Stormarn
Reportage

Ahrensburg: Wie eine Baustelle eine Stadt verändert

WDie Große Straße ist an der Kreuzung Bei der Doppeleiche/Woldenhorn noch bis kommende Woche gesperrt

WDie Große Straße ist an der Kreuzung Bei der Doppeleiche/Woldenhorn noch bis kommende Woche gesperrt

Foto: Janina Dietrich / HA

Zentrale Verkehrsachse bis Montag gesperrt. Es ist leiser als sonst, aber auch lauter – und verwirrend. Szenen eines Ausnahmezustands.

Ahrensburg.  Eine ungewöhnliche Stille liegt über der Kreuzung Woldenhorn/Bei der Doppeleiche/Große Straße . Normalerweise ist sie ein Verkehrsknotenpunkt der Stadt Ahrensburg, doch seit Tagen ist sie wegen Sanierungsarbeiten für Kraftfahrzeuge gesperrt. Eine ältere Frau überquert mit Gehstock und Einkaufstrolley vorsichtig die inzwischen abgefräste Fahrbahn. Ein weißer Kleinwagen nähert sich ihr mit Schrittgeschwindigkeit, umkurvt dabei Baustellenbaken und Absperrungen. Ein Anlieger? Oder doch ein Verkehrssünder? Auf den ersten Blick lässt sich das nicht sagen.

Dann wird die Stille von einem lauten Rattern durchbrochen. Nachdem die Bauarbeiter in den vergangenen Tagen bereits die alte Fahrbahndecke der Straße Bei der Doppeleiche mit einer gewaltigen Maschine abgefräst haben, muss nun an einigen Kanten noch mit einem Bagger nachgearbeitet werden – damit alles fürs Asphaltieren am Wochenende bereit ist. Eine Arbeit wie am Fließband. „Die Bauzeit ist so kurz bemessen, da darf uns nichts dazwischenkommen“, sagt Baustellenleiter André Lamkowski vom Unternehmen Willi Meyer aus Uelzen. Tatsächlich haben die acht Mitarbeiter erst am 9. Juli mit der Arbeit begonnen – und zwischendurch auch noch die Straße Alter Postweg im Gewerbegebiet saniert.

Zwei Frauen aus Hamburg blieben mit ihrem Wagen stecken

Am heutigen Freitag wird die Binderschicht aufgetragen. „Sie ist 180 Grad heiß und muss auskühlen“, sagt Lamkowski. Am Sonntag kommt eine vier Zentimeter dicke Asphaltdeckschicht oben drauf. „Dann ist hier richtig Action“, sagt der Baustellenleiter. Zwei Asphaltfertiger, sechs Walzen und 25 Bauarbeiter werden im Einsatz sein. Und die Verkehrsachse von der Reeshoop-Kreuzung (an der Star-Tankstelle) bis zur Bahntrasse wird für alle Autofahrer gesperrt – auch für Anlieger. Lamkowski: „Wenn jemand über die frische Deckschicht fährt, entstehen Reifenspuren, die für immer auf der neuen Fahrbahn zu sehen wären.“

Bislang war die Zufahrt für Anlieger zu ihren Grundstücken noch möglich. Auch andere Autofahrer versuchten immer wieder, die Straßen trotz Absperrungen und Dutzender rot-weißer „Durchfahrt verboten“-Schilder zu passieren. Zwei Frauen aus Hamburg bleiben dabei mit ihrem Wagen auf der Kreuzung stecken. Sie kommen von der abgefrästen Fahrbahn den hohen Bordstein nicht wieder hinauf, brauchen Hilfe. Auch Lastwagen verirren sich. „Viele meinen, sie kommen trotz aller Absperrungen hier durch“, sagt André Lamkowski und zuckt mit den Schultern. „Was sollen wir da machen?“

