Stormarn
Bürgerdialog

So wollen die Reinbeker ihre Stadt verändern

Julian Petrin (l.), Geschäftsführer der Firma "urbanista", Sabine Voß von der Reinbeker Stadtverwaltung und Bürgermeister Björn Warmer präsentierten in Reinbek die Bürgerstudie

Julian Petrin (l.), Geschäftsführer der Firma "urbanista", Sabine Voß von der Reinbeker Stadtverwaltung und Bürgermeister Björn Warmer präsentierten in Reinbek die Bürgerstudie

Foto: René Soukup / HA

Bürgerdialog soll Grundlage einer politischen Agenda für die kommenden Jahre werden. Ein zentraler Punkt dabei ist der Wohnungsbau.

Reinbek.  27.378 Menschen leben derzeit in Stormarns zweitgrößter Stadt Reinbek. Und es werden mehr. Wie viele? Das entscheiden die Politiker, indem sie Flächen für den Wohnungsbau freigeben. Nicht selten stoßen sie bei diesem Thema auf Widerstand in der Bevölkerung. In der Regel sind es Anwohner, die Veränderungen in ihrer Nachbarschaft scheuen.

Auch deshalb initiierte Reinbek den sogenannten Stadtcheck, einen breit angelegten Bürgerdialog über mehrere Monate. Dahinter stand die Frage, wie sich die Kommune entwickeln soll. Die komprimierten Ergebnisse übergab Julian Petrin, Geschäftsführer des prozessbegleitenden Planungsbüros „urbanista“, jetzt Bürgermeister Björn Warmer. Sie sind das Rüstzeug für die Stadtverordnetenversammlung in der neuen Legislaturperiode nach der Kommunalwahl am 6. Mai.

Ziel sei es, Auseinandersetzungen zu vermeiden

„Wir haben Bürger noch nie so eng in die Entscheidungsfindung eingebunden“, sagt Reinbeks Verwaltungschef. Ziel dieser Studie sei es auch, Auseinandersetzungen zu vermeiden. Womöglich mündet sie gar in einem Stadtentwicklungskonzept. Für mehr Wohnungen haben sich immerhin 82 Prozent ausgesprochen. Beim Stadtcheck machten 971 Personen mit, füllten Bögen an Ständen aus oder skizzierten ihre Anliegen auf einer Website. Allerdings gibt es kein einheitliches Bild, wo die Wohnungen entstehen sollen: Als Potenzialflächen mit hohem Zuspruch wurden lediglich Areale nördlich des Stadtteils Krabbenkamp und an der Haidkrugchaussee ausgemacht. Beide befinden sich im Außenbereich.

Zusätzlicher Wohnraum wird vor allem in und um Schönningstedt herum gesehen, allerdings gibt es dort genauso viele Gegner wie Befürworter. Das trifft zum Beispiel auf das acht Hektar große Holzvogtland zu. Schon 1999 sollten dort nach dem Willen der Politik Wohnungen entstehen. Es gab einen städtebaulichen Wettbewerb, doch vielen Reinbekern war das Projekt ein Dorn im Auge. Bei einem Bürgerentscheid votierten 69,5 Prozent gegen den Plan.

Dass Reinbek mehr Wohnungen braucht, ist unbestritten

Wirklich aus den Köpfen war das Thema damit aber nicht. 2013 führten Politiker Gespräche mit dem Wohnungsunternehmen Semmelhaack und Maximilian Graf von Bismarck, dem ein Großteil der Fläche gehört. Aus dem Treffen entwickelte sich nichts Konkretes. Das könnte sich ändern. Im Abschlussbericht ist das Holzvogtland als Konfliktfläche markiert.

Dass Reinbek mehr Wohnungen und insbesondere bezahlbare schaffen muss, ist unbestritten. „Etwa für junge Feuerwehrleute und Ehrenamtler in den Sportvereinen, die sonst wegziehen“, sagt Bauamtsleiter Sven Noetzel. Hinzu kommt, dass Betriebe jetzt schon Probleme bei der Rekrutierung von geeigneten Arbeitskräften haben, weil günstige Wohnungen fehlen. „Wenn Wachstumsdruck auf knappes Angebot stößt. wird Wohnraum teurer. Viele Menschen können sich das Wohnen im Ort dann nicht mehr leisten“, so Petrin. Er plädiert dafür, das Innenentwicklungspotenzial zu analysieren, bevor neue Baugebiete ausgewiesen werden.

Stadtentwicklung ist auch Thema beim Kamingespräch

Der Stadtcheck ist nicht auf Wohnungsbau und Bevölkerungsentwicklung reduziert, Bürger machten sich auch über andere Zukunftsthemen Gedanken. So gibt es einen Konsens, Grünflächen und Gewässer so zu belassen, wie sie jetzt sind. Auch ist es den Bewohnern wichtig, die Identitäten der Stadtteile zu bewahren. Veränderungen strebt die Mehrheit beim Fuß- und Radwegenetz sowie bei Straßen an. Der Öffentliche Personennahverkehr soll optimiert werden, um eine attraktive Alternative zum Auto zu bieten. Und es gibt den Wunsch einer Belebung von Wohnquartieren durch Nahversorgungsmöglichkeiten.

„Wir werden mit dem Stadtcheck nach den Sommerferien an die Parteien herantreten und eine Agenda für die nächsten Jahre besprechen“, sagt Björn Warmer. Für Bürger ist die Studie ab dem 4. Mai im Rathaus erhältlich oder im Internet auf www.reinbek.de.

Am Donnerstag, 3. Mai, ist Stadtplaner Julian Petrin zu Gast beim Kamingespräch im großen Saal des Reinbeker Schlosses. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Sie trägt den Titel „Die Stadtmacher – Perspektiven für Reinbek“. Moderator ist Björn Warmer. Besucher können mit Petrin diskutieren und haben freien Eintritt.