Stormarn
Bargteheide

Ein Musiker-Quartett lässt den Tango sprechen

Harmonie, gewürzt mit der Leidenschaft tief empfundener Emotionen: Karolina Trojok (v. l.), Katharina Maria Kagel und André Böttcher auf der Bühne des Kleinen Theaters

Harmonie, gewürzt mit der Leidenschaft tief empfundener Emotionen: Karolina Trojok (v. l.), Katharina Maria Kagel und André Böttcher auf der Bühne des Kleinen Theaters

Foto: Elvira Nickmann / HA

Kritik der Woche: Beim bravourösen Auftritt im Kleinen Theater Bargteheide zeigt Katharina Maria Kagels Ensemble, was in ihm steckt.

Bargteheide.  Rot und Schwarz, die Farben des Tango, stehen für Leidenschaft und Lebensfreude, aber auch Trauer und Hoffnungslosigkeit. Diese Facetten aufzuzeigen, hatte sich das Tango-Quartett der Opernsängerin Katharina Maria Kagel für seinen Auftritt im Kleinen Theater Bargteheide vorgenommen. Südamerikanische und Musik des spanischsprachigen Raums ergänzten das stimmige Programm, gesungen wurde auf Englisch, Spanisch und Deutsch.

„Obwohl ich eher südländisch aussehe, bin ich sehr norddeutsch“, sagte die in Großensee wohnende Kagel. Sie habe das Quartett mit Pianistin Karolina Trojok, Jurij Kandelja am Knopfakkordeon und Violinist André Böttcher ins Leben gerufen, um etwas von ihrer Liebe zu Spanien, zum Temperament der Südländer und deren Musik in den kühlen Norden zu bringen. In ihrer Moderation gab die Sängerin einen kurzen Abriss zur Historie dieser Musikrichtung, entstanden aus einer Vermischung der Musik europäischer und afrikanischer Einwanderer mit lateinamerikanischen Einflüssen.

Von Tragik über Glaube bis Freude – und wieder Piazzolla

Als Erstes erklang mit Astor Piazzollas „Chau Paris“ ein Instrumentalstück. Danach schloss sich die Arie „Draußen am Wall von Sevilla“ aus der Bizet-Oper „Carmen“ an, der die Sopranistin mit ihrer voluminösen Stimme viel Gefühl und Temperament verlieh. Mit „Libertango“, ein Klassiker des Tango Nuevo und wiederum von Piazzolla, folgte ein Stimmungsumschwung hin zum Tragischen. „Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“, lieferte Kagel das passende Zitat.

Berührend die Stärke des Glaubens, die die Sängerin in einer südamerikanischen Version eines „Ave Maria“ zum Ausdruck brachte. Konzeptionell erwies sich der Wechsel von Gesangs- und Instrumentalstücken als Bereicherung. Stand Kagel auf der Bühne, richtete sich der Fokus der Aufmerksamkeit unweigerlich auf die Sängerin. Zog sie sich zurück, konnten die Instrumentalisten glänzen.

Eigenkompositionen brachten Publikum zum Staunen

Große Begeisterung rief André Böttchers Darbietung seiner Eigenkomposition „Die Lerche“ auf der Violine beim Publikum hervor. Ein schwungvolles Stück, das mit Raffinesse und Originalität bestechen konnte. Humorvoll Jurij Kandeljas „Hühnerhof“, bei dem er seinem Knopfakkordeon derart aufgeregte Tonfolgen entlockte, das die Zuhörer in Lachen ausbrachen.

Bei der Melodie von „Girl from Ipanema“, laut Kagel „eine echte Schmonzette“, durfte das Publikum einstimmen, was nach zögerlichem Anfang schließlich in einem raumfüllenden Chorgesang und großem Spaß gipfelte. Das ausgezeichnet spielende Tango-Quartett sorgte für einen so überraschenden wie unterhaltsamen und sehr gelungenen Abend – Fortsetzung erwünscht.