Stormarn
Ahrensburg

Stormarner Firmen rüsten sich gegen Konkurrenz aus China

Ministerpräsident Daniel Günther (v. l.), WAS-Chef Detlev Hinselmann, Bürgermeister Michael Sarach und Landrat Henning Görtz vor dem Schloss

Ministerpräsident Daniel Günther (v. l.), WAS-Chef Detlev Hinselmann, Bürgermeister Michael Sarach und Landrat Henning Görtz vor dem Schloss

Foto: Janina Dietrich / HA

Global agierende Unternehmen aus dem Kreis spüren Asiens boomende Wirtschaft. Standort soll attraktiv bleiben, um Fachkräfte zu binden.

Ahrensburg.  Den Boom der chinesischen Wirtschaft bekommen auch Unternehmen in Stormarn zu spüren. „Dort herrscht eine solche Dynamik, die wir selbst hier merken“, sagt Landrat Henning Görtz im Anschluss an die achten Ahrensburger Schlossgespräche. „China hat sehr ehrgeizige Pläne, uns den Rang abzulaufen. Dagegen müssen wir uns stemmen.“ Das Land kopiere nicht mehr wie vor 20 Jahren nur andere Ideen, sondern sei inzwischen bei vielen Technologien Vorreiter – und stelle damit eine wachsende Konkurrenz für viele Branchen dar.

Zahlreiche Unternehmen in Stormarn sind Global Player. Das bedeutet, sie vertreiben ihre Produkte in vielen Ländern der Welt. Das Ahrensburger Unternehmen Basler beispielsweise ist weltweit führender Hersteller von Industrie-Kameras. Der Filzstift-Hersteller Edding, der seinen Hauptsitz ebenfalls in der Schlossstadt hat, macht mehr als die Hälfte seiner Umsatzerlöse im Ausland. Die Oldesloer Firma Herose liefert ihre Armaturen in mehr als 80 Länder. Der Bargteheider Software-Spezialist Topmotive ist Marktführer in Europa für Katalog-, Informations- und Warenwirtschaftssysteme. Und diese Vier sind damit nur einige von vielen Global Playern im Kreis Stormarn.

Eineinhalb Stunden wurde diskutiert

Auf dem Weltmarkt konkurrieren sie mit einer Menge Firmen – auch mit asiatischen, die derzeit auf dem Vormarsch sind. Wie gelingt es ihnen, konkurrenzfähig zu bleiben? Was ist erforderlich, um eine Innovationsführerschaft auf- oder auszubauen? Wie müssen sich die Betriebe für die Zukunft aufstellen? Und welche Besonderheiten bietet dabei die Metropolregion Hamburg?

Knapp eineinhalb Stunden lang haben Unternehmer aus dem Kreis am Donnerstag mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Landrat Henning Görtz und Bürgermeister Michael Sarach im Ahrensburger Schloss über solche Fragen und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung Stormarns diskutiert – auf Einladung der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS). Deren Geschäftsführer Detlev Hinselmann sagt: „Wir müssen EU-weit aufpassen, dass wir von Asien nicht abgehängt werden, weil deren Wirtschaft gnadenlos vorangeht. Dort interessiert zum Beispiel niemanden, dass die Luft dadurch immer schlechter wird.“ Viele Unternehmen machten sich wegen der großen, globalen Konkurrenzsituation Sorgen, bestätigt auch Daniel Günther.

In Stormarn ist der Fachkräftemangel zu spüren

Fakt ist: Stormarn befindet sich zurzeit noch in einer sehr guten Situation. „Wir haben hier eine Region, der es wirtschaftlich gut geht, und eine niedrige Arbeitslosenquote“, sagt Landrat Henning Görtz. „Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen.“

Eine wichtige Rolle werden bei der Frage nach der Konkurrenzfähigkeit in Zukunft die Mitarbeiter spielen. Laut einer aktuellen Umfrage der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie verschärft sich die Fachkräftekrise immer weiter. „Sie wird zur ernstzunehmenden Gefahr für das Konjunkturhoch“, sagt Thomas Lambusch, Präsident von Nordmetall. Inzwischen beklagen demnach 58 Prozent der Betriebe, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften am Arbeitsmarkt unbefriedigend oder schlecht sei. Bei 37 Prozent gilt das auch für die Suche nach Auszubildenden. Dabei wollen laut Umfrage fast 40 Prozent der Unternehmen wegen der guten Auftragslage ihre Mitarbeiterzahl erhöhen – vorausgesetzt, sie finden dafür qualifiziertes Personal.

Es muss bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden

Der Fachkräftemangel ist längst auch in Stormarn angekommen. Die vorhandenen Mitarbeiter sollen deshalb unbedingt gehalten werden – und bei diesem Bestreben will der Kreis künftig auch mit seinem Lebensraum punkten. „Es wurde bei dem Treffen öfter angesprochen, dass es unheimlich wichtig ist, die funktionierende Natur und die reine Luft hier zu erhalten“, sagt Hinselmann. Die Symbiose zwischen Wohnen, Verkehr und Arbeiten müsse weiterhin stimmen – deswegen dürfe auch nicht alles zugebaut werden.

Um Fachkräfte zu halten, sei es aber auch notwendig, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Der Fachkräftemangel hängt ganz eng damit zusammen“, sagt Görtz. „Denn die Mitarbeiter einiger Branchen finden bei uns keine bezahlbaren Wohnungen mehr.“ Das müsse sich ändern. Die Situation in Stormarn sei eine ganz andere als im nördlichen Teil Schleswig-Holsteins, sagt Ministerpräsident Daniel Günther. Und versicherte: „In der Landesplanung arbeiten wir daran, Wohnraum und Platz für Gewerbeflächen zu schaffen.“ Die Landesregierung unterstütze zudem mit stärkeren Investitionen in die Infrastruktur und die Bildung.

Unternehmen fordern: bürokratische Hürden abbauen

Um insbesondere gegen die zunehmende Konkurrenz aus Asien bestehen zu können, ist es laut Görtz nötig, dass sich Firmen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Deswegen fordern die Stormarner Unternehmen, dass bürokratische Hürden, wie sie etwa durch die neue Datenschutzgrundverordnung entstanden sind, abgebaut werden.