Stormarn
Bauausschuss

Die Feuerwehr soll Theaterverein in Glinde retten

Mitglieder des Theoter ut de Möhl sind zur Sitzung des Bauausschusses in Glinde gekommen, um gegen die Nutzungsuntersagung ihrer Vereinsräume im Keller des Bürgerhauses zu protestieren

Mitglieder des Theoter ut de Möhl sind zur Sitzung des Bauausschusses in Glinde gekommen, um gegen die Nutzungsuntersagung ihrer Vereinsräume im Keller des Bürgerhauses zu protestieren

Foto: Dorothea Benedikt

Bauamtsleiter schlägt vor, das Theoter ut de Möhl im Gerätehaus proben zu lassen. Idee wurde zuvor nicht mit den Helfern abgestimmt.​

Glinde.  Das Theoter ut de Möhl steckt in einer Notlage, aus der die Feuerwehr es jetzt befreien soll – so zumindest die Hoffnung von Politik, Verwaltung und plattdeutschem Theaterverein in Glinde. Denn es war diese Idee, die bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses aufkam und bei fast allen Beteiligten für eine euphorische Stimmung sorgte: Die Theatergruppen sollen im Feuerwehrgerätehaus für ein halbes Jahr einen festen Raum für Proben bekommen, zudem kann der Verein dort an seinen Kulissen werkeln.

Wie berichtet, hatte Bürgermeister Rainhard Zug dem Theoter ut de Möhl Mitte April untersagt, weiterhin die Räume im Keller des Bürgerhauses zu nutzen. Der Grund: Der Brandschutz ist dort nicht gewährleistet. Die Verwaltung, die Vermieterin ist, hatte dem Theater angeboten, mittwochs auf der Bühne im Festsaal zu proben sowie in Räumen in einem Seniorenwohnheim am Willinghusener Weg.

Verein müsste Requisiten und Bürgerbild jedes Mal hin und her fahren

Diese Lösung ist für den Verein nach eigenen Angaben aber kaum praktikabel. „Wir müssen für Proben jedes Mal Requisiten und das Bühnenbild vom Bürgerhaus dorthin fahren, weil es dort keine Lagerräume gibt“, erklärt Wolfgang Pohlmann, Vorsitzender des plattdeutschen Theatervereins. Zudem sei der Raum zu klein. Pohlmann befürchtet, dass für die in diesem Jahr geplanten Stücke nicht genügend Zeit zum Üben ist und dies das Ende des Vereins bedeute.

Damit es nicht soweit kommt, forderte die SPD in einem Antrag den Bürgermeister auf, wieder eine teil- und zeitweise Nutzung der Räume zu gestatten. Über diesen Antrag, wurde am Donnerstagabend im Bauausschuss beraten. Auch die Mitglieder des Theoters ut de Möhl waren zu der Sitzung gekommen, die zwei Stockwerke über den gesperrten Vereinsräumen stattfand. „Wir wollen wissen, ob wenigstens vier Stunden die Woche in der Werkstatt gearbeitet werden kann, wenn zum Beispiel einer von der Freiwilligen Feuerwehr daneben steht“, erklärt Peter Michael Geierhaas (SPD) den Antrag.

Im Keller des Bürgerhauses fehlt ein zweiter Rettungsweg

Ein Fünkchen Hoffnung, das Finn Hansen, Sachverständiger für Brandschutz, gleich auslöschte: „Es ändert nichts daran, dass es dort keinen zweiten Rettungsweg gibt.“ Hansen ist von der Verwaltung beauftragt worden, das Gebäude zu untersuchen. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Brandschutz mit einer zusätzlichen Tür wieder hergestellt sei. Läuft alles nach Plan, könnte der Verein seine Räume im November wieder nutzen. Schließlich muss von der Politik das Geld bewilligt werden, es muss ein B-Plan her, die Arbeiten müssen ausgeschrieben werden und letztlich hätten Brandschutztüren auch eine gewisse Lieferzeit. Doch so lange kann der Verein auf seine Räume nicht verzichten. Während über den Antrag beraten wurde, mussten die Ausschussmitglieder Wolfgang Pohlmann und Manfred Wagner den Sitzungssaal verlassen. Beide SPD-Politiker sind als Mitglieder des Theatervereins befangen.

„Ich frage mich, wie die Stadt überhaupt Räume vermieten kann, die nicht den Brandschutzvorschriften entsprechen“, sagt Lüder Lückel (Grüne). Bauamtsleiter Frank Thiemann: „Es gab schon die Jahre zuvor Brandschauen. Da sind die Mängel aber nie aufgefallen.“ Lückels Fraktionskollege Jan Schwartz fasste zusammen: „Die Brandschau ist das Problem. Wenn diese nicht gewesen wäre, wäre alles gut.“ Doch man könne dies jetzt nicht ändern und mit dem Antrag brächte die Politik die Verwaltung in eine missliche Lage. „Lässt sie die Nutzung wieder zu, handelt sie illegal.“

Zug: Brandschutz lässt keine kreative Lösung zu

Bürgermeister Rainhard Zug: „Ich weiß, dass die Räume am Willinghusener Weg nicht komfortabel sind, aber wir haben hier eine Notsituation.“ Beim Thema Brandschutz seien keine auch kreativen Lösung möglich. Zug ist froh, dass es die Brandschau gab und die Mängel entdeckt wurden.

Während Grüne und CDU dem Theoter ut de Möhl ihr Mitleid aussprachen, aber keine Lösung für den Verein sahen, sprang plötzlich Bauamtsleiter Thiemann auf. „Ich hätte da vielleicht eine Idee“, sagte er und fragte die Mitglieder im Publikum, was sie denn bräuchten. „Einen Raum, im dem wir eine Kulisse so groß wie die Bühne aufbauen können“, erklärte Anke Pohlmann. Dies sei wichtig, um die Schritte einzustudieren. „Die Theatergruppen, die abwechselnd dort proben, müssten nur ihre Requisiten mitbringen.“

Verein könnte Unterschlupf bei der Feuerwehr finden

Thiemann: „Vielleicht können Sie für ein halbes Jahr einen Raum bei der Feuerwehr bekommen.“ Dort könnte der Verein bestimmt auch in der Werkstatt an Requisiten basteln. „Und der Brandschutz ist dort mit Sicherheit gewährleistet“, frotzelte der Bauamtsleiter. „Das wäre super und würde uns helfen“, sagte Anke Pohlmann, während es aus dem Publikum Applaus gab. Auch die Politiker waren begeistert. „Es ist schön zu sehen, was passiert, wenn man sich einfach mal unterhält“, sagte Geierhaas triumphierend. Und: „Wir ziehen dann auch den Antrag zurück.“

Weniger euphorisch nahm Bürgermeister Zug die Idee auf: „Während sich hier alle auf die Schulter klopfen, muss ich den Spielverderber machen.“ Schließlich habe noch niemand mit der Feuerwehr gesprochen. Gemeindewehrführer Michael Weidemann sagte auf Anfrage: „Wir werden darüber nachdenken und nächste Woche Gespräche führen.“ Sollte es dabei keine Lösung für den Verein geben, kündigten die Mitglieder an: „Dann kommen wir wieder.“