Luftqualität

Stormarn schließt Diesel-Fahrverbote aus

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Harald Klix

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An einziger Messstation in Glinde liegt die Stickstoffdioxid-Konzentration unter dem Grenzwert. Beantragen Städte weitere Kontrollen?

Ahrensburg/Glinde.  Die gut 50.000 Stormarner mit Dieselautos müssen in ihrem Heimatkreis nicht mit Fahrverboten rechnen. Zurzeit gibt es keine Hinweise auf besorgniserregende Schadstoffbelastungen an Straßen zwischen Reinbek im Süden und Reinfeld im Norden. Allerdings wird seit 2013 auch nur eine einzige Strecke in Stormarn kontrolliert: die Möllner Landstraße in Glinde im Bereich der Sandweg-Kreuzungen.

„Die Konzentrationen für Stickstoffdioxid liegen im Jahr 2017 dort an allen drei Messpunkten unter dem Grenzwert“, sagt Martin Schmidt, Sprecher im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), das dem Landesumweltministerium direkt angegliedert ist. Im Vorjahr sei – wie an vielen anderen Messstellen im Norden – auch in Glinde ein Rückgang der Belastung zu beobachten gewesen. Die Hauptursache für Stickstoffdioxid (NO2) sind Dieselabgase.

Der Grenzwert für das Gas, das unter anderem Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen oder verschlimmern kann, liegt laut EU-Richtlinie bei 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Bis 2012 schwankten die Glinder Ergebnisse um diesen Wert. Jetzt liegen sie darunter.

Zwei Kriterien: Viel Verkehr und sehr enge Wohnbebauung

Die genauen Daten ab 2013 will die Behörde in einem Abschlussbericht zu Luftschadstoffmessungen nennen, der voraussichtlich in diesem Monat erscheint. Auch beim giftigen Benzol lägen die neuen Zahlen für Glinde deutlich unter dem Grenzwert von fünf Mikrogramm/Kubikmeter. Bis 2012 waren es auch nur zwischen 1,0 und 1,4 Mikrogramm gewesen.

Das LLUR überwacht die Luftqualität in Schleswig-Holstein mit 18 festen Messstationen und einer Reihe von mobilen Anlagen, sogenannten Passivsammlern. Der einzige feste Container in Stormarn steht in Barsbüttel abseits von Häusern und Verkehr an der Willinghusener Landstraße/Ecke Mühlenhoops Weg und misst seit 2010 ausschließlich Ozon. Für Stickoxide ist der Standort nicht relevant.

In Glinde wurden Passivsammler installiert: Sie enthalten Röhrchen mit einem speziellen Filtermaterial, die jeden Monat ausgetauscht und anschließend im Labor analysiert werden. „Bei den Ergebnissen kann es durchaus stärkere monatliche Schwankungen geben, die auch am Wetter liegen“, sagt Martin Schmidt. Am Ende stehe ein aussagekräftiger Jahresmittelwert.

Wo überall gemessen wird, entscheiden zunächst die Experten. „Grundsätzlich kommen Straßen mit einer starken Verkehrsbelastung und sehr enger Wohnbebauung in Betracht“, sagt Martin Schmidt. Dazu zählen zum Beispiel der Kieler Theodor-Heuss-Ring (im Schnitt 90.000 Fahrzeuge täglich), wo ein Fahrverbot für Dieselautos geprüft wird, und die Ohechaussee in Norderstedt, wo der NO2-Jahreswert gerade auf 39 Mikrogramm gefallen ist.

Zahl der Fahrzeuge im Kreis ist auf rund 181.000 gestiegen

Mit steigender Entfernung zur Fahrbahn nehmen die Stickoxidkonzentrationen laut Fachleuten sehr schnell ab. Große Straßenschluchten gibt es in Stormarn zwar nicht, allerdings hat der Verkehr stark zugenommen. 2003 waren im Kreis knapp 159.000 Fahrzeuge zugelassen, 2010 bereits fast 163.000. Aktuell sind es rund 181.000.

Sollten Kommunen schlechte Luft an ihren Hauptstraßen ausmachen, können sie sich an das LLUR wenden. „Bei Hinweisen prüfen wir, ob die Voraussetzungen für Messungen gegeben sind“, sagt Martin Schmidt. Eigene Untersuchungen von Städten seien wenig sinnvoll, da zum einen die Technik vorhanden sein müsse und auch die Auswertung kompliziert sei.

Für die Bargteheider Klimaschutzmanagerin Ulrike Lenz sind Messungen ein interessantes Angebot. „Es wäre spannend zu erfahren, wie hoch die Belastung aktuell ist“, sagt sie. Zuletzt war vor 14 Jahren in der Rathausstraße kontrolliert worden. Doch mittlerweile stauen sich die Autos fast täglich morgens und abends im Berufsverkehr auf der Ortsdurchfahrt. Bessere Luftqualität sei auch für die Stadt ein Ziel. „Um das zu erreichen, ist vor allem eins sinnvoll: Autoverkehr zu vermeiden“, sagt Lenz.

In Ahrensburg wurde sechs Jahre an der Hamburger Straße gemessen

In Ahrensburg zählt die sogenannte AOK-Kreuzung in der Innenstadt mit bis zu 30.000 Fahrzeugen täglich zu den Verkehrsknotenpunkten. „Momentan gibt es zu dem Thema aber weder auf politischer noch auf Verwaltungsebene Initiativen“, sagt Rathaussprecher Thorsten Jahncke dazu. Da die Messungen an der Hamburger Straße von 2006 bis 2012 kontinuierlich unter dem Grenzwert lagen, seien die Messungen eingestellt worden.

Aufgrund der neuen Zahlen für die Möllner Landstraße sieht auch der Glinder Bürgermeister Rainhard Zug die Debatte um Fahrverbote gelassen. Aktuelle gebe es keinen Anlass für Überlegungen in diese Richtung.

Ähnlich beurteilt Isa Reher, Klimaschutzmanagerin bei der Stormarner Kreisverwaltung in Bad Oldesloe, die Situation. „Im Land zwischen den Meeren haben wir ja ständig Wind, da ist die Wetterlage ganz anderes als zum Beispiel in Ballungsgebieten“, sagt sie. Fahrverbote würden das Problem ohnehin nur in andere Straßen verlagern. Besser sei es, die Elektromobilität, den öffentlichen Nahverkehr und Fahrradwege zu fördern.

Laut Landesumweltministerium geht auch von den vielen Autobahnen, die den Kreis Stormarn durchziehen, keine außerordentliche Belastung für die Bewohner aus. Aufgrund „der guten Durchlüftung“ trügen A 1, A 20, A 21 und A 24 kaum zu den Schadstoffimmissionen in ihrem Umfeld bei.

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