Stormarn
Literatur

Ahrensburger Autorin auf dem Weg zu sich selbst

Die junge Autorin Elena Costa mit dem von ihr veröffentlichten Buch vor dem Ahrensburger Schloss

Die junge Autorin Elena Costa mit dem von ihr veröffentlichten Buch vor dem Ahrensburger Schloss

Foto: Ralph Klingel-Domdey / HA

„Weißt du, wer du bist und wohin du möchtest?“, fragt die Ahrensburgerin Elena Costa in ihrem Buch, das von Orientierungssuche erzählt.

Ahrensburg.  Sie ist jung, hat gerade ihr Abitur gemacht und jetzt ein Buch im Selbstverlag veröffentlicht: Die 19-jährige Elena Costa aus Ahrensburg. „Lass mal in die Welt denken“ ist eine sehr persönliche Sammlung von Gedichten, Poetry Slam-Texten und Zeichnungen. Auf Satzzeichen verzichtet die Autorin weitgehend. Bis auf Fragezeichen und Kommata bei Aufzählungen sowie hier und da ein Punkt, als bewusstes Stilmittel gesetzt, sind keine zu finden. „An der Form habe ich am Ende ganz viel verändert, damit es gut aussieht“, sagt sie.

Die Texte handeln vom Aufbruch, vom Scheitern. Von Liebe und der Suche nach sich selbst. Gleichzeitig sind sie eine Aufforderung: Zum Nachdenken, zum Handeln. „es wartet eine ganze Welt darauf von dir entdeckt zu werden“, heißt es etwa in dem Text „was ich dir noch wünsche“. Gewidmet ist das Buch der Generation Z (ab 1995 geborene Jugendliche), zu der auch die Autorin selbst gehört. „Die Grundbotschaft ist: ‘Weißt du, wer du bist und wo du hinmöchtest?’“, sagt sie. Fragen, die vielleicht im Laufe eines ganzen Lebens nicht beantwortet werden können, aber gerade nach dem Abitur elementar sind.

Die „Abi – was dann?“-Messe hat ihr nicht weitergeholfen

Auch Elena Costa wusste im Sommer 2017 nicht, wie es für sie nach der Schule weitergeht. Zwar habe es auch während ihrer Schulzeit Berufsorientierungstage oder einen Messebesuch mit der Klasse bei der „Abi – was dann?“-Messe gegeben, ihr habe das jedoch nicht weitergeholfen. „Das ist so ein Informationsüberfluss. Und hinterher hat man noch mehr Fragezeichen im Kopf“, sagt sie. Ihre Unsicherheit sei vor allem durch den Gedanken, „dass es nur einen Weg gibt und ich unter den vielen Möglichkeiten, die eine richtige finden muss“ entstanden. „Ich habe sehr viel Druck gespürt, vor allem als ich gemerkt habe, dass andere schon einen Plan haben.“

Neben denjenigen, die nach dem Abi wissen, was sie machen wollen, gäbe es zwei Arten von Orientierungslosigkeit, so Costa. „Die Orientierungslosen, die sich damit beschäftigen, dass sie orientierungslos sind und es ändern wollen. Und diejenigen, die versuchen, erstmal den Kopf freizukriegen und sich noch nicht damit beschäftigen, was später ist.“ Beide Varianten könnten jedoch zielführend sein.

In Berlin stellte sie die Weichen für ihre Zukunft

Für Elena Costa selbst scheint die erste Variante zu gelten. Die Wende kam für sie, als sie im Gespräch mit einer Bekannten durch Zufall auf die „The DO School“ in Berlin (siehe unten) aufmerksam wurde. Diese bietet ein 24-wöchiges Programm für Schulabsolventen an, in denen die Teilnehmer durch verschiedene Workshops und Projekte angeregt werden, sich über ihre Fähigkeiten und ihre Wünsche für die Zukunft Gedanken zu machen und die Weichen dafür zu stellen. „Eine coole Möglichkeit. Ich habe mich sofort beworben“, so Costa. Auch Gastredner, deren beruflicher Werdegang trotz Umwegen zum Erfolg geführt hat, hätten die Jugendlichen in dieser Zeit ermutigt: „Zu hören, dass andere auch nicht gleich wussten, was sie machen wollen und trotzdem ihren Weg gefunden haben, hat mich unheimlich beruhigt“, sagt die 19-Jährige.

