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Zu wenig Krippenplätze – Oststeinbek sucht Ausweg

Andrea Unger sucht bisher vergebens nach einem Kitaplatz für ihren Sohn William Max

Andrea Unger sucht bisher vergebens nach einem Kitaplatz für ihren Sohn William Max

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Viele Eltern erhalten Absagen von der Gemeinde und bekommen dadurch Probleme im Beruf. Könnte ein Modulbau eine Übergangslösung sein?

Oststeinbek.  Ihre Kollegen im Büro planen fest mit Andrea Unger. Denn Ende des Monats will die 43-Jährige wieder zurückkehren in den Berufsalltag. Für ihren Mann Frank (52) geht’s nach der Elternzeit im Bezirksamt Eimsbüttel im Oktober weiter. Aber wohin mit dem kleinen William Max? Obwohl die Eltern sich schon kurz nach der Geburt ihres Sohnes im August 2017 bemühten, gibt es für William zum September keinen Krippenplatz in Oststeinbek. Genauso geht es den Eltern von zwölf weiteren Kindern. Der Vergabeausschuss für Kitaplätze musste ihnen absagen.

Mangel ist laut Bürgermeister neu für die Gemeinde

Schon im November vergangenen Jahres hatten zehn Elternpaare eine Absage bekommen. Laut Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer habe es so einen Mangel in Oststeinbek zuvor nicht gegeben. Die SPD-Fraktion stellt nun einen Antrag für eine weitere Krippengruppe an die Gemeinde. Dieser wird zunächst bei den nächsten Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstag, 28. Juni, auf den Tisch kommen.

„Es ist kein vorübergehendes Problem. Wir müssen jetzt handeln“, sagt Fraktionschef Christian Höft. Die SPD sei im Wahlkampf häufig mit solchen Problemen konfrontiert worden. Laut Höft ist das Anliegen wichtig, um Eltern die Möglichkeit zu geben, am Berufsleben teilzuhaben. „Es ist vor allem ein Thema der Frauen. Denn sie bleiben im Zweifel zu Hause und kümmern sich um die Kinder.“

Kosten für Angebote im Umland werden erstattet

Zwar bekommen Eltern, die keinen Krippenplatz in den Einrichtungen Meessen, Schulstraße oder Stormarnstraße finden, die Kosten für Angebote im Umland durch die Gemeinde erstattet, da sie ab dem ersten Lebensjahr ihres Kindes Anspruch auf einen Platz haben. Eine Gruppe in einem anderen Ort zu finden, könne für Familie Unger jedoch nur eine Übergangslösung sein.

Auch Oma und Opa, die ebenfalls in Oststeinbek wohnen, kämen als Babysitter nur kurzfristig in Betracht. „Das ist ja nicht Sinn und Zweck der Sache. William soll auch schnell soziale Kontakte aufbauen, das ist das Beste für die Entwicklung eines Kindes“, sagt Andrea Unger. Dass es bis zum Herbst mit dem Platz klappt, sieht sie pessimistisch. Sie hofft eher darauf, dass andere Familien abspringen. So lange bleibt William auf der Warteliste von Kitas und Tagesmüttern der Umgebung.

„Unabhängig vom SPD-Antrag ist das ein Thema für uns“, versichert Bürgermeister Jürgen Hettwer. „Seit vergangenem Jahr fehlt uns nämlich auch eine Tagesmutter in Oststeinbek. Bisher konnten wir das ausgleichen. 13 Kinder sind jedoch auf Dauer zu viele.“ Zuletzt richtete die Gemeinde eine altersgemischte Kitagruppe an der Gerberstraße ein. Schon ab zweieinhalb Jahren können Kinder von der Krippen- in die Elementargruppe wechseln, wodurch neue Plätze geschaffen wurden. Vor fünfeinhalb Jahren wurde die Havighorster Kita um zwei Gruppen erweitert. Die Kita Meessen feierte 2015 Eröffnung. 80 Krippenplätze gibt es im Ort.

Neue Krippengruppe soll schnell geschaffen werden

„Wir müssen überlegen, wo weiterer Raum geschaffen werden kann“, sagt Höft. Möglichkeiten gebe es in den Einrichtungen laut Hettwer nicht. Große Baumaßnahmen wolle man jedoch nicht anstrengen. „Denn durch den Schulneubau werden in den kommenden Jahren ohnehin Flächen frei.“

Eine neue Krippengruppe soll trotzdem so schnell wie möglich geschaffen werden. Die könnte in einem kurzfristig realisierbaren Modulbau unterkommen. „Wir sind schon in Gesprächen mit der Kirchengemeinde. Aber zuerst brauchen wir den Auftrag der Gemeindevertretung.“ Bevor der Bauantrag genehmigt, Personal (mindestens zwei Erzieherstellen) gefunden ist und der Betrieb starten kann, dauert es laut Hettwer bis mindestens Anfang 2019.