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Barsbütteler baut ein Piratendorf auf Kieler Woche

Der Barsbütteler Tom Witt (r.) und sein Geschäftspartner Max Laurent Schönemann zeigen den Container, in dem Teile der Piratenwelt gelagert sind

Der Barsbütteler Tom Witt (r.) und sein Geschäftspartner Max Laurent Schönemann zeigen den Container, in dem Teile der Piratenwelt gelagert sind

Foto: René Soukup / HA

Tom Witt aus Barsbüttel bereichert größte Segelveranstaltung der Welt. Mit seinem Geschäftspartner hat er rund 60.000 Euro investiert.

Barsbüttel.  Der graue Container auf einem Gewerbegrundstück am Hammer Deich in Hamburg ist prall gefüllt mit hölzernen Bestandteilen. Sie gehören dem Barsbütteler Tom Witt und seinem Geschäftspartner Max Laurent Schönemann, die eine Eventagentur betreiben. In rund zwei Monaten haben die beiden 80 Meter lange und bis zu vier Meter hohe Kulissen gebaut, um bei der Kieler Woche, der weltweit größten Segelveranstaltung, an den Start zu gehen – mit einem Piratendorf auf rund 1000 Quadratmeter Fläche in exponierter Lage unmittelbar neben dem Rathausplatz. Die Veranstalter erwarten drei Millionen Besucher und Amüsierwütige. Für die Macher mit ihrem neuen Konzept wird die Angelegenheit alles andere als entspannt.

Zwölf Bands werden mehr als 100 Stunden Musik bieten

„Ich gehe davon aus, dass wir täglich von morgens bis in den späten Abend auf den Beinen sind“, sagt Schönemann. Das Volksfest beginnt offiziell am 16. und endet am 24. Juni. Witt ist Betriebswirt und macht mit seinem Kompagnon seit zehn Jahren gemeinsame Sache. Bisher waren sie mit ihrer Agentur spezialisiert auf Bier- und Cocktailstände, mit denen sie Straßenfeste bereicherten – und zwar nahezu alle großen in Hamburg wie in Eppendorf, Winterhude und auch St. Georg. Auf der Kieler Woche waren sie schon mit einem Beachclub auf einem Parkdeck samt DJ-Tower vertreten.

Jetzt haben die Familienväter draufgesattelt um das Thema Piraten. „Weil es Erwachsene und Kinder zugleich begeistert“, sagt Witt. Man müsse den Leuten etwas bieten, sie seien zu 85 Prozent optisch geprägt. Das Kerngeschäft ist nach wie vor der Verkauf von Getränken – in einem nun völlig neuen Ambiente. Zur Piratenwelt gehören neben Holzhäusern zum Beispiel auch Skelette, entsprechende Fahnen, Taue, Schwerter aus Plastik, Palmen, Fässer, Kanonen und eine Bühne mit 35 Quadratmeter großer LED-Leinwand. Dort werden jeden Tag Bands auftreten und 100 Stunden Musik bieten. Insgesamt sind es zwölf. Für die Kleinen ist Kapitän Schwarzbart – eine bekannte Kinderanimation – an mehreren Tagen an Bord und geht mit ihnen auf Schatzsuche. Jedes Kind erhält einen „Beute-Beutel“ mit Kopftuch und kleinem Geschenk. Der Eintritt ist frei.

Tom Witt ist von der Welt der Freibeuter fasziniert

Dass Witt die Freibeuter jetzt auf die Kieler Woche bringt, kommt nicht von ungefähr. Er ist von ihnen fasziniert, gründete etwa eine Band mit dem Namen Coverpiraten. Animiert habe ihn der Film „Fluch der Karibik“ mit US-Schauspieler Johnny Depp in der Rolle des Kapitäns Jack Sparrow. Zum Team gehören 16 Musiker, gespielt wird in unterschiedlicher Besetzung und jeweils mit sechs Personen. Der 43-Jährige ist für den Gesang zuständig und mit der Band schon vor Tausenden Zuschauern deutschlandweit sowie in Dänemark, Spanien und der Schweiz aufgetreten. Sie wird 50 Mal pro Jahr gebucht, spielt auch in Kiel Titel aus den Charts, Schlager und Rock. Die Namensgebung begründet er so: „Wir klauen etwas vom Original, sind also eine Art Dieb.“ Wie groß die Verbundenheit zu Piraten ist, zeigt sich in seinem Garten in Barsbüttel. Dort hat Tom Witt ein zwölf Meter langes Piratenschiff aus Holz samt Rutsche für seine beiden Söhne, die drei und sieben Jahre alt sind, gebaut. Im Vergleich zu dem, was er und Schönemann vor Kurzem konstruiert haben, ist das aber ein Klacks. „Wir haben für die Piratenwelt rund 60.000 Euro investiert und selbst Hand angelegt“, sagt der 38 Jahre alte Schönemann, ein gebürtiger Münchener.

Für das Inventar haben sie jetzt einen weiteren Lagerraum in Barsbüttel gemietet, werden es mit drei 7,5-Tonnern nach Kiel fahren und vier Tage vor Veranstaltungsbeginn mit dem Aufbau beginnen. Einige Dekoartikel sind aus Grevesmühlen geliehen. Dort ist ein Open-Air-Piraten-Theater beheimatet. Tom Witt kennt den Chef persönlich, sagt: „Der Mann hat einmal einen Brunnen für Kinder in Afrika gebaut. Dafür haben wir als Band in Grevesmühlen ohne Gage gespielt“, so der Barsbütteler über die Kontaktaufnahme und gegenseitige Hilfe.

Veranstaltungsfläche soll später ein Schiff beinhalten

In der Landeshauptstadt werden hinter den Tresen Minijobber im Einsatz sein, 80 Prozent von ihnen kommen laut Schönemann aus der Region. Festangestellte haben die Agenturinhaber nicht. Was ihnen noch fehlt, ist ein entsprechendes Schiff für die Piratenwelt. Witt und Schönemann haben sich zum Ziel gesetzt, ein solches mit mindestens zehn Metern Länge zu bauen für weitere Veranstaltungen nach der Premiere. Denn die Piratenwelt soll keine Eintagsfliege sein. „Wir wollen die Sache etablieren, haben weitere Anfragen“, sagt Witt. Als Medienpartner konnte er Rock Antenne Hamburg gewinnen. Der Radiosender unterstützt mit 100 Spots im Programm, zudem werden Moderatoren vor Ort sein.

„Die Organisation in Kiel wird viel anstrengender als die Vorbereitung, vor allem körperlich“, mutmaßt Schönemann. Für den Fall, dass einem der beiden Piratenexperten einmal die Puste ausgeht, steht übrigens im Backstagebereich eine Liege bereit.

Piratenwelt auf der Kieler Woche ab Freitag, 15. Juni, bis Sonntag, 24. Juni, Asmus-Bremer-Platz. Das Bühnenprogramm beginnt zwischen 10 und 18 Uhr. Jeden Tag um 18 Uhr bittet DJ Ralf Burnett zum sogenannten Warmup. Mehr Infos auf www.pirate-world.de.