Stormarn
Bürgerinitiative

Oher Protestwelle erreicht Reinbeker Rathaus

Wolfgang Voß (v.l.), Silke Althoff und Klaus-Peter Neumann überreichen Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer die Unterschriftensammlung

Wolfgang Voß (v.l.), Silke Althoff und Klaus-Peter Neumann überreichen Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer die Unterschriftensammlung

Foto: René Soukup / HA

Initiative sammelt Hunderte Unterschriften für Erhalt der Sportanlage. Sie wurden jetzt Bürgermeister Björn Warmer übergeben.

Reinbek.  Die Bürgerinitiative Ohe erfährt breite Unterstützung im kleinen Reinbeker Stadtteil bei ihrem Bestreben, die Anlage des Sportvereins zu erhalten. Binnen sechs Wochen hat sie dort 467 Unterschriften gesammelt und diese in einer Mappe samt Dokumentation am Freitag Bürgermeister Björn Warmer übergeben. „98 Prozent der Befragten und rund die Hälfte aller Bürger ab 16 Jahren im Ort haben signiert“, sagt Klaus-Peter Neumann, Sprecher der Gruppe. Ob er und seine Mitstreiter die Politik damit überzeugen können, von Umzugsplänen abzurücken, ist offen. Zu heterogen ist das Meinungsbild der Parteien, einige haben sich noch nicht festgelegt.

Unbestritten ist, dass der 1200 Mitglieder zählende FC Voran Ohe ein Problem hat. Seine Sportstätte an der Straße Amselstieg ist marode. Die Mängel umfassen Geschäftsstelle, Rasenplatz und auch Sanitäranlagen. Dazu benötigt der Verein mehr Hallenzeiten, arbeitet wegen fehlender Kapazitäten in Sparten mit Wartelisten.

Positionspapier des Vorstands verärgert Vereinsmitglieder

Eine Arbeitsgruppe aus Politik, Verwaltung und Vereinsvertretern hatte schon 2014 nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Dabei wurde ein Umzug inklusive Neubau einer Anlage an der Ecke Haidkrugchaussee/Am Sportplatz gegenüber dem Kalksandsteinwerk im Stadtteil Neuschönningstedt ins Auge gefasst, rund einen Kilometer vom jetzigen Areal entfernt. Die Fläche gehört Reinbek. Eilig hatten es die Entscheidungsträger wegen diverser anderer wichtiger Projekte aber nicht und wollten zuerst eine Kalkulation für verschiedene Varianten. Das Projekt in Neuschönning­stedt inklusive Dreifeldhalle, Tennis-Courts, Rasen- sowie Kunstrasenplatz und Vereinshaus kostet fünf Millionen Euro. Einnahmen in Höhe von 5,9 Millionen Euro für den Grundstücksverkauf, damit Häuser am Amselstieg entstehen können, sind eingerechnet. Ein Neubau in Ohe kostet 9,8, eine Sanierung der Anlage 8,6 Millionen Euro – jeweils mit Halle und Kunstrasenplatz.

Der Vereinsvorstand hat sich in einem Positionspapier für den Umzug stark gemacht. Das sorgte für Ärger unter Mitgliedern. Einige lehnen eine Verlagerung ab. „Zwei von ihnen haben uns geholfen beim Sammeln der Unterschriften“, sagt Neumann. Sein Engagement in der Initiative begründet er so: „Der Verein und der Ort Ohe sind als Identitätsmarke untrennbar verbunden.“ Außerdem zweifelt der Rentner an der Kostenschätzung der Verwaltung. Die von der Initiative präferierte Renovierung sei auch für 1,3 Millionen Euro weniger zu haben. Die Halle ist bei dieser Rechnung außen vor. „Sie ist nicht nur für den FC Voran, sondern auch den schulischen Bedarf und andere Vereine“, so der Sprecher. Der Standort des Gebäudes müsse nicht in Ohe sein.

In der Einschätzung, wie kaputt die Sportstätte ist, haben Initiative und Rathaus unterschiedliche Auffassungen. Während die einen die Lage weniger kritisch sehen, sagt Bürgermeister Warmer: „Der Zustand ist sehr schlecht. Unsere Hochbauexperten meinen, sie ist nur schwer sanierungsfähig.“

Politische Mehrheitsverhätnisse haben sich verändert

Im Haushalt stehen 60.000 Euro für die Planung zur Verfügung. Doch in welche Richtung geht es? Lange schien der Umzug am wahrscheinlichtsten. Doch nach der Kommunalwahl im Mai haben sich andere Mehrheitsverhältnisse ergeben. Inzwischen sind die Grünen zweitstärkste Kraft hinter der CDU. „Wir wollen sanieren, können das durch die neue Zusammensetzung im Stadtparlament hinbekommen“, sagt Grünen-Fraktionschef Günther Herder-Alpen. Die CDU plant in den Ferien Treffen mit Initiative und Verein. Der Fraktionsvorsitzende Patrick Ziebke: „Der Wunsch der Bürger wird in unsere Meinungsbildung einfließen.“

Die SPD hat sich festgelegt. „Wir rücken nicht von der Verlagerung ab“, sagt Fraktionschef Volker Müller. Mehr als die Hälfte der Mitglieder kämen aus den benachbarten Neuschönnigstedt und Schönningstedt, das spreche für einen neuen Standort. Die Wählergemeinschaft Forum 21 wollte das Umzugs-Projekt schon in der Vergangenheit vorantreiben, während sich die FDP in Zurückhaltung übt. Der Fraktionsvorsitzende Bernd Uwe Rasch: „Wir werden nichts gegen den Willen der Bürger durchsetzen, damit meine ich aber alle Reinbeker.“