Stormarn
Ahrensburg/Bargteheide

So denken Männer über den Weltfrauentag

Fünf Männer, ein Thema (v. l.): René Kenner, Axel Zwingenberger, Horst Schroth, Klaus Plöger und Christopher Kroschke diskutierten im „Söbentein“ über den Frauentag

Fünf Männer, ein Thema (v. l.): René Kenner, Axel Zwingenberger, Horst Schroth, Klaus Plöger und Christopher Kroschke diskutierten im „Söbentein“ über den Frauentag

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Jedes Jahr am 8. März demonstrieren Frauen weltweit für mehr Rechte. Das Abendblatt hat sich einmal bei Stormarnern zum Thema umgehört.

100 Jahre Frauenwahlrecht – die einst wichtigste Forderung der Aktivistinnen, die den Internationalen Frauentag ins Leben gerufen haben, feiert in diesem Jahr Jubiläum. Braucht es den Weltfrauentag überhaupt noch? Und wenn ja, wofür? Das Abendblatt hat sich vor dem heutigen Frauentag bei Männern umgehört und fünf von ihnen zu einem Tresengespräch gebeten. Ein Perspektivwechsel.

In der Debatte um Gleichberechtigung und Emanzipation ist für viele der Männer ein Thema besonders relevant: Zu wenig Frauen in Führungspositionen. „Wir haben es immer noch nicht geschafft, dass in den Aufsichtsräten großer Unternehmen 50 Prozent Frauen sind“, sagt Klaus Plöger, ehemaliger Landrat von Stormarn. Sollte der Weltfrauentag dazu beitragen, dass sich diesbezüglich etwas ändert, finde er das unterstützenswert. Er glaube jedoch weniger daran, sondern plädiert für eine Gesetzgebung, die eine Frauenquote in Unternehmen reguliert.

Kroschke zahlt gleichen Lohn für gleiche Arbeit

Auch der Ahrensburger Jungunternehmer Christopher Kroschke findet, dass mehr Frauen die Möglichkeit haben sollten, in Führungspositionen aufzusteigen, „allerdings mit anderen Mitteln“. Für ihn sei eine Quotenregulierung eine „Geringschätzung derjenigen, die über eine Quote in entsprechende Positionen kommen“. Der Oldesloer Daniel Depner hält den Weltfrauentag für notwendig, um auf die Gleichberechtigung hinzuweisen. „Sie ist leider immer noch nicht überall angekommen“, so der 32-Jährige. Auch er findet, dass beim Thema Frauen in Führungspositionen mehr getan werden müsste. So wie beim Thema Lohngleichheit.

Dieser Aspekt erfährt auch am Tresen im „Söbentein“ von allen Seiten Zustimmung. „Das sollte selbstverständlich sein“, sagt Kabarettist Horst Schroth. „Deswegen verstehe ich auch, dass Frauen auf die Straße gehen und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit fordern.“ Auch Kroschke meint, bezüglich der Tatsache, dass Frauen in vielen Branchen für die gleiche Arbeit weniger Lohn bekommen als Männer: „Das ist ein Unding. Wer das gutheißt, der lebt in einer anderen Zeit.“ Er handhabe das in seinem Betrieb anders. „Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass nach Leistung bezahlt wird und nicht danach, ob jemand männlich oder weiblich ist, oder auch welcher Nationalität jemand ist. Das ist total irrelevant.“

Unterschiedliche Meinungen zum Thema Kinderbetreuung

Unterschiedliche Meinungen gibt es zum Thema Kinderbetreuung. Entscheiden sich alle Frauen freiwillig dazu, Zuhause zu bleiben? Christopher Kroschke sagt: „Viele entscheiden sich tatsächlich bewusst für Familie und für einen eher klassischen Lebensstil.“ Das sieht auch René Kenner, Manager des Hotels am Schloss Ahrensburg, so und spricht aus eigener Erfahrung. Obwohl seine Frau und er den gleichen beruflichen Werdegang hatten, habe es für seine Partnerin bei der Familienplanung nicht zur Debatte gestanden, die Betreuung der Kinder zu übernehmen.

Klaus Plöger hingegen sagt, viele machten es sich mit dieser Sichtweise, dass Frauen sich häufig freiwillig für die Familie und gegen Karriere entscheiden, zu leicht. „Das tun sie aufgrund der Rahmenbedingungen.“ Insofern müsse „diese Ungleichheit im Interesse der Gesellschaft“ behoben werden. Auch bezogen auf den Fachkräftemangel. „Der Tipp an die Chefs in den Unternehmen ist, nicht nur zu jammern, dass sie keine Leute kriegen, sondern auch einmal zu gucken, wo die Ressourcen sind.“ Für ihn komme es darauf an, die Rahmenbedingungen für Frauen zu verbessern. Als Beispiele führt er Betriebskindergärten, flexiblere Arbeitszeiten bezogen auf Kinder, und geregelte Übergangszeiten für die Rückkehr in den Beruf nach der Entbindung an. „Ich glaube, es gibt genug kreative Möglichkeiten, die Potentiale in die Zukunft zu übertragen, die schon da sind.“ Christopher Kroschke sagt, gerade mittlere und kleine Unternehmen müssten jedoch bezogen auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen mehr politische Unterstützung erfahren. Kabarettist Schroth: „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, trotzdem ist es die Frau, die entscheidet. Die Frau bekommt nun einmal die Kinder. Und das ist eine verdammt schwierige Angelegenheit. Wenn es einfach wäre, würden wir Männer das machen.“

Ist der Weltfrauentag sinnvoll?