Anwohner freuen sich über die Ruhe

Seine Kollegen und er nehmen das um sie herum herrschende Chaos gelassen, weisen verwirrten Autofahrern freundlich den Weg aus der Baustelle hinaus. Es seien fast nur die Auswärtigen, die sich über die Verkehrsbehinderungen aufregten. Die Anwohner seien sehr zufrieden. „Sie freuen sich, dass es ohne Autoverkehr so schön ruhig ist“, sagt er. „Einige haben den Vorschlag gemacht, die Straße so zu lassen.“

Autofahrer werden wegen der Baustelle seit zwei Wochen an vielen Stellen der Stadt ausgebremst und umgeleitet. Am AOK-Knoten sammelt sich dadurch morgens noch mehr Verkehr als sonst. Voll ist es auch rund ums Rondeel. Wer zum Beispiel aus der Tiefgarage des CCA kommt, kann zurzeit nicht nach links in die Große Straße einbiegen, um die Innenstadt zu verlassen. Ein Sackgassen-Schild weist auf die Sperrung an der Kreuzung hin, einige Fahrer versuchen ihr Glück trotzdem und müssen dann wenden. Oder sie umkurven verbotenerweise die Absperrung – so wie die Frauen aus Hamburg.

Auch der Busverkehr ist eingeschränkt

Viele probieren es auch über Seitenstraßen wie die Lohe, die normalerweise hinter dem Amtsgericht zum Woldenhorn führt. Doch jetzt ist auch hier eine Sperre eingerichtet – und das führt zeitweise zu chaotischen Szenen. Zum Beispiel als ein Mann mit seinem weißen Transporter vor der Sperre auf beengtem Raum wenden muss. Er gestikuliert genervt mit den Händen, weil es für sein großes Fahrzeug dort kaum vor oder zurück geht. Drei hinter ihm folgende Fahrzeuge versperren den Weg zurück. „Geht nicht“, erklärt ein Fußgänger den Autofahrern und weist sie an, rückwärts aus der Straße hinauszufahren. Nur langsam löst sich der Stau auf. Zwei andere Autofahrer nutzen die Sperrung anderweitig. Sie wandeln den Raum davor in Parkplätze für ihre Wagen um.

Auswirkungen hat die Baustelle auch auf den Busverkehr. Die Linien 476, 8110, 648 und 569 werden noch bis einschließlich Mittwoch, 25. Juli, umgeleitet. Als Folge werden die Haltestellen An der Reitbahn, Rathaus, Klaus-Groth-Straße, Rondeel, Am Alten Markt und Schloss von den Bussen teilweise nicht angefahren. Für die Linie 476 wurde stattdessen eine Ersatzhaltestelle an der Straße Woldenhorn auf Höhe des gleichnamigen Parkhauses eingerichtet.

Am Montag will das Bau-Unternehmen fertig sein

Allerdings lassen die Informationen für die Fahrgäste sehr zu wünschen übrig: An den gesperrten Haltestellen fehlen Hinweise auf die Ersatzhaltestelle, dort wiederum hängen keine Fahrpläne. Im Internet bei der Störungsmeldung des Verkehrsverbundes HVV wird auf den Ersatzhalt nur dürftig ohne Straßenangabe hingewiesen. Auch telefonische Auskünfte über die Einschränkungen zu bekommen, ist schwierig. Beim Busunternehmen Autokraft war dem Kundenservice die Störung der Linie 8110 zum Beispiel gar nicht bekannt.

Immerhin: Autokraft und die ebenfalls zuständigen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) sagten dem Abendblatt zu, die Informationen für die Kunden zu verbessern. Fahrgäste der betroffenen Buslinien nutzen während der Bauarbeiten am besten die Haltestelle Bahnhof Ahrensburg, um von dort in alle Richtungen zu fahren.

Das Ende der Behinderungen ist absehbar. Bereits am Montag oder Dienstag will das Bauunternehmen Willi Meyer mit den Arbeiten fertig sein, im Laufe der Woche sollen die Straßen wieder für den Verkehr freigegeben werden.