Stormarn
St.-Marien-Kapelle

Schönberg hat die jüngste Küsterin Norddeutschlands

Die 19-jährige Melina Bluhm arbeitet als Küsterin in der St.-Marien-Kapelle in Schönberg

Die 19-jährige Melina Bluhm arbeitet als Küsterin in der St.-Marien-Kapelle in Schönberg

Foto: Joana Ekrutt / HA

Eine 19 Jahre alte Schülerin hat das Amt in der St.-Marien-Kapelle übernommen. Ihr Großonkel geht nach 55 Jahren in den Ruhestand.

Schönberg.  Strahlend öffnet sie die Tür der kleinen Kapelle. Ihrer Kapelle. Melina Bluhm ist erst 19 Jahre alt und kümmert sich als Küsterin um die St.- Marien-Kapelle in Schönberg bei Sandesneben. Ihr zartes Alter macht sie zur jüngsten Küsterin der Nordkirche. Dass sie dieses Amt in der kleinen Gemeinde übernommen hat, kommt keineswegs von ungefähr. Die junge Frau ist in die Fußstapfen ihres Großonkels Herbert Bluhm getreten, der ganze 55 Jahre lang Küster der Kapelle war und nun in den Ruhestand gegangen ist.

„Ich bin mit dieser Kirche aufgewachsen“, sagt sie, während sie durch den Kirchengang zum Altar geht. Schon ihre Eltern wurden hier getraut. Sie selbst wurde in der kleinen Kapelle getauft und konfirmiert. Auch die räumliche Nähe ist gegeben. Die 19-Jährige wohnt mit ihrer Familie nur zwei Häuser weiter, ihr Großonkel schräg gegenüber. In den Beruf des Küsters hat sie bereits früh Einblicke bekommen. „Ich habe schon als Kind geholfen, die Kirche zu dekorieren und zu Weihnachten den Tannenbaum geschmückt“, sagt sie.

Zu ihrem Großonkel hat sie eine enge Bindung. „Er hat mich und meine beiden Schwestern mit großgezogen.“ Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass sie mit ihren 19 Jahren den Küsterdienst übernimmt. „Diesen Job machen überwiegend Rentner“, sagt sie augenzwinkernd. Zu den Aufgaben eines Küsters gehört es, Gottesdienste vor- und nachzubereiten. Was genau sind das für Aufgaben? „Ich muss die Liedernummern für den Gottesdienst aufstecken, den Altar herrichten, die Kirche für Taufen oder Konfirmationen schmücken, Blumen und Kerzen besorgen.“

Kapellenbesucher geben positives Feedback

Putzen gehört auch dazu. „Saugen, feudeln, staubwischen.“ Hinzu kommen das Aufhängen und Einsammeln der Geldtaschen für die Kollekte, Glockenläuten, Bänke verrücken und Gesangbücher verteilen. Melina Bluhm leitet zudem eine Jugendgruppe und begleitet den Konfirmandenunterricht. Bei einer so langen Liste kann einem schon mal der Überblick verloren gehen. „Ich habe mir eine Checkliste geschrieben, mit den Dingen, die ich zu erledigen habe oder die ich besorgen muss“, gibt sie lachend zu. Beim Glockenkasten bleibt sie stehen und erklärt die automatische Glockensteuerung. „Eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst wird mit der kleinen Glocke geläutet, zehn Minuten vorher mit beiden.“ Das passiert händisch. „Der Moment, in dem man drückt, ist spannend. Man hört es ja überall.“ Was ihr an ihrer Arbeit am besten gefällt? „Der Kontakt mit den Menschen und der Gemeinde“, sagt sie und fügt hinzu: „Motivierend ist zudem, den Altar zu dekorieren, das Endergebnis zu sehen.“ Die Reaktionen fielen positiv aus. „Bei den Konfirmationen wurden viele Fotos gemacht und die Leute haben sich bedankt, dass es so schön in der Kirche aussah“, sagt die 19-Jährige und lächelt.

Die St.-Marien-Kapelle ist sehr klein, geradezu unscheinbar. Am Ende einer Wohnstraße, auf einem Hügel gelegen, ist sie leicht zu übersehen. 80 bis 100 Menschen haben in der Kirche Platz, schätzt die junge Küsterin. 1962 wurde die Kapelle gebaut und die Gemeinde Schönberg bekam ihr eigenes Gotteshaus. „Früher mussten die Leute zu Fuß nach Sandesneben“, erzählt Bluhm. Großonkel Herbert war also von Anfang an dabei. Er gehört quasi zum Kircheninventar. So lasse er es sich auch nicht nehmen, seine Großnichte ab und zu bei der Arbeit zu besuchen. „Ich bin froh, dass er da ist“, sagt sie. 2017 haben die beiden den Küsterdienst noch gemeinsam ausgeübt, seit Februar arbeitet die Oberstufenschülerin autark. „Am Anfang war ich nervös. Es steht keiner mehr hinter einem“, sagt die Schönbergerin. „Die ersten drei, vier Male habe ich ihn noch angerufen.“ Diese Hürde hat sie inzwischen gemeistert. Und das Feedback der Kapellenbesucher falle durchweg positiv aus. „Die Leute freuen sich, dass ich den Job mache.“

Trotz Schule und Küsterdienst hat Melina Bluhm viele Hobbys

Zwei bis drei Gottesdienste betreut Melina Bluhm pro Monat. Der Arbeitsaufwand liege monatlich bei rund 20 Stunden. Unter der Woche Besorgungen tätigen, am Sonnabend die Vorbereitung, das alles neben der Schule – bleibt da noch Zeit für Hobbys? „Ich spiele Altsaxophon im Orchester, gebe Nachhilfe und habe eine Reitbeteiligung“, sagt sie. Wenn es die Zeit erlaubt, reise sie zudem gern. Aber die Prioritäten sind klar: „Der Gottesdienst geht vor.“

Dennoch hat sie bereits feste Pläne für die Zeit nach dem Abitur: „Ich möchte Musik auf Lehramt studieren.“ Als Zweitfach käme, passenderweise, Religion infrage. Ob sie dann nebenbei noch als Küsterin arbeiten wird, hängt vom künftigen Studienstandort ab. Den Rekord vom Großonkel zu brechen, könnte somit schwer werden. Ihren ganz eigenen Rekord hat sie aber ja schon in der Tasche: Den der jüngsten Küsterin Norddeutschlands.