Stormarn
Theater in Bad Oldesloe

Jugendsprache trifft Klassik: Gib mir Faust, Alter!

Teuflisches Duo: Teufel und Teufelin Max Sacharow (vorne l.) und  Anne-Sophie Heidmann spielen mit den Seelen von drei Schülern

Teuflisches Duo: Teufel und Teufelin Max Sacharow (vorne l.) und Anne-Sophie Heidmann spielen mit den Seelen von drei Schülern

Foto: Sebastian Knorr / Sebastian Knorr/ HA

Jugendliche der Oldesloer Bühne Theater spielen im KuB die moderne Schulversion von Goethes Klassiker. Die Premiere ist am Sonntag.

Bad Oldesloe.  Schüler können ja manchmal ziemlich ehrlich sein: „Ich hab die ersten zwei Seiten gelesen“, sagt einer da zu seiner Lehrerin auf der Probebühne in Bad Oldesloe, „und hatte schon kein Bock mehr. So redet doch kein Mensch. Und wie lange hat der daran geschrieben? 60 Jahre? Wie kann man sein Leben an so einen geistigen...“

Es folgt ein Wort, das Sie in ihrer Zeitung nicht lesen möchten, am kommenden Sonntag aber auf der Bühne des Kultur und Bildungszentrums (KuB) hören können. „Faust – Doppelt oder nichts“ heißt das aktuelle Jugendstück der Oldesloer Bühne. Es ist ebenso frech wie unterhaltsam. Und bietet einen lockeren Kommentar zu Goethes klassischer Schullektüre.

Gott und Mephisto wetten um Schülerseelen

Es beginnt, wie im Original des Meisters, mit einem Vorspiel auf dem Theater. Anno 2018 mit der Gretchenfrage der schulischen Faust-Darbietung. „Das Problem ist, dass Schüler überhaupt keine Achtung vor den Klassikern haben“, so die Perspektive des Lehrkörpers. Mitnichten, sagt der Schüler: Das Stück „soll witzig sein und in unserer Sprache“.

Gesagt, getan. Und frecher Humor und aktuelle Sprache tun dem Bildungstheater gut. „Frei nach Faust“ steht im Untertitel. Der Klassiker bleibt hier und dort erkennbar, vieles ist stark verändert. Anstelle des alten Doktors Faust, wetten Gott und Mephisto, der in Oldesloe mal in männlicher (Max Sacharow) und mal in weiblicher (Anne-Sophie Heidmann) Gestalt auf die Bühne kommt, in „Faust – Doppelt oder nichts“ um die Seelen dreier Schüler: die einsame und fleißige Christina (Emily Stettinger), der unterdrückte und schüchterne Benni (Janna Klagmeyer) und Joe (Ellinor Schatz), der ebenso entspannt wie schwer von Begriff ist. Der Prolog im Himmel spielt im Café, der Osterspaziergang auf dem Kurfürstendamm und Gretchen? Gestrichen. Basta.

„Frei nach Faust“ heißt also wirklich Freiheit und großen Mut – keine Angst, etwas falsch zu machen, falsch zu verstehen, falsch zu interpretieren. Das macht das Stück, das Schüler gemeinsam mit ihrem Lehrer in Fröndenberg (Nordrhein-Westfalen) entwickelt haben, so lebendig.

Verbindung von Jugendsprache und Klassik

Das erinnert stark an Edgar Wibeau: Jenen jungen Helden, den Ulrich Plenszdorf in den 1970er-Jahren in der DDR erdachte. Der auf dem Plumpsklo eine Ausgabe von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ und sich mit voller Leidenschaft und in aktueller Jugendsprache über das hausgemachte Schicksal des Liebenden auskotzt.

Die Verbindung von Jugendsprache und Klassik hat auch Regisseurin Vanessa Sacharow (25) begeistert. Sie hat das Stück gelesen und wollte es unbedingt in Oldesloe mit 14 Jungschauspielern zwischen 13 und 17 aufführen. „Es wird Stellen geben, an denen ältere Zuschauer weniger verstehen sowie Stellen, die jungen Menschen fremd sind“, sagt sie. Kollektive Ratlosigkeit kann ja auch ein verbindendes Moment sein. Und eine gute Gelegenheit ins Gespräch zu kommen – über Goethe; und was sonst so abgeht.

Faust – Doppelt oder nichts So 24.6., 18.00, KuB Bad Oldesloe, Beer-Yaacov-Weg 1, Vvk (Stadtinfo im KuB sowie unter 0176/ 485 611 31): 5,50, AK 7,50; weitere Termine: 30.6., 1.7., jew. 18.00