Stormarn
Grosshansdorf

Konzert-Kritik: Ein musikalischer Abstecher ins Grün

Foto: Sebastian Knorr

Das Calefax Reed Quintet kam zum Schleswig-Holstein Musik Festival nach Großhansdorf. Die Zuschauer hörten tierische Töne.

Grosshansdorf.  So viele Autos stünden in ihrer Straße sonst nur bei Konfirmationen, sagt eine ältere Dame zu ihrer Enkelin beim Abendspaziergang am Sonnabend in der Alten Landstraße in Großhansdorf. So ganz richtig ist das aber nicht. Im dritten Jahr lockt das Schleswig-Holstein Musik Festival jetzt schon Liebhaber klassischer Musik in die Auferstehungskirche der Waldgemeinde. Und sie kommen in Scharen.

Die Kirche zum Konzert des niederländischen „Calefax Reed Quintet“ ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Zu hören ist „Schumann und die Natur“, ein Programm, das die fünf Musiker für den Abend zusammengestellt haben und das in zwei Stunden einen soliden Eindruck darüber vermittelt, was die Natur und die mitgebrachten Instrumente so zu bieten haben: Elegisches und Bedrohliches, quietschende und quäkende Töne, tänzerische Melodien oder majestätische Fanfaren.

Geräuschkulisse mit tierischen Tönen beeindruckt

Zu hören sind eine Oboe, zwei Klarinetten, ein Saxophon und ein Fagott. Ausschließlich Rohrblattinstrumente also. Zum klassischen Bläserquintett fehlen Horn und Flöte. Das ist ungewöhnlich, hat den Rohrblatt-Ensemble-Pionieren in ihrer 32-jährigen Geschichte international aber schon zahlreiche Nachahmer beschert.

So richtig speziell klingt das Ensemble bei „Zugvögel“ von Carola Bauckholt. 2012 hat die Komponistin das Stück eigens für Calefax geschrieben, das ebenso für Staunen und Grinsen bei den Konzertbesuchern sorgt.

Denn der Titel hält, was er verspricht. Mehr als zwölf Minuten sind Schreie und Gesänge von Schwänen, Falken, Pelikanen und anderen Vögeln zu hören. Um den Klang aus der Natur möglichst exakt nachzuahmen, nehmen die Musiker mal die gesamten Instrumente – Raaf Heekema rappelt mit den Klappen seines Saxophons einen Storch herbei – ,dann auch mal nur das Mundstück zu Hilfe. Eine beeindruckende Geräuschkulisse.

Um eine akustische Begegnung mit der Natur geht es auch am Rest des Abends, dann allerdings mit Stücken bekannter Komponisten. Auch die hat es in die Natur getrieben. Felix Mendelssohn etwa, Franz List, der sich von Spaziergängen in der Schweiz inspirieren ließ. Und Robert Schumann, von dem die romantische Komposition „Waldszenen“ zu hören ist.

Einen interessanten Abstecher in den Barock gibt das Quartett mit einer Bearbeitung der Suite „Le rappel des oiseaux“ des französischen Komponisten Jean-Philippe Rameau – im Programmheft ist das Stück mit „Erinnerung der Vögel“ übersetzt. Nach einem verdient langen Schlussapplaus gackert dann als Zugabe auch noch ein aufgebrachtes Huhn über die Bühne: „La Poule“ („Die Henne“), wiederum von Rameau. So toll kann Natur klingen.