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100.000 feiern Stadtfest – und was hat Ahrensburg davon?

Stadtforum ist mit Veranstaltung zufrieden, viele Besucher und nur wenige Polizeieinsätze. Gastronomen können ihren Umsatz steigern.

Ahrensburg.  Nach drei Tagen Stadtfest mit rund 100.000 Besuchern zieht der Veranstalter, das Stadtforum Ahrensburg, ein positives Fazit: „Alles ist gut gelaufen“, sagt Götz Westphal. „Unser Sicherheitskonzept hat funktioniert, die Polizei hatte wenig Einsätze und die Gäste waren mit dem Programm sehr zufrieden.“ Doch nicht nur Veranstalter und Besucher bewerten das Stadtfest positiv, sondern auch die Gastronomen sowie Vereine der Stadt. Wie profitiert Ahrensburg genau von solch einer Großveranstaltung? Das Abendblatt ist der Frage nachgegangen.

Geld: Was bleibt der Stadt?

Für die Verkehrsanordnung verlangt das Rathaus eine Gebühr von 89 Euro. Die Genehmigung als Markt kostet 60 Euro. Rund 2000 Euro kommen für die Genehmigung des Alkoholausschanks zusammen. Die Sondernutzungsgebühr beträgt pauschal 5500 Euro. Der Veranstalter muss eine Haftpflichtversicherung abschließen, sodass eventuelle Schäden gedeckt sind. Müssen Mitarbeiter des Bauhofs nach dem Fest ausrücken, um Beete oder Straßen extra zu reinigen, wird der Aufwand ebenfalls in Rechnung gestellt. Den privaten Sicherheitsdienst trägt der Veranstalter. Für die Kosten des verstärkten Polizeieinsatzes mit 70 Beamten muss er nicht aufkommen. „Es ist unsere ureigenste Aufgabe, Gefahren abzuwehren und Straftaten zu verfolgen“, sagt Jörg Marienberg, Leiter der Ahrensburger Polizeiwache. Somit gehöre ein Einsatz wie der beim Stadtfest genauso wie bei anderen Großveranstaltungen zum gesetzlichen Aufgabenbereich.

In diesem Jahr ist das Stadtfest laut Polizei weitestgehend friedlich verlaufen . Kleinere Auseinandersetzungen konnten schnell beendet werden, bei sieben Körperverletzungen konnten die Tatverdächtigen direkt vor Ort ermittelt werden, sechs Personen wurden in Gewahrsam genommen und dreimal gab es einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Bei Jugendschutzkontrollen wurden etwa 120 Jugendliche kontrolliert und präventive Gespräche geführt. 30 Flaschen hochprozentigen Alkohols wurden dabei abgenommen, drei stärker alkoholisierte Jugendliche wurden ihren Eltern übergeben.

Wo werden Steuern gezahlt?

Das Ahrensburger Stadtforum, das das Stadtfest organisiert, ist ein Verein, der laut Satzung gemeinnützig tätig ist und keinerlei Gewinn anstrebt. Deshalb unterliegt er nicht der Steuerpflicht. Die mit der Organisation beauftragte Agentur Schächterle Events & Consulting hat ihren Sitz in der Nähe von Bad Oldesloe und ist dort gewerbesteuerpflichtig. Für einen Bierstand nimmt sie einen Festpreis von 1890 Euro (an Bühnen plus 30 Prozent). Für Plätze mit anderen Speisen und Getränken sind pro Tag und Meter 79 Euro fällig, für Kunsthandwerk nur 18 Euro. Die Standbetreiber zahlen in ihren Heimatorten Steuern, sodass nur das Geld von Ahrensburger Anbietern hierbleibt.

Steigen die Umsätze?

Auch die Gastronomen profitieren vom Ahrensburger Stadtfest. So ist die Schlange am Eistresen beim Café Noris in der Hagener Allee besonders lang. Joel Bastos serviert gerade einen Erdbeerbecher und sagt dann: „Wir können an diesem Wochenende unseren Umsatz steigern. Solch ein Fest ist förderlich.“ Es gebe extra längere Öffnungszeiten. Ähnlich geht es dem Café Gerads in der Hamburger Straße. Yvonne Gerads sagt: „Auch wir haben länger geöffnet und unsere kleine Terrasse haben wir auf die Straße verlegt.“ Von einigen Kunden habe sie aber auch schon Kritik zum diesjährigen Stadtfest gehört. So gebe es viele freie Flächen in der Hamburger Straße. „Manch einer denkt, es kommt hier gar nichts mehr“, sagt sie und schneidet eine Torte an.

