Stormarn
Schauspieler

Bjarne Mädel über die Tatorte seiner Kindheit in Stormarn

Mädel in seiner Rolle als Tatortreiniger Heiko „Schotty“ Schotte

Mädel in seiner Rolle als Tatortreiniger Heiko „Schotty“ Schotte

Foto: NDR/Thorsten Jander

Bekannter Schauspieler aus der NDR-Comedy-Serie ist in Reinbek aufgewachsen. Jetzt wohnt er in Berlin, hat aber die Heimat im Herzen.

Reinbek.  Die meisten kennen ihn als „Tatortreiniger“ aus der gleichnamigen NDR-Comedy-Serie in skurrilen Situationen oder als den leicht vertrottelten Ernie aus „Stromberg“. Doch die wenigsten wissen, dass Bjarne Mädel (50) lange Zeit in Reinbek gewohnt und für den Sportverein TSV auf dem Rasen gekämpft hat. Im Abendblatt erzählt der Schauspieler von seiner Kindheit in Stormarns zweitgrößter Stadt.

„Reinbek ist für mich hauptsächlich die Kückallee“, sagt Bjarne Mädel. „Dort habe ich gewohnt. Außerdem verbinde ich mit der Stadt den Sachsenwald, im Tonteich zu schwimmen und die TSV Reinbek.“ Dort hat der junge Mädel neun Jahre lang gekickt und den Großteil seiner Jugend – mitunter war dreimal pro Woche Training und am Wochenende ein Punktspiel – auf dem Fußballplatz verbracht.

Höhepunkt seiner Fußballerkarriere war ein Spiel in Rotterdam vor 22.000 Zuschauern. „Früher gab’s das noch, dass Jugendmannschaften auf den Rasen durften und vor Pokalspielen zweimal eine Viertelstunde gegeneinander gespielt haben“, sagt Mädel. Und so dribbelte er im TSV-Trikot, bevor Feyenoord Rotterdam und Malmö FF im Europapokal aufeinander trafen. Den Augenblick, im Mittelpunkt des Interesses zu sein, bezeichnet er als „tollen Moment“.

Aus materiellen Dingen macht sich der TV-Star nichts

Überhaupt sei seine Kindheit – von der zweiten bis zur achten Klasse lebte Mädel in Reinbek, danach in Hamburg-Bergedorf – „perfekt“ gewesen. Vor allem, weil er viel draußen war. Wenn er nicht gerade Fußball spielte, zum Beispiel auf der Wiese am Mühlenredder, traf er sich mit Freunden in der Natur. Ein Erlebnis, an das er sich genau und sehr gern erinnert: „Wir haben nachts im Garten Zelte aufgebaut, sind dann von einem Nachbargarten zum nächsten gegangen und haben bei den anderen die Heringe rausgezogen.“

Wenn Mädel solche Geschichten erzählt, lacht er oder spricht mit wehmütiger Stimme. Genau so wehmütig schaue er oft aus dem Fenster, wenn er von seiner jetzigen Heimat Berlin nach Hamburg düse. „Dann denke ich, ich müsste mal ein, zwei Tage in Reinbek verbringen. Vielleicht gehe ich im Sommer mal an alte Orte. Ich würde gern wieder im Tonteich schwimmen.“ Das Naturbad liegt in der Nachbargemeinde Wohltorf

Freundschaften sind dem Schauspieler wichtig

Wenn man bedenkt, dass er zu den bekannteren deutschen Schauspielern gehört, ist es bemerkenswert, wie bodenständig Mädel geblieben ist. Aus Geld und Prestige macht er sich nichts, nicht mal ein Auto besitzt der 50-Jährige. Seine Einstellung zu materiellen Dingen beschreibt er so: „Wir kommen mit gar nichts auf die Welt und gehen auch mit gar nichts wieder weg. Alles, was wir dazwischen anhäufen, ist totaler Blödsinn.“

Stattdessen legt der Mann, der zurzeit wieder einen Vollbart trägt, Wert auf eine erfüllende Arbeit, auf Freundschaften und darauf, dass er Menschen zum Lachen bringen kann. Etwa mit dem Tatortreiniger, für den er im April mit Dreharbeiten für die neue Staffel beginnt.

Bjarne Mädel spielt auch ernste Rollen

Bis dahin ist er in einer anderen Sache mit mehr Ernsthaftigkeit unterwegs: Seit Donnerstag läuft das Drama „1000 Arten, den Regen zu beschreiben“ in den Kinos. Dort spielt der sonst eher mit seinen komischen Rollen bekannte Schauspieler den Vater eines 18-Jährigen, der sich in seinem Zimmer eingeschlossen hat und seit Monaten jede Kommunikation mit der Familie verweigert . Darauf angesprochen, wie es denn sei, mal eine ernste Rolle zu mimen, antwortet Mädel lapidar: „Für mich ist es keine Überraschung, dass ich auch ernst sein kann. Es ist einfach eine andere Aufgabenstellung. Einmal habe ich die Aufgabe, die Leute zum Lachen zu bringen. Bei einem Drama habe ich die Aufgabe, die Leute emotional zu berühren.“ Gerade die Mischung aus beidem reize ihn. So hinterlasse er mit seinen Filmen im besten Fall Spuren im Leben seiner Zuschauer.

Akustische Spuren hat Mädel auch in seiner alten Heimat hinterlassen, obwohl er lange nicht mehr dort gewesen ist. Jene können Stormarner entdecken. Wer das Reinbeker Schloss per Audioguide erkunden will, wird von der Stimme des Schauspielers geführt.

Als er die Anfrage bekam, ob er die Informationen einsprechen würde, zögerte Mädel nicht lange. Denn als er noch in Reinbek wohnte, war das Schloss nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit dem Fahrrad fuhr Mädel damals oft daran vorbei. Auf ein Honorar verzichtete er übrigens, wünschte sich stattdessen eine Spende für das örtliche Jugendzentrum.

Sohn der Stadt ist im Hotel Waldhaus verewigt

Nicht nur im Schloss erinnert die Stadt an ihren bekannten Sohn: Im Hotel Waldhaus zeigt ein goldenes Messingschild, dass Mädel dort für Dreharbeiten übernachtet hat. Beide Hommagen empfindet der Schauspieler als „große Ehre“. Und falls er es dieses Jahr nach Reinbek schafft, wird sich der Comedy-Star gewiss im Schloss und Waldhaus blicken lassen – vor allem aber im Tonteich schwimmen und die Kückallee entlang schlendern.