Kinderbetreuung

90 Erstklässlern fehlt ab Schulbeginn ein Hortplatz

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Marc R. Hofmann
Warten auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder: Leslie Barton (hinten v. l.) Franziska Groth, Claudia Köpke und Marina Klawitter mit den Kindern Tyler (6, v. l.), Julia und Lina (beide 5)

Warten auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder: Leslie Barton (hinten v. l.) Franziska Groth, Claudia Köpke und Marina Klawitter mit den Kindern Tyler (6, v. l.), Julia und Lina (beide 5)

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Stadt Ahrensburg sucht nach Alternativen: Politik schafft Grundlage zur Betreuung, es fehlt aber an Fachkräften. Eltern verzweifelt. ​

Ahrensburg.  Angespannt war die Stimmung auf dieser gemeinsamen Sitzung von Ahrensburger Bildungs- und Sozialausschuss zwischen Eltern auf der einen und Politik und Verwaltung auf der anderen Seite. Kürzlich erst hatten knapp 90 Eltern erfahren, dass ihre Kinder, die in rund drei Monaten eingeschult werden, nach jetzigem Stand keinen Hortplatz bekommen können. 16 weitere stehen auf einer Warteliste. Etwa 30 Eltern waren deswegen ins Peter-Rantzau-Haus gekommen, um Politik und Verwaltung auf den Zahn zu fühlen. „Mich interessiert, was Sie konkret dagegen tun?“, fragte ein aufgebrachter Vater und erntete dafür Beifall.

Politik und Verwaltung signalisieren Verständnis

Eine heikle Situation, für die auf der anderen Seite des Raumes durchaus Verständnis besteht. Die im Rathaus zuständige Fachdienstleiterin Cornelia Beckmann sagte: „Wir tun, was wir können.“ Geld für eine Erweiterung mehrerer Gruppen sei von der Politik bereits genehmigt worden. Eine weitere stehe heute auf der Tagesordnung, die Heimaufsicht habe einer Überbelegung zugestimmt. „Doch das nützt alles nur etwas, wenn wir die dazu erforderlichen Fachkräfte finden“, so Beckmann. Allein in der Einrichtung Am Aalfang fehlten im Moment sieben Fachkräfte. Damit wollen sich die Eltern jedoch nicht zufrieden geben. „Sie müssen sich auch im Wettbewerb mit anderen Kommunen sehen“, sagte ein Vater. In Großhansdorf und auch Hamburg gebe es weniger Probleme, die Infrastruktur müsse mit der höheren Einwohnerzahl mithalten. Eine Forderung der Eltern war es, das Gehalt der Mitarbeiter zu erhöhen.

Dazu Cornelia Beckmann: „Wie attraktiv die Ausbildung ist und wie viel bezahlt wird, bestimmen der Bund und das Land.“ Der CDU-Stadtverordnete Matthias Stern stimmte dem zu, sagte: „Selbst wenn die Stadt wollte, dürfe sie nur nach öffentlichem Tarifvertrag zahlen.“ Er würde sich über Unternehmen freuen, die Betriebskindergärten eröffnen. „Die dürfen dann auch mehr bezahlen“, so Stern. Bildungsausschussvorsitzender Christian Schubbert-von Hobe (Grüne) ergänzte: „Gerade um möglichst viele Kinder betreuen zu können, wollen wir die Offene Ganztagsschule (OGS) einführen.“ Eine entsprechende Ausschreibung zum Schuljahr 2019/20 brachten die beiden Ausschüsse vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten am 28. Mai anschließend einstimmig auf den Weg. Und ebenso eine zusätzliche Gruppe im Hort Am Hagen. Viele Eltern bekamen das allerdings nicht mehr mit, da sie die Sitzung schon verärgert verlassen hatten. Denn anders als im Hort haben im neuen Modell alle Kinder der betroffenen Schulen einen Betreuungsanspruch, der unter anderem durch geringere Raumanforderungen garantiert werden soll. Eine Mutter: „Das kommt für uns jedoch zu spät.“

Arbeiterwohlfahrt ist nicht zu weiterer Trägerschaft bereit

Bemerkenswert dabei: Die Eltern, die bislang ohne Betreuungsplatz dastehen, fordern vehement mehr Plätze, egal in welcher Betreuungsart. Im Herbst vergangenen Jahres hatten Väter und Mütter, deren Kinder bereits den Hort besuchen, eine Qualitätsverschlechterung durch die Einführung der OGS befürchtet und diese deswegen kritisiert. Teil des Problems bleibt zudem, dass die Awo, die derzeit alle Horte an den Grundschulen betreibt, sich nicht als Träger für das neue Modell bewerben will und dem händeringend gesuchten Personal deswegen hier keine langfristige Jobperspektive geben kann.

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