Stormarn
Sicherheit im Verkehr

Praxistest in Ahrensburg: Worauf E-Biker achten sollten

Übung macht den Meister – die Workshop-Teilnehmer (v. l.) Dietmar Sonntag (69), Kerstin Witten (25), Helmut Oriwohl (85)

Übung macht den Meister – die Workshop-Teilnehmer (v. l.) Dietmar Sonntag (69), Kerstin Witten (25), Helmut Oriwohl (85)

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Abendblatt-Leser stellen Fahrräder mit elektrischer Unterstützung unter fachkundiger Anleitung auf die Probe. Nutzer sind viele Ältere.

Ahrensburg.  Moderne Fahrräder mit elektrischer Unterstützung nehmen Steigungen den Schrecken und halten so auch ältere Verkehrsteilnehmer mobil. Nach Angaben des Fahrrad-Clubs ADFC fahren bereits rund 3,5 Millionen davon auf Deutschlands Straßen. Größtenteils sogenannte Pedelecs, die den Fahrer bis 25 Kilometer pro Stunde elektrisch unterstützen. Doch leider kommt es immer wieder zu Unfällen, die aufgrund der höheren Geschwindigkeit und des größeren Gewichts häufig schwerwiegend enden.

So wie kürzlich in Ammersbek, als eine 56 Jahre alte E-Radfahrerin mit einem Rennradfahrer zusammenstieß und lebensgefährlich verletzt wurde. Einen Helm hatte die Frau nicht getragen. Der nur leicht verletzte Unfallgegner hingegen schon.

Das Abendblatt hat Jochen Kube, einen von der Polizei geschulten ehrenamtlichen Sicherheitsberater für Senioren sowie mehrere Leser zu einer Probefahrt eingeladen. Kube: „Ältere Menschen sind noch immer die größte Nutzergruppe von E-Bikes.“ Auch wenn das Verletzungsrisiko auf dem Elektro-Rad generell höher sei, bei den tödlich Verunglückten handele es sich zu 80 Prozent um Senioren. „Schuld sind oft Kopfverletzungen, weil kein Helm getragen wird“, sagt er. Trotz der großen Relevanz seien Verkehrsthemen bei Älteren unbeliebt. „Da schwingt immer die Angst vor dem Führerscheinverlust mit“, sagt Kube.

Fakt ist: Ein Helm kann im Fall der Fälle Leben retten

Anders die Damen und Herren, die an diesem Nachmittag in die Abendblatt-Redaktion gekommen sind, darunter auch die 25-jährige Kerstin Witten. „Ich habe Gefallen am Rad meiner Mutter gefunden“, sagt sie während der theoretischen Sicherheitseinweisung. Die Familie lasse das Auto immer öfter stehen, erledige selbst größere Einkäufe mit dem Rad. Kube rät: „Die Bremsen müssen auf das höhere Gewicht ausgelegt sein.“ Deswegen seien an einem Elektrorad in der Regel hydraulische Felgen- oder besser noch Scheibenbremsen erforderlich.

Diskutiert wird auch das Thema Rücktritt. „Der kann Sicherheit geben, Sie sollten sich aber nicht darauf verlassen“, sagt Kube. Von der Wirkung her sei dies die schlechteste Bremse. In der Regel hätten die E-Bikes trotzdem zusätzliche Handbremsen für Vorder- und Hinterrad, die bevorzugt zu benutzen seien. Ein weiteres Problem gerade bei verhältnismäßig preisgünstigen Rädern unter 2000 Euro: „Die sind oft mit einem Vorderradmotor ausgestattet“, so Kube. Dieser sei bei rutschigem Untergrund mit Vorsicht zu genießen. Räder mit Front- oder Heckmotor seien außerdem im Pannenfall schwerer zu flicken, weil sich das Rad nicht einfach entfernen lasse. Hier sei, genauso wie bei der Gewichtsverteilung, der Mittelmotor am sinnvollsten.

Trittfrequenz-Sensor sorgt für ungewohnten Schub

Davon unabhängig sollten Interessenten prüfen, ob sie das mit Akku und Motor ausgestattete Wunschrad im Zweifel noch angehoben bekommen. Zum Beispiel, um ein Hindernis zu überwinden oder es zum Transport zu verladen. Hilfreich sei zudem eine eingebaute Unterstützung, die das Schieben und das Anfahren erleichtere, die immer mehr Räder hätten. Jochen Kube: „Deswegen ist eine gute Beratung und eine ausführliche Probefahrt so wichtig.“ Ideal lief das bei Teilnehmer Dietmar Sonntag: „Ich durfte mein Rad zum Testen sogar mit nach Hause nehmen“, sagt der 69-jährige.

Bei der anschließenden Testfahrt vor der Abendblatt-Redaktion in Ahrensburg tauschen die Teilnehmer ihre Räder durch. Während alle Räder im Test über einen Mittelmotor verfügen, fällt Sonntag am Rad von Helmut Oriwohl gleich ein Unterschied auf: „Dieses Rad hier gibt gleich Vollgas, sobald ich trete.“ Dazu Jochen Kube: „Das liegt am Trittfrequenz-Sensor.“ Dieser erkenne nur, dass getreten werde, gebe dann gleich die maximal eingestellte Unterstützung. „Das kann angenehm sein, Sie müssen aber auch darauf eingestellt sein“, sagt Kube an die Teilnehmer gerichtet. Ein Drehmoment-Sensor steigere die Unterstützung hingegen in Abhängigkeit zum Pedaltritt. „Das ist in der Regel harmonischer und spart Akku“, so der Seniorenberater.

Sicherheitsberater berät Senioren kostenfrei

Auch Helmut Oriwohl muss sich auf dem Rad von Dietmar Sonntag mit Drehmoment-Sensor umstellen, hat dabei aber kaum Probleme. Der fitte 85-Jährige, der auch noch regelmäßig ein normales Fahrrad fährt, sagt: „Ich bin in meinem Leben schon alles gefahren, vom Rennrad bis zum Motorrad.“ Von dieser Erfahrung profitiere er sicher lange.

Rat und Hilfe: Wer noch eine etwas ausführlichere Beratung wünscht, kann sich bei Jochen Kube, dem Sicherheitsberater für Senioren, kostenlos beraten lassen. Er ist erreichbar per E-Mail unter: jochen.kube@t-online.de