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Tierschützer

„De Kattekers“: Reinbeks Eichhörnchen-Retter

Ein Rotes Eichhörnchen klettert auf einen Baum

Ein Rotes Eichhörnchen klettert auf einen Baum

Foto: dpa Picture-Alliance / Karin Schwan / picture alliance

Kerstin Hoffmann kümmert sich seit Jahren um die Aufzucht und Pflege der Nager. Jetzt gründete sie ein Erste-Hilfe-Team für die Tiere.

Reinbek.  Ein Zufall war der Beginn ihres Engagements. „Eine Dame rief in der Tierarztpraxis an und erzählte, dass sie ein Nest mit Eichhörnchen-Babys gefunden habe . Ich entschied sofort, die Tiere bei mir aufzunehmen“, erzählt Kerstin Hoffmann. Vor 15 Jahren gab sie den ersten kleinen Nagern ein Zuhause. Damals war die Tierarzthelferin noch unerfahren in Sachen Aufzucht, heute ist ihr Wissen darüber und Krankheitsbilder von Eichhörnchen in ganz Deutschland gefragt.

Während Kerstin Hoffmann damals zu der Anruferin fuhr, um die vier Tierchen in einem Schuhkarton in Empfang zu nehmen, recherchierte ihre Freundin Katja Wetzler über Ernährung und Pflege. Denn es blieb nicht viel Zeit bis zur ersten Fütterung. „Mit meinem heutigen Know-how hätte ich einiges anders gemacht“, sagt die 37-Jährige. Inzwischen zieht Hoffmann pro Jahr 50 bis 70 Tiere groß. Paarungszeit der Tierart ist zwischen Februar und Oktober. Nach 38 Tagen kommen die Kleinen zur Welt. Bei der Geburt wiegen die Babys unter zehn Gramm und haben noch kein Fell.

Manche Vierbeiner wurden gerade erst geboren, andere sind schon ein paar Wochen alt, wenn sie bei Kerstin Hoffmann einziehen. Derzeit versorgt die Tierarzthelferin sechs Eichhörnchen. Vier Geschwister, die gerade zwei Tage alt waren, als sie vor fünf Wochen zu ihr kamen, sowie zwei Einzeltiere, die drei Wochen alt sind. Zwei weitere Geschwisterkinder sind nach nur vier Lebenstagen gestorben. Sie waren aus dem Nest hoch oben in den Bäumen gefallen.

Nachts heißt es alle zwei Stunden zur Fütterung aufstehen

„Eines der beiden, ich habe es Bambi genannt, war auf den Kopf gestürzt und hatte eine Schädelverletzung. Das andere Eichhörnchen war bereits von Geburt an krank.“ Jedes Tier, das stirbt, wird von Tierarzt Dr. Olaf Manzel und Kerstin Hoffmann seziert. „Wir möchten in der Praxis auch den Tieren in der freien Natur helfen“, sagt Manzel. „Und erfahren, warum die Tiere gestorben sind, um daraus zu lernen und Wissen anzureichern“, ergänzt die Tierarzthelferin. Das Wissen hat der Expertin inzwischen einen bundesweiten guten Ruf beschert. Eichhörnchenschützer aus vielen Teilen Deutschlands fragen sie um Rat. Hoffmann: „Vor allem, wenn es um Krankheiten geht.“

Auch die Wildtierstation des Tierheims Süderstraße bittet sie um Hilfe, wenn kleine Hörnchen ein Zuhause mit Mama-Ersatz brauchen. Dafür opfert die Tierarzthelferin nicht nur so manche Stunde Schlaf, auch ihr Alltag richtet sich nach den Tieren. Wenn diese jünger als drei Wochen sind, steht Hoffmann nachts sogar alle zwei Stunden auf, um sie zu füttern. Von morgens bis abends sind die kleinen Nager bei ihr. Auch in der Reinbeker Tierarztpraxis haben sie ihren Platz.

Freunde und Verwandte helfen bei der zeitintensiven Arbeit

Ihre Nahrung erhalten sie mit einer kleinen Spritze, auf die ein ebenso kleiner Sauger gesetzt wird. Nach dem Fressen geht es wieder in einen warmen Beutel zum Schlafen. Die ganz Kleinen kommen in einen Inkubator, damit sie ihre Körpertemperatur halten können. Wenn die Tiere größer werden, trägt die Eichhörnchen-Mama sie in einem Sack bei sich, damit die Tiere ihre Körpernähe spüren. Auch größere und erkrankte Eichhörnhen kommen in die Obhut der Expertin. Meist dann, wenn andere mit der Pflege nicht weiterwissen. In der Praxis wird das toleriert. „Ich bin meinen Chefs und den Kollegen unfassbar dankbar für diese Unterstützung“, sagt Kerstin Hoffmann. Genauso ihrem Mann Nils, der das ungewöhnliche Hobby seiner Frau akzeptiert.

In einem Alter von etwa acht Wochen werden die Eichhörnchen umquartiert. Dann kommen sie in eine Außenvoliere der Wildtierstation vom Franziskustierheim in Hamburg. Dort lernen die Nagetiere, die alle einen Namen bekommen, das Klettern und bauen Muskeln auf. Nach rund weiteren vier Wochen werden die Tiere in die Freiheit entlassen. „Dieser Moment macht mich überaus glücklich und stolz, weil die Eichhörnchen es dann geschafft haben“, sagt die Tierarzthelferin. Mit Freunden und Verwandten hat sie inzwischen ein Team gegründet, um noch mehr Tieren helfen zu können. Sie nennen sich „de Kattekers“ (niederdeutsch: die Eichhörnchen), wollen so viele Eichhörnchen wie möglich retten und dafür Sorge tragen, dass Findelkinder nicht unfachmännisch versorgt werden.

Kerstin Hoffmann hatte schon als Kind ein großes Herz für Tiere. „Ich sammelte jede Schnecke und jedes Kleintier auf, um mich darum zu kümmern“, sagt sie. Ihr Berufswunsch zeichnete sich im Alter von sechs Jahren ab. „Tierärztin wollte ich werden, bis mir klar wurde, dass ich dann noch länger zur Schule gehen müsste. Darum wurde es die Tierarzthelferin, und ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung.“