Stormarn
Sicherheitsmängel

Konflikt um Probenraum des Glinder Theaters spitzt sich zu

Derzeit muss die Plattdeutsch-Truppe des Theatervereins Theoter ut de Möhl auf der Bühne im Festsaal für das Stück „Politik un Föhrerschien“ proben

Derzeit muss die Plattdeutsch-Truppe des Theatervereins Theoter ut de Möhl auf der Bühne im Festsaal für das Stück „Politik un Föhrerschien“ proben

Foto: Anke Pohlmann / BGZ

SPD fordert Bürgermeister auf, die wegen Brandschutzmängeln gesperrten Räume im Bürgerhaus sofort zur teilweisen Nutzung freizugeben.

Glinde.  Die Glinder SPD fordert die Verwaltung in einem Antrag auf, dem Theoter ut de Möhl sofort wieder eine teil- und zeitweise Nutzung ihrer Räume im Keller des Bürgerhauses zu gestatten. Es ist der nächste Akt im Zwist zwischen Bürgermeister und dem plattdeutschen Theaterverein, der einerseits von Verzweiflung, Enttäuschung und Wut handelt, auf der anderen Seite für Verwunderung sorgt.

Wie berichtet, hatte Bürgermeister Rainhard Zug als Vermieter Mitte April die Nutzung des Probenraums und der Theaterwerkstatt im Keller des Bürgerhauses untersagt. Grund: Nach dem Umbau der Stadtbücherei in den oberen Räumen des Bürgerhauses gab es eine Brandverhütungsschau. Die Experten der Kreisverwaltung nahmen dabei das gesamte in der 60er-Jahren gebaute Gebäude unter die Lupe und stellten erhebliche Sicherheitsmängel fest. „Wir haben sofort gehandelt und die Auflagen umgesetzt“, sagt Zug. So hätten Brandschutztüren eingebaut und die Ausschilderung der Fluchtwege verbessert werden müssen. „Das hat rund 130.000 Euro gekostet. Geld, das eigentlich für das Streichen der Fenster im Rathaus vorgesehen war“, sagt der Bürgermeister. Diese Maßnahme sei nun auf das nächste Jahr verschoben.

Nutzung als Lager, aber nicht für Proben

Doch nicht alle Mängel ließen sich binnen kürzester Zeit beheben. „Der Brandschutz ist im Keller nicht gewährleistet“, sagt Zug. Dort hatte der Theaterverein seine Probebühne, Lagerräume und eine Werkstatt. „Als Lagerraum können die Räume weiterhin genutzt werden. Aber nicht als Versammlungsstätte, also für Proben.“ Zudem sei es zu gefährlich , in den Räumen mit Holz und Lacken zu arbeiten.

„Wir haben dem Verein angeboten, für ein Stück auf der Bühne im Obergeschoss zu proben. Zudem haben wir ihnen öffentliche Räume am Willinghusener Weg für die anderen Stücke angeboten“, sagt Zug. Ferner habe die Verwaltung zugesagt zu prüfen, wie der Brandschutz im Kellergeschoss sichergestellt werden könne und dies schnellstmöglich umzusetzen. Deswegen versteht Rainhard Zug auch nicht, warum die SPD jetzt einen Antrag stellt, in dem die Nutzung der Räume wieder gestattet werden soll.

Angebot des Bürgermeisters „kaum praktikabel“

Die Begründung liefert Wolfgang Pohlmann, der nicht nur Vorsitzender des Theatervereins, sondern auch SPD-Stadtvertreter ist: „Weil seit April nichts passiert ist.“ Das Angebot des Bürgermeisters, auf die Bühne im Bürgerhaus auszuweichen oder Räume in einem Seniorenwohnheim am Willinghusener Weg, sei kaum praktikabel. „Wir haben vier Ensembles, die müssten für Proben jedes Mal Requisiten und das Bühnenbild vom Bürgerhaus dorthin fahren, weil es dort keine Lagerräume gibt“, erklärt Pohlmann. Für das aktuelle Stück, die plattdeutsche Komödie „Politik un Föhrerschien“, kann der Verein auf der Bühne des Festsaals im Bürgerhaus proben. „Die Bühne haben wir aber nur Mittwochabend, weil auch die VHS dort Kurse anbietet“, sagt Pohlmann.

„Die Regisseurin des Stücks hat gesagt, dass das so nicht gehe, sie zu wenig Zeit für Proben habe. Wenn es nicht bald eine Lösung gibt, laufen uns die Mitglieder davon und der Verein ist Geschichte“, sagt Pohlmann, dem Enttäuschung und Wut gleichermaßen anzumerken sind. „Ich selbst habe den Verein 1986 gegründet und vergangenes Jahr sind wir sogar von der Stadt für unser Engagement geehrt worden.“

Alles auf Kosten des Vereins umgebaut

Vor zehn Jahren sei die Theatergruppe in den Keller des Bürgerhauses gezogen. „Dort war zuvor eine Kegelbahn. Wir haben alles auf eigene Kosten umgebaut“, sagt der Vereinsvorsitzende, der nicht verstehen kann, warum Kegeln dort jahrelang möglich war und jetzt Theaterproben es nicht mehr sein sollen. Deswegen fordern er und seine Fraktion den Bürgermeister auf, die Räume wieder freizugeben.

Um dem Nachdruck zu verleihen, wollen die Mitglieder des Theoters ut de Möhl heute, 17. Mai, mit ihren Kostümen zur Sitzung des Bauausschuss um 19 Uhr ins Bürgerhaus kommen.