Stormarn

Keine Wohnungen für junge Menschen in Oststeinbek

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René Soukup
Rudi Hametner, Fraktionschef der OWG, ist das Projekt im Norden der Gemeinde am Willinghusener Weg zu groß

Rudi Hametner, Fraktionschef der OWG, ist das Projekt im Norden der Gemeinde am Willinghusener Weg zu groß

Foto: Birgit Schücking

SPD scheitert in Gemeindevertretung mit Antrag, zwei Senioren-Neubauprojekte auch unter 60-Jährigen und Familien zugänglich zu machen.

Oststeinbek.  In Oststeinbek sollen demnächst 170 Wohnungen entstehen – und junge Familien sowie unter 60-Jährige werden keine Chance haben, an den beiden Standorten eine Bleibe zu finden. Denn die Einheiten sind ausschließlich für Senioren gedacht. Genau das wollte die SPD mit ihrem Antrag auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung ändern, scheiterte damit jedoch wie schon in anderen Gremien an der Stimmenmehrheit von CDU und Oststeinbeker Wählergemeinschaft (OWG).

„Entweder haben Christdemokraten und OWG den Kontakt zur Bevölkerung verloren, oder sie wollen einen anderen Ort als wir und die FDP“, kommentierte SPD-Fraktionschef Christian Höft das Votum. Dieses war absehbar. Den Antrag, beide Wohnprojekte auch jüngeren Menschen zugänglich zu machen, hatten die Sozialdemokraten allerdings nicht ohne Grund erneut auf die Agenda gebracht. „Es ist wichtig, im Hinblick auf die Kommunalwahl im Mai ganz genau herauszustellen, was von wem gewollt ist“, so Höft. „Oststeinbek hat ein Wohnungsproblem für junge Leute, wir wollen dagegen angehen.“

Unternehmen plant 80 Seniorenwohnungen auf Areal

Dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan an der Brückenstraße gegenüber der Feuerwache stimmten die Sozialdemokraten jetzt trotzdem zu. Dort plant das Unternehmen Semmelhaack auf einem 1,8 Hektar großen Areal 80 Seniorenwohnungen, 30 Prozent davon öffentlich gefördert. Das Investitionsvolumen beträgt rund 15 Millionen Euro. Kooperationspartner ist das Reinbeker Bismarck-Seniorenstift und damit zuständig für das Pflege- und Betreuungskonzept.

Ende vergangenen Jahres hatte die Politik bereits mehrheitlich den Aufstellungsbeschluss für den B-Plan zwischen den Straßen Willinghusener Weg und Hansetor im Norden der Gemeinde mit 90 Einheiten für ältere Menschen gefasst: Sie werden in Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen leben. Die OWG lehnt das Vorhaben in dieser Größe ab und argumentiert mit einem Verlust von zu viel Grünflächen. Deren Fraktionschef Rudi Hametner will sich auch nicht als Blockierer für junge Wohnungssuchende verstanden wissen. Er sagt: „Ich hätte nichts dagegen, Wohnungen am Willinghusener Weg für diese Zielgruppe freizugeben bei einem kleineren Umfang des Projekts.“ Allerdings würde er als Mieter Oststeinbeker Bürger sehen und keine zugezogenen Menschen aus Hamburg.

Mehrere Wohnprojekte für Senioren scheiterten

An dem Standort hatten Grundstückseigner Hans-Egon Wulf und sein Schwiegersohn Christian Stölken ursprünglich 150 Wohnungen anvisiert. Dieses Volumen war mit der Politik nicht machbar. Im Aufstellungsbeschuss sind rund 1,5 Stellplätze pro Wohnung vorgesehen. Diese Zahl wollte die SPD verringern und denselben Schlüssel wie an der Brückenstraße. Dort sind 96 Stellplätze genannt, wobei der Wert keine Vorgabe ist. Auch mit diesem Antrag kamen die Sozialdemokraten in der Gemeindevertretung nicht durch. Aus ihrer Sicht sind Seniorenwohngebiete prädestiniert für Car-Sharing verbunden mit einer Senkung des Parkplatzbedarfs.

In der rund 9000 Einwohner zählenden Gemeinde macht seit Langem der Seniorenbeirat Druck, altersgerechten Wohnraum zu schaffen. Dieses Ziel hatten alle Parteien in ihrem Programm zur Kommunalwahl 2013. In der Vergangenheit waren mehrere Projekte aus unterschiedlichen Gründen gescheitert.

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