Durch ihre Zeit in Berlin und das Programm habe sie Zuversicht gewonnen und den Glauben, „dass alles gut wird und man seinen Weg findet“. So habe ihr Berlin den Anstoß und das Orientierungsprogramm die mentale Unterstützung gegeben, ihr Buch-Projekt zu realisieren. „In Berlin ist gefühlt echt alles möglich“, sagt die Ahrensburgerin. „Es ist immer schon ein Traum von mir gewesen, ein Buch herauszubringen.“ So habe sie bereits im Alter von neun Jahren mit einer Freundin gescherzt, Deutschlands jüngste Autorin werden zu wollen. Die Texte für ihr Buch seien dann während ihrer Schulzeit entstanden. „Ich habe kleinere Texte geschrieben und mir immer ganz viele Sachen notiert“, sagt sie.

In „Stojan“ liegt das Buch mittlerweile aus

In der Zeit um ihr Abitur habe sie angefangen, ihre Texte und Notizen durchzulesen und „die guten Sachen“ rauszuschreiben. Die Idee, daraus ein Buch zu machen, kam dann in Berlin. In dieser Zeit sind auch weitere Texte entstanden. So zum Beispiel „vom Einlassen und Demaskieren“. An das Buchprojekt habe sie zunächst jedoch „nicht so richtig geglaubt“. Aber: „Irgendwann dachte ich, ‘Du ziehst das jetzt durch.’“

Am 1. Februar hielt sie dann ein Exemplar der ersten Auflage ihres Buches in den Händen. In Eigenregie habe sie Buchhändler angesprochen, ob sie ihr Buch aufnehmen. In der „Buchbox“ in Berlin und bei „Stojan“ in Ahrensburg hat es schließlich geklappt. Den Vertrieb übernimmt die 19-Jährige selbst. „Ich verkaufe die Bücher momentan sozusagen per Hand.“ Auch um die Vermarktung, die hauptsächlich über ihren Instagram-Kanal läuft, kümmert sie sich selbst. „Ich lerne viel darüber, wie das Geschäft läuft“, sagt sie. Bei der Finanzierung hätten die Großeltern geholfen, der Rest sei Erspartes gewesen. Einige ihrer Texte erinnern an den Stil von Julia Engelmann, deren Poetry-Slam-Vortrag „One Day“ zum Überraschungshit im Internet avancierte und millionenfach geklickt wurde. Eine bewusste Entscheidung?

Autobiografische, persönliche Texte im eigenen Stil

„Sie war diejenige, durch die ich Poetry-Slam entdeckt habe“, sagt Costa. „Ich habe mich dann selber daran probiert und daraus ist was Eigenes entstanden.“ Die autobiografischen Texte geben viel Persönliches über die junge Frau preis. „Ich finde es spannender, wenn es um Gefühle geht“, sagt sie. Dennoch habe sie vorausschauend einige zu intime Passagen gestrichen. „Ich habe darüber nachgedacht, was mein künftiger Arbeitgeber denken könnte.“

Das Buch richte sich an Leser aller Altersklassen, manche Passagen würden jedoch nur Jüngere verstehen. „Meine Großeltern verstehen den Text ‘Trendshopper’ zum Beispiel nicht“ – was aber schon ab 25 schwierig sei. Was die Zukunft betrifft, hat Costa mittlerweile Pläne: Autorin zu werden gehört nicht dazu, auch wenn sie sich vorstellen könne ein weiteres Buch zu schreiben. „Erstmal will ich reisen. Und danach wahrscheinlich Psychologie studieren.“

Wie geht es nach der Schule weiter?

The Do School in Berlin bietet ein 24-wöchiges Orientierungsprogramm für Schulabgänger sowie Auszubildende oder Studierende, die mit ihrer Fachwahl nicht zufrieden sind, an.
Teilnehmer des Programms „24YOU“ können in 24 Wochen daran arbeiten, ihre Stärken zu entwickeln und die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.
In Workshops, Projekten sowie bei praktischer Arbeit bei H&M, dem Partnerunternehmen des Programms, können Fähigkeiten erlernt, die Arbeitswelt kennengelernt und Zukunftspläne entwickelt werden.
Die Teilnehmer durchlaufen vier Phasen, angefangen bei einer Orientierungsphase bis hin zur der sogenannten Zukunftsvorbereitung. Im Fokus stehen dabei während der gesamten Zeit drei Fragen: Wer bin ich? Was kann iich? Was will ich?
Unterbringung: Die Teilnehmer wohnen als WGs, müssen sich selbst organisieren und haben an jedem Wochentag sechs Stunden Workshops. Während des Programms erhalten sie ein Taschengeld von 1800 Euro.
Bewerber dürfen nicht älter als 23 Jahre alt sein. Informationen über das Programm sowie das Bewerbungsverfahren gibt es online unter www.thedoschool.org/24you oder per Mail unter 24you@thedoschool.org.