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Kinderbetreuung

Hortplatz-Ärger: Minister belehrt Ahrensburg

Sozialminister Heiner Garg (FDP) sieht bei den fehlenden Kinderbetreuungsplätzen die Stadt Ahrensburg in der Verantwortung

Sozialminister Heiner Garg (FDP) sieht bei den fehlenden Kinderbetreuungsplätzen die Stadt Ahrensburg in der Verantwortung

Foto: Röhrbein, Ingo (Hamburg, DEU) / Roehrbein, Ingo (Hamburg, DEU)

Stadt braucht eine Offene Ganztagsschule, sagt Heiner Garg. Bürgermeister Michael Sarach weist Kritik aus Kiel als unberechtigt zurück.

Ahrensburg.  Schleswig-Holsteins Sozialminister Heiner Garg (FDP) hat auf den Brandbrief der Eltern zum Hortplatz-Mangel mit Kritik an der Stadt Ahrensburg reagiert. Sie sei für das Thema verantwortlich und habe als Schulträger die Möglichkeit, eine Offene Ganztagsschule (OGS) einzurichten, sagte er dem Abendblatt. In dieser gelte im Unterschied zum Hort kein Fachkräftegebot. „Warum Ahrensburg diesen in anderen Städten und Gemeinden üblichen Weg bisher offenbar nicht umsetzt und stattdessen die Senkung der Qualitätsstandards der Hortbetreuung zur Diskussion gestellt wird, kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Garg. Er habe umgehend veranlasst, Bürgermeister Michael Sarach über die bestehenden Möglichkeiten zu informieren.

Wie berichtet, sind Dutzende

Ahrensburger Eltern verzweifelt, weil sie ab August noch keinen Hortplatz für ihr Kind haben. Der Grund: Es fehlen Erzieher. Der Elternbeirat der Grundschule Am Aalfang und die Elternvertretung der benachbarten Kita fordern deshalb von der Landesregierung, das für Horte geltende Fachkräftegebot temporär außer Kraft zu setzen.

Die Stadt sucht zurzeit einen Träger für Ganztagsschule

Michael Sarach weist die Kritik aus Kiel als unberechtigt zurück. „Ich finde, wir sind bei dem Thema zeitlich schon ziemlich weit“, sagt der Verwaltungschef. Zum Schuljahr 2019/20 soll zuerst die Grundschule Am Reesenbüttel umgestellt werden. Derzeit sucht die Stadt per europaweiter Ausschreibung einen Träger für den Betrieb. Die anderen drei Grundschulen sollen nach und nach folgen, wenn sich das Modell am Reesenbüttel bewährt. Einen konkreten Zeitplan gibt es dafür aber noch nicht. „Wir haben als Stadt Ahrensburg viel zu spät angefangen, die Chance mit der Offenen Ganztagsschule zu ergreifen“, sagt Thomas Bellizzi (FDP). „Die Platz-Problematik wäre erledigt, wenn wir bei der OGS schon weiter wären.“ Zumal das Modell viele Vorteile biete. So hätten nicht nur alle Schüler einen garantierten Betreuungsplatz, auch eine Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden, Musikschulen und anderen Organisationen werde möglich.

„So einfach geht das alles nicht“, sagt dagegen Sarach. Die Schulen müssten erst einmal auf die Umstellung vorbereitet werden. „Und wir brauchten ein pädagogisches Konzept.“ Denn klare Vorgaben aus Kiel, an denen sich die Kommunen orientieren können, gebe es nicht. Die Schulleiter aller vier Grundschulen, Lehrer und Eltern der Grundschule Am Reesenbüttel, die Arbeiterwohlfahrt als Hort-Träger, Politik und Verwaltung haben deshalb laut Sarach einen Rahmen „mühsam erarbeitet“.

Sozialausschuss beschäftigt sich seit Monaten mit Thema

„Ich finde, das Land macht es sich ein bisschen einfach. Hier ist keiner untätig“, sagt Doris Brandt (CDU), Vorsitzende des Sozialausschusses. Seit Monaten beschäftigt sich das Gremium immer wieder mit dem Thema, hat zahlreiche Erweiterungen an den Horten beschlossen. Regelmäßig kommen verzweifelte Eltern zu den Sitzungen, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Wir haben die Offene Ganztagsschule schon länger auf dem Zettel, aber die Umstellung muss mit Bedacht geschehen“, sagt Brandt. Auch angesichts der finanziellen Bedingungen.

Nur 35.000 Euro gebe es jährlich vom Land für den OGS-Betrieb, den Rest müssten Stadt und Eltern tragen. Und das Fachkräfteproblem sei damit nicht gelöst. Brandt: „Auch bei einer Offenen Ganztagsschule wollen wir qualitativ hochwertige Betreuung.“ Deshalb müsse gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden, den Beruf des Erziehers attraktiver zu machen und die Ausbildung zu verbessern.

Der Elternbeirat der Grundschule Am Aalfang, der Absender des Brandbriefs, bekam bisher keine Antwort von Garg. Generell halte sie eine OGS für sinnvoll, sagt Vorstand Franziska Janz. „Aber das braucht Zeit.“ An der Grundschule Am Aalfang seien die baulichen Voraussetzungen für eine OGS noch nicht geschaffen. So gebe es zum Beispiel keine Cafeteria für Mittagessen.

Kommunen fühlen sich mit der Organisation überfordert

Der Stadtverordnete Bela Randschau (SPD) sieht die Schuld für die Misere in Kiel. „Wenn die rechtlichen Vorgaben klar wären und es eine bessere finanzielle Unterstützung vom Land gäbe, hätten viele Städte und Gemeinden die Offene Ganztagsschule längst eingeführt – auch wir“, sagt er. Ahrensburg gehe mit der Einführung der Offenen Ganztagsschule Am Reesenbüttel „finanziell massiv in Vorleistung, weil wir uns in einer Notlage befinden“.

Die Kommunen würden mit der Einführung organisatorisch und finanziell überfordert, sagt Sarach. Er hält die Offene Ganztagsschule für den falschen Weg, plädiert stattdessen für eine gebundene Variante, die das Land organisieren müsse. „Momentan hängt es von der Finanzkraft einer Kommune ab, ob sie sich eine OGS leistet“, sagt er. „Dadurch entsteht eine Ungleichheit.“