Millionen-Projekt

Großhansdorf bekommt bis Ende 2024 neue LungenClinic

Susanne Quante vor dem Gebäude des Betriebshofs – dort soll der Neubau starten. Das elfgeschossige Bettenhaus im Hintergrund wird später abgerissen

Susanne Quante vor dem Gebäude des Betriebshofs – dort soll der Neubau starten. Das elfgeschossige Bettenhaus im Hintergrund wird später abgerissen

Foto: Janina Dietrich / HA

Ein Großteil des alten Krankenhauses wird für das 70-Millionen-Euro-Projekt abgerissen. Auch das Schwimmbad muss weichen.

GroSShansdorf.  Der Zeitplan ist eng gestrickt, das Vorhaben groß: Bis Ende 2024 soll die LungenClinic Großhansdorf ein neues Erscheinungsbild bekommen. Geplant ist ein siebengeschossiger Neubau mit Patientenzimmern und Intensivstation, ein Abriss des 60 Jahre alten elfgeschossigen Bettenhauses sowie die Errichtung eines drei- bis viergeschossigen Verbindungstraktes mit Ambulanz und Aufenthaltsräumen. Und das alles während des laufenden Krankenhausbetriebes. Das Investitionsvolumen für das Bauprojekt beträgt rund 70 Millionen Euro.

„Ich bin für ambitionierte Planungen“, sagt Susanne Quante, kaufmännische Geschäftsführerin des Krankenhauses. Das Land Schleswig-Holstein hat den Plänen schon zugestimmt und Fördergeld in Höhe von 34,5 Millionen Euro bereitgestellt. Nun wartet Quante noch auf eine Zusage der Stadt Hamburg. Denn die LungenClinic ist ein Plankrankenhaus beider Bundesländer. „Ich hoffe, dass wir sie zeitnah bekommen, um endlich richtig loszulegen.“

Im neuen Gebäude wird weniger Platz benötigt

Derzeit ist die Geschäftsführerin dabei, das Aussehen der neuen Gebäude zu konkretisieren. Bisher gibt es aber noch keine Entwürfe oder Visualisierungen. In den kommenden Monaten will sie verschiedene Kliniken in Deutschland bereisen, um sich Anregungen zu holen. „Wir werden uns auch international informieren“, sagt Quante. Nach der Zusage aus Hamburg sollen die Architektenleistungen dann ausgeschrieben werden.

Fest steht, dass das neue Bettenhaus mit Intensivstation aus sieben Stockwerken bestehen und damit deutlich kompakter wird als das alte. „Wir brauchen weniger Platz“, sagt Quante. An der aktuellen Bettenzahl von 182 soll sich trotzdem nichts ändern. Das Haus wird direkt neben dem Operations-Trakt errichtet, der erst 2014 für sechs Millionen Euro neu gebaut worden war. Dafür wird das angrenzende Betriebshof-Gebäude abgerissen. Auch die Mitarbeiterparkplätze werden überbaut.

Altes Bettenhaus bleibt bis Ende 2023 in Betrieb

Das neue Krankenhaus wird bis an das Landschaftsschutzgebiet heranreichen. Zuvor muss noch der Bebauungsplan für den Bereich geändert werden. Die Großhansdorfer Kommunalpolitiker haben das Verfahren bereits auf den Weg gebracht. Bis es abgeschlossen ist, dauert es in der Regel ein Jahr. Dann – im Frühjahr 2019 – will die Klinik sofort mit dem Neubau beginnen. „Die Baustruktur soll auf jeden Fall in die Waldgemeinde passen“, sagt Quante. „Zudem wollen wir auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz setzen.“

Ende 2023 soll das neue Krankenhaus stehen. So lange bleibt das alte Bettenhaus in Betrieb, um eine durchgängige Versorgung der Patienten zu gewährleisten. 2024 soll es abgerissen werden. An der Stelle wird ein drei- bis viergeschossiger Verbindungstrakt mit Ambulanz, Cafeteria und Aufenthaltsräumen entstehen. Quante: „Wir werden ein Krankenhaus bekommen, das uns die nächsten 20 bis 30 Jahre zukunftsfähig hält.“ Teile des Altbaus werden aber erhalten bleiben, darunter der Eingangsbereich, das dreigeschossige Verwaltungsgebäude sowie der Funktionstrakt, in dem zum Beispiel Röntgentests vorgenommen werden.

