Stormarn
Tuner mit Herz

Ist ihr Charity-Projekt in Ahrensburg gefährdet?

 Birte Thelen (v. l.) und Sabine Tiedtke vom Hospiz-Förderverein Lebensweg und die Organisatoren Kevin Römer, Anni Schmidt, Tarek Younes und Sascha Jensen vor einer Reihe getunter Autos auf dem Ahrensburger Famila-Parkplatz

Birte Thelen (v. l.) und Sabine Tiedtke vom Hospiz-Förderverein Lebensweg und die Organisatoren Kevin Römer, Anni Schmidt, Tarek Younes und Sascha Jensen vor einer Reihe getunter Autos auf dem Ahrensburger Famila-Parkplatz

Foto: Elvira Nickmann / HA

Autofans wollen sich am 6. Mai in Ahrensburg treffen. Erlös soll an Hospiz gehen. Doch Verwaltung und Polizei machen hohe Auflagen.

Ahrensburg.  Die zehn Autos auf dem Famila-Parkplatz in Ahrensburg fallen sofort ins Auge: Jedes ist ein individuell gestyltes Unikat. Ihre Besitzer sind aus dem Ahrensburger Umland, aus Kiel, Plön, Lüneburg und Winsen angereist. Am Sonntag, 6. Mai, wollen sie sich wieder hier treffen, wenn unter dem Titel „Tuner mit Herz – Hospiz Charity Event“ ein nicht alltägliches Ereignis starten soll: eine große Schau getunter Fahrzeuge, mit Info- und Verkaufsständen, Kinderschminken, Gastronomie und weiteren Angeboten, die sich nicht nur an Auto-Enthusiasten, sondern ebenso an Familien richten.

Szene sieht sich immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert

Initiiert hat das Spektakel Tarek Younes, ein smarter junger Mann aus Hammoor mit einer großen Leidenschaft für Autos, genauer sein Auto, in dessen einzigartiges Erscheinungsbild er viel Zeit und Geld investiert. Ein Hobby, das er mit vielen, vorwiegend jungen Fahrern teilt. Doch die sogenannte Tuningszene hat es zunehmend schwer: In der Öffentlichkeit wird sie oft mit Rasern und Teilnehmern illegaler Autorennen gleichgesetzt, die ihre Autos zusätzlich PS-mäßig aufmotzen. „Wir lieben unsere Autos“, sagt der 25-Jährige. „Bei uns geht es ums Styling, da würde es gar keinen Sinn ergeben, sie erst aufwendig auszustatten, um sie dann kaputtzufahren.“ Sein Anliegen: Vorurteile abbauen, die Szene für andere Interessierte öffnen. Und: Der Erlös des Events soll dem Förderverein Lebensweg, der in Bad Oldesloe ein Hospiz baut, zugutekommen. Den Organisatoren war von Anfang an bewusst, dass sie viel ehrenamtliche Arbeit in das Projekt stecken mussten.

Doch dieser schöne Plan könnte jetzt platzen. „Durch die Steine, die einem in den Weg gelegt werden, verliert man die Lust“, sagt Anni Schmidt, Mitglied der Planungsgruppe. Stürzten sie, Younes und ihre Mitstreiter sich anfangs voller Elan in die Vorbereitungen, fühlen sie sich mittlerweile zunehmend von Verwaltung und Polizei gegängelt. Mehrfach mussten sie in Gesprächen Überzeugungsarbeit leisten, um nicht mit Straßenrowdys in einen Topf geworfen zu werden.

Plötzlich habe sich der Ton verändert

Doch das Misstrauen der Behörden scheint damit nicht aus dem Weg geräumt. Plötzlich sei von Auflagen die Rede, die zuvor kein Thema gewesen seien und ihr Vorhaben erschwerten. Younes: „Dabei sind wir allen sehr entgegengekommen.“ Er erstellte einen umfassenden Plan, um mittels eigener Kennzeichnungen, Kontrollgänge, Ordner, Rettungsgassen, Abschlepper und Funkkommunikation zwischen den Organisatoren einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Zudem erschien der Famila-Parkplatz als idealer Veranstaltungsort: teilüberdacht, fernab des Zentrums im Gewerbegebiet, in dem es sonntags kein nennenswertes Verkehrsaufkommen gibt und keine Anwohner gestört werden. Erste Gespräche mit Kerstin Albrecht und Arno Land von der Stadtverwaltung seien problemlos verlaufen. Seines Erachtens seien keine Maßnahmen vom Ordnungsamt erforderlich, habe Land gesagt.

