Ahrensburg

Stormarner Bürger messen Diesel-Schadstoffe

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Janina Dietrich
In der Ahrensburger Innenstadt herrscht häufig ein hohes Verkehrsaufkommen. Wie groß dadurch die Belastung der Luft ist, hat jetzt eine Messung gezeigt

In der Ahrensburger Innenstadt herrscht häufig ein hohes Verkehrsaufkommen. Wie groß dadurch die Belastung der Luft ist, hat jetzt eine Messung gezeigt

Foto: Birgit Schücking

Das Ergebnis: hohe Werte in Ahrensburg und Oststeinbek. Die Deutsche Umwelthilfe fordert nun die Kommunen zum Handeln auf.

Ahrensburg.  37,5 Mikrogramm pro Kubikmeter – so viel Stickstoffdioxid befindet sich nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) an der Hamburger Straße in Ahrensburg in der Luft. Die Organisation hat Bürger in ganz Deutschland dazu aufgerufen, sogenannte Passivsammler an Straßen zu installieren, an denen sie eine besonders hohe Schadstoffbelastung vermuten. Die mobilen Geräte haben im Februar dieses Jahres an deutschlandweit 559 Orten 28 Tage lang die Stickstoffdioxid-Konzentration gemessen. Ein Schweizer Labor hat die Ergebnisse anschließend ausgewertet.

Im Kreis Stormarn wurden vier Messpunkte eingerichtet. Neben Ahrensburg haben Bürger an der Möllner Landstraße in Oststeinbek sowie zweimal an der Landesstraße 89 in Hammoor im Bereich der Abzweigung Richtung Ahrensburg (Großhansdorfer Weg) Röhrchen mit einem speziellen Filtermaterial angebracht. In Oststeinbek ergab die Messung laut Umwelthilfe einen Stickstoffdioxid-Wert von 30,4 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, in Hammoor waren es 23,1 und 23,8. Als Hauptursache für die hohe Belastung gelten Diesel-Fahrzeuge.

Nur 30 Mikrogramm seien akzeptabel

Insbesondere die Werte in Ahrensburg und Oststeinbek seien besorgniserregend, sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. „Sie liegen über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.“ Demnach seien aus gesundheitlicher Sicht im Jahresmittel nur maximal 30 Mikrogramm akzeptabel. „Hier muss gehandelt werden“, sagt Resch. Ahrensburg und Oststeinbek seien nun aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen.

Dieser Ansicht ist auch Jan Furken. Der Ahrensburger hat die Messung an der Hamburger Straße/Ecke Stormarnstraße initiiert. „Ahrensburg hat ein Verkehrsproblem“, sagt der Bauingenieur. „Immer mehr Autos fahren durch die Straßen.“ Mit der Teilnahme an der Aktion habe er nachweisen wollen. dass der Verkehr eine Belastung für die Menschen erzeugt, über die bisher zu wenig gesprochen werde. „Ich wünsche mir, dass sich die Stadt mehr mit dem Thema beschäftigt“, sagt der 53-Jährige.

Zwei Passivsammler an Schilderbrücke angebracht

Am 1. Februar hat Furken zwei Passivsammler an der Schilderbrücke vor der AOK-Kreuzung in zwei Meter Höhe angebracht. Zuvor habe er sich dafür eine Sondernutzungsgenehmigung der Stadt besorgt. Vier Wochen später nahm er die Röhrchen wieder ab und schickte sie zurück an die Umwelthilfe.

Von 2006 bis 2012 gab es im Bereich der Kreuzung, die mit bis zu 30.000 Fahrzeugen täglich zu den Verkehrsknotenpunkten der Stadt zählt, offizielle Messungen. „Die Grenzwerte wurden damals nicht mal ansatzweise überschritten“, sagt Verwaltungssprecherin Imke Bär. Deshalb habe das Ministerium die Messungen eingestellt.

Hohe Werte könnten meteorologische Gründe haben

In Schleswig-Holstein ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) für die Überwachung der Luftqualität zuständig. „Durch die Aktion bekommen wir eine Einschätzung zu Orten, an denen wir sonst nicht messen“, sagt Sprecher Martin Schmidt. „Das ist gut.“ Das LLUR hat zurzeit landesweit 18 feste Messstationen und eine Reihe von mobilen Anlagen installiert. In Stormarn wird die Stickstoffdioxid-Belastung momentan nur an einer einzigen Strecke kontrolliert: mit einem mobilen Gerät an der Möllner Landstraße in Glinde in Höhe der Sandweg-Kreuzungen (wir berichteten). Dort liegt die gemessene Stickstoffdioxid-Konzentration laut Schmidt seit Jahren unter dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel.

„Wir ermitteln jeden Monat einen Wert und bilden daraus den Mittelwert für das jeweilige Jahr“, sagt Martin Schmidt. Dadurch würden monatliche Schwankungen ausgeglichen, die zum Teil stark ausfallen könnten. „Die Umwelthilfe hat nur im Februar gemessen“, sagt er. „Das war auch bei uns ein Monat, in dem wir landesweit relativ hohe Werte an unseren Stationen gemessen haben.“ Das könne meteorologische Gründe haben, zum Beispiel an Nebelbildungen liegen. Die Werte der Deutschen Umwelthilfe seien daher wegen der kurzen Messdauer nur bedingt aussagekräftig. Schmidt: „Da die Ergebnisse aber selbst in dem Monat in Stormarn unter dem EU-Grenzwert liegen, ist das als gutes Zeichen zu werten.“

Erneute Messungen sind möglich

Die Deutsche Umwelthilfe will die Aktion im Juni wiederholen. Bürger können ab sofort im Internet unter www.duh.de/abgasalarm Straßen vorschlagen, an denen dann einen Monat lang die Schadstoffbelastung ermittelt werden soll. Auf der Seite ist auch eine Übersicht aller Orte zu finden, an denen bereits gemessen wurde.

An Straßen, die sich bei der ersten Messung im Februar als besonders belastet herausgestellt haben, soll dann erneut gemessen werden. Dazu zählt auch Ahrensburg. „Ich habe deshalb erneut um Genehmigung bei der Stadt gebeten“, sagt Furken. Die Verwaltung habe ihm daraufhin mitgeteilt, dass diesmal der Umweltausschuss über das Ansinnen entscheiden müsse. Furken hofft, dass die Politiker sein Vorhaben unterstützen. Er sagt: „Wir haben dadurch die Chance auf eine zweite kostenlose Luftmessung.“

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