Stormarn
Politischer Nachwuchs

Lütjensee: So lernt Stormarns Jugend Demokratie

Anna Schmalowski (v. l.), Waldemar Stange von der Uni Lüneburg, Julia Jastrembski, Klaus Meeder, Annkatrin Wulf und Stefan Kühl

Anna Schmalowski (v. l.), Waldemar Stange von der Uni Lüneburg, Julia Jastrembski, Klaus Meeder, Annkatrin Wulf und Stefan Kühl

Foto: Finn Fischer / HA

PartizipAction soll politisches Bewusstsein junger Stormarner stärken. Zunehmend schwieriger, Jugendliche für Politik zu begeistern.

Lütjensee.  Politischer Nachwuchs ist wichtig für die Demokratie. In Lütjensee trafen sich am Wochenende Jungpolitiker, um ihre Stimme in Gemeindeparlamenten zu stärken. „PartizipAction“ heißt das Forum für Kinder- und Jugendbeiräte in Schleswig-Holstein, das vom Sozialministerium, dem Kreisjugendring Stormarn (KjR) und der Kinder- und Jugendarbeit Ahrensburg organisiert wird.

Neben Workshops ging es in Lütjensee auch um die Frage, wie Jugendliche für die politische Arbeit gewonnen werden können. Bei der jüngsten landesweiten Wahl der Kinder- und Jugendbeiräte gab es oft mehr Plätze als Kandidaten. „Es ist spannend, sich mit Jugendlichen aus anderen Städten auszutauschen“, sagte Lennard Hamelberg. Der 15-Jährige ist Mitglied des neu gewählten Kinder- und Jugendbeirates in Bad Oldesloe und einer der 24 Projekt-Teilnehmer. Er erarbeitete in einem der Workshops mit Unterstützung von Merlin Marinova aus dem Elmshorner Beirat ein Konzept für eine Infoveranstaltung zur Kommunalwahl im Mai: „Wir wollen erklären, warum wählen gehen wichtig ist.“

In Bad Oldesloe gab es jahrelang keinen Jugendbeirat

In der politischen Beteiligung von Kindern- und Jugendlichen nimmt das Land bundesweit eine Führungsrolle ein. Doch auch hier ist es zunehmend schwieriger, junge Menschen für die politische Arbeit zu begeistern. Das wird am Oldesloer Beispiel deutlich. In Stormarns Kreisstadt gab es mehrere Jahre keinen Jugendbeirat, nachdem sich die Mitglieder in ihrer Arbeit nicht genügend unterstützt sahen.

Die Beteiligung Jugendlicher sei lebenswichtig für die Demokratie, wie Professor Waldemar Stange von der Universität Lüneburg sagte. „Wer früh an politischen Prozessen beteiligt wird, ist später weniger empfänglich für rechtsextremes Gedankengut“, so der Sozialpädagoge und Erziehungswissenschaftler, der das „PartizipAction“-Projekt begleitet. Seit 2017 werden die Kinder- und Jugendbeiräte landesweit an einem einheitlichen Termin gewählt. „Damit wollten wir mehr Aufmerksamkeit schaffen“, sagt Stefan Kühl, Vorsitzender des KjR. Doch politisches Interesse müsse auch in der Schule geweckt werden. „Sogar viele Erwachsene wissen nicht, wie Kommunalpolitik funktioniert und glauben, der Bürgermeister wäre eine Art König, der alles entscheidet“, sagt Kühl. Das wundere ihn nicht. An vielen Schulen lasse sich Politik abwählen: „Einige kommen damit in ihrer ganzen Schulzeit nicht in Kontakt.“

Auch Klaus Meeder vom Sozialministerium sieht die Schulen in der Pflicht: „Viele Kinder und Jugendliche halten Schule für einen demokratiefreien Raum, in der die Wünsche der Schüler nicht ernst genommen werden.“ Das schlage sich auf das Interesse an politischer Beteiligung nieder: „Es ist wichtig, dass sich Erwachsene und Jugendliche auf Augenhöhe begegnen.“ Ein wichtiges Zeichen sei, dass die neue Landesregierung den Stellenwert von Jugendbeteiligung in den Koalitionsvertrag aufgenommen habe.