Stormarn
Statistik

Gegen den Trend: Kriminalität in Stormarn steigt an

Polizeisprecherin Rena Bretsch, Kripo-Chef Hans-Jürgen Köhnke und Polizeidirektor Jürgen Funk

Polizeisprecherin Rena Bretsch, Kripo-Chef Hans-Jürgen Köhnke und Polizeidirektor Jürgen Funk

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Nicht einmal jede zweite Straftat wird aufgeklärt. Die Betrugszahl steigt, aber die der Einbrüche sinkt. Brennpunkt ist Bargteheide.

Ratzeburg.  Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser ist in Stormarn um mehr als 100 Taten auf 675 Fälle gesunken. Die Schlechte: „Die Gesamtkriminalität ist gegen den Landestrend gestiegen“, sagte Jürgen Funk, Chef der für Stormarn zuständigen Polizeidirektion Ratzeburg, bei der Präsentation der Kriminalstatistik für das Jahr 2017.

13.549 Straftaten hat die Polizei im vergangenen Jahr registriert und damit 565 Fälle mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist nur marginal auf 44,7 Prozent gestiegen. Somit wird nicht einmal jede zweite Straftat im Kreis aufgeklärt. Und die Täter verursachen immer größeren Schaden. Während Kriminelle 2016 einen wirtschaftlichen Schaden von 17,8 Millionen Euro angerichtet haben, waren es 2017 schon 26,8 Millionen Euro.

Abrechnungs­betrug im Gesundheitsbereich

Die größte Zunahme an Straftaten gibt es beim Betrug. 1757 Straftaten hat die Polizei im Kreis Stormarn erfasst und damit 560 Fälle mehr als 2016. Einen Großteil macht der sogenannte Waren- und Warenkreditbetrug aus. Dazu zählt unter anderem, wenn Waren nicht geliefert, nicht bezahlt oder unter einer falschen Identität bestellt werden. 528 Taten fallen in diese Kategorie und sind damit leicht um 47 Fälle im Vergleich zu 2016 gestiegen. Anders sieht es beim Abrechnungsbetrug aus. Dort hat die Polizei 146 Taten registriert – 128 mehr. Laut Stormarns Kripo-Chef Hans-Jürgen Köhnke gehen alle Taten auf das Konto eines „Herstellers im Gesundheitsbereich“.

Extrem gestiegen sind auch die Fälle, in denen sich die Kriminellen als Polizisten ausgeben und versuchen, Senioren um ihr Erspartes zu bringen. Laut einer Sonderauswertung wurden in Stormarn und Herzogtum Lauenburg 347 Taten angezeigt. 2016 waren es in beiden Kreisen nur 30 Fälle. „Der Großteil sind Versuchstaten“, sagt Köhnke. Er vermutet, dass es deutlich mehr Taten gibt, die aber nicht angezeigt wurden. „Die Täter gehen in einer niederträchtigen Art und Weise vor“, sagt der Kriminaloberrat. Die Trickbetrüger führten mehrere Telefonate und brächten die Menschen dazu, Geld der vermeintlichen Polizei zu geben, da es zu Hause oder bei der Bank nicht sicher sei. Polizeisprecherin Rena Bretsch fügt hinzu: „Eine Frau in Ahrensburg hat Betrügern 250.000 Euro bei zwei Treffen übergeben.“

Autos im Wert von 6,8 Millionen Euro gestohlen

Einen enormen Anstieg von 56,9 Prozent verzeichnet die Polizei auch bei Autodiebstählen . 215 Fahrzeuge wurden 2016 gestohlen, 78 mehr als 2016. „Wir haben es hier mit international agierenden Tätern zu tun“, vermutet Hans-Jürgen Köhnke: „Von 59 gefassten Tätern waren 25 Ausländer.“ Diese kämen aus Osteuropa, wohin die Autos auch gebracht würden. Nur jede siebte Tat konnte die Polizei aufklären. „Wir haben bei Autodiebstählen nur wenige Ermittlungsansätze.“ So würden vor allem bei Verkehrskontrollen Täter gefasst. „Immer öfter überwinden Diebe das Keyless-System“, sagt Köhnke. Er meint das schlüssellose System, das überwiegend in hochwertigen Autos verbaut ist. Auf diese haben es die Täter abgesehen. Der Wert der im Kreis gestohlenen Autos liegt bei 6,8 Millionen Euro.

Kriminalität hat in Bargteheide zugenommen

In keiner anderen Stormarner Stadt ist die Kriminalität stärker gesteigen als in Bargteheide. Dort hat die Polizei 1370 Taten erfasst, 21,9 Prozent mehr als 2016. „Der Anstieg lässt sich meist auf Taten im Schulzentrum und im Bereich Traberstieg zurückführen“, erklärt Köhnke. Viele Taten seien dort erfasst worden, weil die Polizei verstärkt vor Ort kontrolliert hat. So sind mit 95 Taten (2016: 57) mehr Drogendelikte registriert worden und mit 50 Fällen fast doppelt so viele Gewalttaten, die über eine einfache Körperverletzung hinausgehen. In den anderen Städten sind die Zahlen fast gleich geblieben, wobei es in Reinbek einen Rückgang um 172 Taten auf 1187 Fälle gab. Das sei größtenteils auf weniger Diebstähle zurückzuführen. „Auffällig in Reinbek und Glinde waren jedoch die Raubstraftaten“, erklärt Köhnke und nennt eine Serie von Tankstellenüberfällen sowie zwei Überfälle auf Frauen in ihren Wohnungen, die dem Beamten im Gedächtnis geblieben sind. „In einem Fall ist der Täter vor kurzem zu 8 Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.“

Ahrensburg bleibt Hochburg der Einbruchskriminalität

Polizeidirektor Jürgen Funk sagt stolz: „Seit zehn Jahren ist dies der niedrigste Wert.“ Er meint damit die Zahl der Einbrüche , die 2017 bei 675 Taten lag, 103 weniger als im Vorjahr. Gestiegen ist die Aufklärungsquote auf 10,8 Prozent (2016: 6,3 Prozent). Damit wurde etwa jeder neunte Einbruch aufgeklärt. Als Grund für diesen positiven Trend sieht die Polizei ihr neues Konzept. Ein Teil davon ist eine bessere Spurensicherung am Tatort. So hätten schon Täter per DNA-Spuren überführt werden können. Kriminellen, die auf frischer Tat gefasst wurden, konnten weitere Taten zuordnet werden. Die meisten Einbrüche gab es wie in den Jahren zuvor in Ahrensburg. Dort wurden 150 Taten und damit 34 weniger als 2016 erfasst. Einen leichten Anstieg gab es in Reinbek mit 84 Taten (2016: 78) sowie in Glinde, wo mit 51 Taten, elf mehr als im Vorjahr erfasst wurden.