieb lässt seine Kundschaft gern warten“, ist er überzeugt.

Bei ihm ist erst in zwei Wochen wieder ein Termin frei, im Baugewerbe sei die Wartezeit nicht selten drei Monate und länger. Glücklicherweise sei der Großteil der Kunden verständnisvoll und rechne längere Wartezeiten bereits mit ein. Doch der Kreishandwerksmeister warnt Betriebe davor, sich in dieser Hochzeit nur die lukrativsten Aufträge herauszupicken. „Das kann schnell nach hinten losgehen“, sagt Felder. „Wir müssen unsere Zuverlässigkeit auch Kleinkunden gegenüber aufrecht erhalten.“ Das funktioniere jedoch nur, wenn genügend Arbeitskräfte vorhanden seien. Auch in Zukunft. Und das setzt voraus, dass sich mehr Jugendliche als bisher für einen Beruf im Handwerk entscheiden.

Wenige Wochen vor dem offiziellen Beginn des nächsten Ausbildungsjahres zeichnet sich hier ein leicht positiver Trend ab: Bis Ende Juni wurden im gesamten Bezirk der Handwerkskammer Lübeck 2320 Verträge in die Lehrlingsrolle eingetragen. Das sind 101 mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.

Bedingungen für Handwerker haben sich gewandelt

Allein im Kreis Stormarn sind bisher 218 Verträge unter Dach und Fach – und damit ungefähr genauso viele wie innerhalb des ersten Halbjahres 2017. Trotz dieser bisher recht guten Bilanz meldet die Handwerkskammer Lübeck noch etliche freie Lehrstellen. Für Jugendliche, die aktuell noch einen Ausbildungsplatz suchen, stehen die Chancen daher sehr gut. Besonders viele freie Stellen sind in den ausbildungsstarken Bereichen Elektro-, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk zu finden.

„Die Bedingungen in vielen Handwerksberufen haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt“, sagt der Reinbeker Bauunternehmer Christoph Schulz. „Wo beispielsweise Maurer früher oft schwer schleppen mussten, erleichtern jetzt Kräne und andere Maschinen die Arbeit.“ Er empfiehlt interessierten Schülern daher, sich über Handwerksberufe zu informieren und sich damit auf den aktuellen Stand zu bringen. Trotz aller Hilfsmittel fordern zwar gerade Jobs im Baugewerbe nach wie vor vollen Körpereinsatz. Doch gerade das macht Maurer-Lehrling Pascal Kiel Spaß. Er sagt dem Abendblatt: „Nach einem Arbeitstag auf der Baustelle spüre ich, dass ich etwas geleistet habe. Und das macht mich stolz.“

Übrigens hatte der 19-Jährige erst vor Kurzem ein Gespräch mit seinem Chef und Ausbilder Christoph Schulz. Die gute Nachricht: Er will den jungen Trittauer nach der Lehre übernehmen.

Im Internet gibt es die Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Lübeck unter www.hwk-luebeck.de