Neben den genannten Aspekten habe auch die „MeToo“-Debatte gezeigt, dass in Sachen Gleichberechtigung noch längst nicht alles gut sei, sagt der IT-Experte Depner aus Bad Oldesloe. Schroth betont in diesem Zusammenhang: „Frauen haben ein Recht darauf, sich in dieser Welt angstfrei bewegen zu können.“ Und auch Ex-Landrat Plöger merkt an: „Wenn ich mir angucke, wie viele Männer in völlig unpassender Weise mit Frauen umgegangen sind, was da in der Grundhaltung hochkommt. Wenn nur ein Zehntel davon stimmt, ist das doch schon zu heftig.“

Braucht es den Weltfrauentag, um ein Bewusstsein für diese Themen zu schaffen? Sebastian Marten aus Großhansdorf findet das nicht. „Ein Frauentag stärkt eher die Ungleichheit.“ Für ihn sei „täglich gelebte Gleichberechtigung“ wichtiger. Für den Bargteheider Christian Jung ist die Gleichberechtigung von Männern und Frauen dagegen bereits erreicht. Trotzdem hält er den Tag für sinnvoll, „um an die Vergangenheit zu erinnern, als es noch nicht so war“. Der 34-Jährige fordert zur Gleichbehandlung aber auch einen „Männertag“. „Männer und Frauen haben unterschiedliche Bedürfnisse“, sagt der Fachinformatiker. „Das könnte man auf diese Weise auch mal wertschätzen.“

Pastor Steffen Paar: Weltfrauentag hat seine Berechtigung

Dieter Marten aus Großhansdorf findet ebenfalls, dass es auch einen Männertag geben sollte. Boogie-Woogie-Pianist Axel Zwingenberger weist darauf hin, dass es den Tag bereits gäbe. „Das zeigt doch, dass der Weltfrauentag tatsächlich noch eine besondere Bedeutung hat, weil man weiß, dass es den gibt. Dass es den Weltmännertag gibt, weiß man nicht.“ Auch dass der Frauentag schon seit über 100 Jahren besteht, zeige, dass „die Themen nach wie vor auf der Seele brennen“. Kabarettist Schroth glaubt, dass der Tag nicht wichtig sei. Wichtig sei hingegen, „dass wir nicht aufhören mit der Diskussion. Und dass wir die Ideen im Kopf haben“.

Steffen Paar, Pastor aus Sülfeld, erlebt nach eigenem Empfinden „viele engagierte und tatkräftige Frauen, die es jedoch in der hiesigen ländlichen und traditionell geprägten Region schwerer haben, selbstbestimmt und abseits von festen Rollenzuschreibungen zu leben“. Der Internationale Frauentag habe somit seine Berechtigung, da er der Welt den Spiegel bezogen auf „die Benachteiligungen, die Frauen auf der ganzen Welt aufgrund ihres Geschlechts bis heute erleiden“ vorhält. Dennoch „bringen Tage wie dieser allein nichts, wenn es nicht Männer wie Frauen gibt, die dafür arbeiten und einstehen, dass es nur ein soziales Geschlecht gibt, nämlich den Menschen an und für sich.“

Rüdiger Nehberg kämpft seit Jahren für Frauenrechte

Rüdiger Nehberg, der sich mit der von ihm gegründeten Menschenrechtsorganisation TARGET e.V. seit vielen Jahren weltweit gegen weibliche Genitalverstümmelung einsetzt, sagt: „Durch unseren Einsatz haben wir hier im schleswig-holsteinischen Rausdorf jeden Tag Weltfrauentag.“ Horst Schroth glaubt, „dass die Probleme, die die Frauen hier haben – die sie ja zweifellos haben – Luxusprobleme sind, verglichen mit den Frauen in anderen Ländern.“ In Deutschland habe sich bezogen auf die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen schon viel bewegt, sagt auch Klaus Plöger. „Aber wir sind bei Weitem nicht da, wo wir hinmüssen.“ Gleichberechtigung müsse jedoch für beide Geschlechter gelten.

So müsse es beispielsweise auch möglich sein, dass Männer Gleichstellungsbeauftragte werden können, sagt der Ahrensburger Horst Schroth. Laut Gesetz sei das jedoch den Frauen vorbehalten, wirft Ex-Landrat Plöger ein. „Wie kann das sein? Wieso kann ein Gleichstellungsbeauftragter nicht auch ein Mann sein?“, fragt Christopher Kroschke. Vielleicht könnten die Frauen darüber am Weltmännertag diskutieren.