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Ahrensburg

DDR-Zeitzeugin betont Bedeutung freier Wahlen

DDR-Zeitzeugin Evelyn Zupke (l.) zusammen mit Projekt­referentin Dr. Anett Laue

DDR-Zeitzeugin Evelyn Zupke (l.) zusammen mit Projekt­referentin Dr. Anett Laue

Foto: Melissa Jahn

Die Regimekritikerin berichtet Schülern der Ahrensburger Selma-Lagerlöf-Schule über ihr Leben in der Diktatur. Das Abendblatt war da.

Ahrensburg.  „Durch persönliche Biografien werden geschichtliche Entwicklungen erst spannend“, sagt Evelyn Zupke. Sie besuchte als sogenannte Zeitzeugin die Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule in Ahrensburg, um mit Schülern der 13. Klasse über ihr Leben in der DDR zu sprechen. Als Mitglied des „Friedenskreises Weißensee“ war die heute 56 Jahre alte Regierungskritikerin maßgeblich an der Aufdeckung des Wahlbetrugs der DDR beteiligt und arbeitete aktiv bei der Auflösung des Stasi-Kontrollapparates mit. Heute möchte sie Schülern den hohen Stellenwert freier Wahlen näherbringen, welche für sie lange Zeit nicht selbstverständlich waren. Gefördert werden diese kostenlosen Seminare bundesweit von der Deutschen Gesellschaft e.V. mit Mitteln der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“.

Evelyn Zupke beginnt ihren Bericht in ihrer Kindheit, die sie mit ihrer Mutter allein in der Kleinstadt Binz auf Rügen verbrachte. Sie erzählt von frühem Anpassungsdruck, sogenannter „Rotlichtbestrahlung“ im Staatsbürgerunterricht und einer aus dem Westen geschmuggelten Abba-Platte als Geschenk. „Von diesem Zeitpunkt an habe ich mitbekommen, dass es noch etwas anderes gibt“, sagt Zupke. Schon früh stellte sie kritische Fragen und stieß an die Grenzen eines Systems, welches sich Kooperation mit Angst erkaufte.

20 kostenfreie Seminare werden angeboten

Anschaulich und unterhaltsam stellt Zupke die Historie anhand ihrer persönlichen Lebensgeschichte dar. Begriffe aus Geschichtsbüchern wie Spitzel, friedliche Revolution und Montagsdemonstrationen bekommen auf einmal Realitätsbezug. Das beeindruckt auch die Schüler, die interessiert zuhören und Fragen stellen. „Wir vergessen oft, wie nah die Geschichte noch an uns dran ist“, sagt Paula (19). „Ich finde es absolut beeindruckend, wie Evelyn Zupke gekämpft und ihre eigene Gefährdung trotz eigenen Kindes in Kauf genommen hat.“ Der Bericht zeige, dass Wahlen nicht selbstverständlich seien und diese Freiheit nicht leichtfertig weggeworfen werden dürfe. „Wir können uns heute selbstständig entscheiden, aber bereits meine Mutter hatte es damals nicht so leicht“, erzählt Ornella (18), deren Familie aus Berlin stammt. „Sie arbeitet diese Zeit noch heute auf.“

Die Deutsche Gesellschaft e.V. bietet 20 kostenfreie Seminare in der ganzen Bundesrepublik an. Ob freie Wahlen oder das Thema Leben und Alltag – es gibt verschiedene Module zur Auswahl. Ein Workshop mit Vortrag, Gruppenarbeit und anschließender Diskussion bereitet die Schüler auf den jeweiligen Inhalt vor.