Stormarn
Sprachdusche

Schüler machen öffentliche Kunst in Bargteheide

Schüler des Eckhorst-Gymnasiums an der Sprachdusche am Dorfteich, der von vielen Bargteheidern mittlerweile „Wörtersee“ genannt wird

Schüler des Eckhorst-Gymnasiums an der Sprachdusche am Dorfteich, der von vielen Bargteheidern mittlerweile „Wörtersee“ genannt wird

Foto: Lea Pölkow / HA

Kostenlose Literatur am „Wörtersee“: Mit der Sprachdusche verschaffen sich Gymnasiasten am Dorfteich der Stadt Gehör.

Bargteheide.  Schülerin Arlinda steht am Dorfteich in Bargteheide unter einer Dusche aus V4A-Stahl, umringt von 20 Mitschülern des Gymnasiums Eckhorst. Dann drückt die 13-Jährige den Duschknopf. Aber aus dieser Dusche fließt kein Wasser heraus – es sind Wörter. Geschichten und Gedichte aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen.

Texte wurden in einem Studio in der Schule augezeichnet

Mit diesem symbolischen Knopfdruck an einem Kunstprojekt begann am Donnerstag in Bargteheide eine neue Episode der so genannten Sprachdusche. Was seit zehn Jahren einen festen Platz am neu gestalteten Teich hat, erfährt nun eine weitere Aufwertung: In einer Projektwoche haben die Mädchen und Jungen für Deutschlands erste Sprachdusche weitere Texte geschrieben und diese in einem schuleigenen Tonstudio aufgenommen.

Ab sofort sind die Werke der Mittelstufenschüler am historischen Dorfteich der Stadt unter einer Linde zu hören. Wer sich neben dem Teich stellt, den die Bargteheider inzwischen gern „Wörtersee“ nennen, kann bis zu 45 Minuten lang Hör-Kunst im öffentlichen Raum erleben. Alexander Wagner als Vertreter der Stadt würdigte das Projekt mit diesen Worten: „Die Kinder können sich auf diese Weise in der Stadt einbringen.“ Die Kommune unterstütze das Projekt. Auch Claudia Selzener, Sozialpädagogin am Eckhorst-Gymnasium, ist begeistert. Schüler könnten das Stadtleben mitgestalten und hätten so eine Stimme in Bargteheide, sagt sie.

Am Wörtrsee kommen Gedichte und Witze aus der Brause

Die Anfänge der Sprachdusche gehen auf das Jahr 2007 zurück. Damals hatten die beiden Künstler Matthias Bertholt und Andreas Schön den ehemaligen Feuerlöschteich in ein elegantes Parkgewässer verwandelt. Als Teil der Initiative „Kunst im öffentlichen Raum“ erwachte wenig später als Siegerin eines Ideenwettbewerbs die Sprachdusche zum Leben.

Das Konzept der Sprachdusche ist einfach. Wie bei einer normalen Dusche stellen sich Interessierte unter sie und betätigen einen Knopf. Anstatt von Wasser wird man am „Wörtersee“ jedoch von Gedichten, Witzen, Liedern und Kurzgeschichten berieselt. Waren es zunächst zwölf einzelne Beiträge zum Hören, so sind es zum zehnjährigen Jubiläum immerhin 27. Die Schülerinnen und Schüler haben freiwillig ganze Arbeit geleistet. Die Beiträge wurden von Siebt- bis Neuntklässlern der Schule erstellt. Alles von ihnen selbst geschrieben und im Studio aufgenommen.

Texte sind innerhalb von einer Woche entstanden

„Kreativ“ ist das Erste, was der Zwölfjährigen Constance zu dem Projekt einfällt. Die Schüler hatten von ihren Lehrern keinerlei Vorgaben bekommen, was Thema oder Format anbelangt. Als die Wörter nur so aus der Dusche sprudeln, zeichnet sich Begeisterung auf den Gesichtern der Kinder ab. Eine Siebtklässlerin sagt, es sei ziemlich aufregend und spannend, die eigenen Texte und vor allem die eigene Stimme live im Lautsprecher zu hören.

Eine Woche hatten die Gymnasiasten Zeit, um ihr Stück zu erstellen. Die ersten beiden Tage der Projektwoche wurden mit der Ideensammlung und schriftlichen Ausarbeitung verbracht. Am dritten Tag wurde alles im schuleigenem Studio aufgenommen.

Zwölfjährige hat einen „Poetry Slam“-Text geschrieben

Unter der Leitung der Lehrerinnen Christiane Anders und Nadine Mroz haben die Kinder innerhalb von vier Tagen ihr Projekt fertig gestellt. Die Lehrer hatten den Kindern für ihr Stück lediglich eine Zeitbegrenzung von zwei Minuten gegeben.

Constance spricht begeistert von der Woche. Die Zwölfjährige hat einen „Poetry Slam“-Text mit dem Titel „Individualität“ geschrieben, den jetzt alle hören können. Die Siebtklässlerin hat sogar zwei Beiträge geschrieben. Einer ist ein Ausschnitt aus der Vorlage für ihr erstes Buch. Die 20 Schüler waren jedenfalls so begeistert von ihrem Werk, dass alle am Donnerstag unter der Dusche tanzten.