Auch ein Gespräch mit Jörg Marienberg von der Ahrensburger Polizei hat Younes in guter Erinnerung. Dieser habe Verständnis, sogar Interesse geäußert. Die Polizei werde Präsenz vor Ort zeigen, aber nur „die Leute rausziehen, die sich nicht benehmen können“, so der Tenor. Ein Vorgehen auch ganz im Sinne der Veranstalter. Weniger in ihrem Sinne dagegen war der Verlauf der Kommunikation, nachdem Meike Schaaf vom Ordnungsamt sich einschaltete. Land habe zuvor geäußert, dass er am liebsten jeden einzelnen Teilnehmer kontrollieren lassen würde, aber dafür ja nicht zuständig sei. Plötzlich habe sich der Ton verschärft, Bedenken seien in den Vordergrund gerückt. Obwohl Land signalisiert habe, dass seinerseits kein weiterer Gesprächsbedarf bestehe, sei die Gruppe von Schaaf zu einem neuen Gespräch mit teilweise neuen Beteiligten aufgefordert worden.

Straßensperren sind jetzt zur Auflage gemacht wurden

Und jetzt wurden Straßensperren zur Auflage gemacht, Sperrung der Zufahrt und der Standstreifen. Frank Schümann von der Polizei Ahrensburg: „Ein völlig normaler Prozess, da die Allgemeinheit über das normale Maß hinaus beeinträchtigt wird wie bei Cyclassics oder Ironman.“ Ein größerer Personaleinsatz sei allerdings „denkbar und wahrscheinlich“, Beamte aus Trittau würden hinzugezogen. Dabei wünschen sich die Tuner einfach nur ein friedliches Fest. Erschien die angekündigte Präsenz der Polizei noch als Selbstverständlichkeit, sorgt der „vermehrte Personaleinsatz“ für Irritationen. „Dabei geht es uns ausnahmslos um das Hospiz. Wir treffen uns ja nicht, um Kasperkram zu machen“, sagt Anni Schmidt, und es klingt fast resigniert.

Bei anderen ist die Freude über die Initiative groß. Antje Karstens vom Stadtforum, das am selben Tag den verkaufsoffenen Sonntag mit Oldtimershow in der Innenstadt organisiert: „Das ist ein großartiges Charity-Konzept, wir ergänzen uns. Ich wünsche ihnen großen Erfolg.“ Sabine Tiedtke und Birte Thelen vom Förderverein Lebensweg können nur zustimmen. Bis zu dem überraschenden Anruf von Tarek Younes habe sie nicht einmal gewusst, „was Tuner überhaupt sind“, gibt Vereinsvorsitzende Tiedtke zu. „Das ist ein tolles Hobby“, hat sie inzwischen entdeckt. „Ich bin völlig begeistert, mit wie viel Engagement diese jungen Menschen sich für ein soziales Projekt einsetzen.“

„Wir machen das wahrscheinlich nie wieder“

Die geplanten Spendeneinnahmen, die mit einer Tombola generiert werden sollen, werden nun auch schmaler ausfallen. Schmidt: „Wir dürfen pro Los nur einen Euro verlangen, sonst müssen wir Steuern zahlen.“ Die Anzahl der geplanten Verkaufsstände wurde reduziert. Inzwischen mussten die Organisatoren viel aus eigener Tasche finanzieren, trotz Sponsoren-Unterstützung. Großes ehrenamtliches Engagement für eine gute Sache – und ein ernüchterndes Fazit: „Wir machen das wahrscheinlich nie wieder“, sagt Anni Schmidt.

Tarek Younes wirkt inzwischen etwas nervös. Nur noch drei Wochen bis zum Termin – die bei der Verwaltung beantragte Erlaubnis zum Aufstellen der geforderten Sperren und Schilder steht noch immer aus. Sollte sie nicht rechtzeitig eintreffen, wäre das das Aus für ein ganz besonderes Charity-Event.