Zu kleine Badezimmer stellten großes Problem dar

Anfangs sei auch darüber nachgedacht worden, die LungenClinic nur zu sanieren. „Das hätte um die 23 Millionen Euro gekostet – und für das Geld hätten wir trotzdem kein modernes Krankenhaus bekommen“, sagt Quante. Geblieben wären zum Beispiel die langen Wege für die Pflegekräfte zwischen Patientenzimmern und dem Versorgungstrakt. Das größte Problem aber seien die Badezimmer. Sie befanden sich in früheren Jahren auf den Fluren der Klinik und wurden erst nachträglich in die Patientenzimmer eingesetzt. „Sie sind zu klein“, sagt Quante. Eine Vergrößerung der Bäder sei aber in den bestehenden Räumen nicht möglich.

Betroffen von dem Umbau ist auch das Schwimmbad der LungenClinic. Es soll Ende dieses Jahres geschlossen und anschließend abgerissen werden, um Platz für Mitarbeiterräume und eine neue Kantine zu machen. Susanne Quante hat die Mitglieder des Schwimmbad-Fördervereins FBLG am Donnerstagabend über die Entscheidung informiert. Dieser hatte das Becken vor vier Jahren vor einer Schließung bewahrt und seitdem Spenden für den Weiterbetrieb gesammelt.

Voß: „Keine Finanzierungschance“ für neues Becken

Mit Erfolg: 1000 Menschen nutzen zurzeit pro Woche das Bad. Montags bis freitags ist das Becken von 9 bis 20 Uhr durchgängig belegt. Rund 50 Kurse werden angeboten, insbesondere von der Volkshochschule Großhansdorf. Aber auch der Sportverein Großhansdorf, die Grundschule Wöhrendamm und viele weitere Gruppen nutzen das 84 Quadratmeter große Becken. „Wir sind natürlich alle sehr traurig über die Schließung“, sagt Hella Diekow, die Vorsitzende des Fördervereins. „Aber wir verstehen die Notwendigkeit.“ Der Verein sei dankbar, dass er das Schwimmbad noch vier Jahre lang erhalten konnte. „Wir müssen uns damit abfinden, dass die Zeit nun vorbei ist.“ Das dieser Punkt irgendwann kommen würde, war den Mitgliedern klar. Denn der Sanierungsstau des Schwimmbades beträgt 2,5 Millionen Euro. „In zwei bis vier Jahren hätte es deswegen sowieso geschlossen werden müssen“, sagt Bürgermeister Janhinnerk Voß.

Er sucht nun nach einer neuen Lösung, aber bisher erscheint keine Idee wirklich praktikabel. Der Bau eines neuen Beckens würde zweieinhalb bis dreieinhalb Millionen Euro kosten, hat Voß ausgerechnet. Dazu komme ein Verlust von 200.000 bis 300.000 Euro pro Jahr durch die Betriebskosten. Geld, das die Gemeinde nicht hat. „Ich sehe zurzeit keine Finanzierungschance“, sagt Voß. Dennoch will er mit den Gemeindevertretern darüber sprechen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, Hallenzeiten in bestehenden Schwimmbädern in der Umgebung anzumieten. In Frage kämen die Einrichtungen in Ahrensburg, Bargteheide, Barsbüttel und Hamburg-Volksdorf. Aber auch dort seien die Kapazitäten begrenzt. Diekow: „Wir werden uns wohl aufteilen müssen.“