Fördert das Fest die Identität?

In der Manhagener Allee hat der Ahrensburger Turn- und Sportverein (ATSV) eine kleine Bühne aufgebaut. Am Sonnabendnachmittag ist dieser Fleck des Stadtfests sehr gut besucht, Menschen drängen sich um die Schaufläche: Rollstuhlbasketball. Ein Spieler wirft gerade einen Korb. Gerd Wollesen, stellvertretender Vereinsvorsitzender, klatscht und sagt: „Es macht Laune, auf diese Art und Weise unseren Verein vorzustellen.“ Das achte Mal sei der Verein jetzt beim Stadtfest mit dabei. „Mittlerweile gehören wir zum Stadtfest wie das Stadtfest nach Ahrensburg.“

Weitere Vereine tummeln sich auf der sogenannten Vereinsmeile an der Großen Straße. So auch der ADFC Ahrensburg. Mitglied Harald Hertling, der seit 1961 in der Schlossstadt wohnt, sagt: „Das Stadtfest ist für die Ahrensburger ein Höhepunkt im Jahr.“ Es sei eine großartige Option, den eigenen Verein bekannter zu machen.

Auch die Musicalschule Ahrensburg zeigt sich auf dem Stadtfest. Diverse Gruppen haben Auftritte auf der Bühne an der Hagener Allee. Schulleiter Hauke Wendt sagt: „Das Stadtfest ist für uns ein fester Bestandteil unseres Schullebens geworden.“ Zum einen weil es den Schülern die Möglichkeit gebe, auf einer Bühne zu stehen und Erlerntes zu präsentieren, zum anderen weil die Schule die Bestrebungen habe, den Veranstalter zu unterstützen. „Das Ahrensburger Stadtfest soll so lokal und damit individuell wie möglich sein.“

Profitiert der Tourismus?

Alljährlich zieht die dreitägige Veranstaltung rund 100.000 Besucher in die 34.000-Einwohner-Stadt. In Ahrensburg dürften seit der Premiere 1985 schon mehr als drei Millionen Menschen gewesen sein. Die Auslastung der Hotels verändert sich an Wochenenden mit Großveranstaltungen nur gering. „Wir stellen zu den Stadtfesten keine Veränderungen fest“, sagt Alexandra Rosendahl, Kommunikationsmanagerin im 109 Zimmer großen Park Hotel. Ähnlich ist es im etwas außerhalb am U-Bahnhof Ost gelegenen Ringhotel. Mitarbeiterin Silke Rasmussen merkt allerdings an: „Immer wieder gibt es am Festwochenende bis in den Morgen hinein Anrufe von ,gestrandeten Stadtfestgästen’, die ungeplant länger gefeiert haben und ein Zimmer suchen.“ Dagegen verzeichnet das Hotel am Schloss (77 Zimmer) eine höhere Nachfrage. Wegen seiner zentralen Lage ist es auch bei auswärtigen Schaustellern beliebt.

Wie hoch ist der Spaßfaktor?

Spaß ist ein wichtiger Punkt, der beim Stadtfest nicht zu kurz kommt. Jedenfalls beurteilen Jella (8) und Maila Holz (6) es als gelungen. „Die Fahrgeschäfte sind super und die Essensstände auch“, sind sich die beiden einig und nehmen im Kettenkarussell Platz. Großmutter Heidemarie Christoph schaut hinterher und sagt: „Jedes Jahr wieder wird ein tolles Programm geboten.“ Ein Besuch mache Jung und Alt Spaß.

Heide Spethmann (76) hat sich auf eine Bank an der Manhagener Allee gesetzt und beobachtet die Menschenmassen. „Seit 1965 wohne ich in Ahrensburg und ich war schon so oft auf dem Stadtfest.“ Es sei ein wichtiges Fest. „Ich hoffe, es wird noch viele Jahre veranstaltet. Nicht, dass hier eines Tages tote Hose ist“, sagt sie lachend. Das Stadtfest bringe ihr viel Spaß. „Mal wieder so richtig Remmidemmi.“