Stormarn
Bad Oldesloe

Eine stimmgewaltige Familie in musikalischer Höchstform

Ein Trio wie aus einem Guss: Jack Hodian (v. l.), Bet Williams und John Hodian verstehen sich auf der Bühne nicht nur bei Improvisationen intuitiv

Ein Trio wie aus einem Guss: Jack Hodian (v. l.), Bet Williams und John Hodian verstehen sich auf der Bühne nicht nur bei Improvisationen intuitiv

Foto: Elvira Nickmann / HA

Kritik der Woche: Epiphany 3 begeistern im Oldesloer „Bella Donna Haus“ mit Können, inspirierenden Klängen und ungewöhnlichen Stücken.

Bad Oldesloe.  „Wir sind glücklich, hier in Bad Oldesloe zu sein“, sagt Sängerin und Gitarristin Bet Williams auf Deutsch zu Beginn des Konzerts der Gruppe Epiphany 3 im Oldesloer „Bella Donna Haus“ am Freitagabend. Ein großes Lob für eine wenig spektakuläre Station auf einer Tour, die sie mit Mann und Sohn gerade erst von New York nach Island geführt hat.

Eine der vielen Besonderheiten der Gruppe ist, dass sie im Familienverband musiziert. Eine weitere, dass sie auch kleine Veranstaltungsorte wie diesen zu schätzen weiß, weil Dialog mit dem Publikum hier viel direkter ist als bei großen. Denn schnell wird klar: Diese amerikanisch-armenische Band könnte mühelos großere Säle füllen, denn sie verfügt über ein hohes Maß an Können und zieht ihr Publikum vom ersten Moment an in ihren Bann.

Bet Williams setzt Stimme auf ungewöhnliche Art ein

Ein Grund ist die von Kritikern viel gelobte Stimme Bet Williams’, die gleichermaßen betörend und kraftvoll über vier Oktaven hin- und herspringt und mit faszinierender Leichtigkeit die unglaublichsten Melodien hervorbringt. Währenddessen beugt sich ihr Mann John Hodian über sein E-Piano. Er spielt so vertieft und hingebungsvoll mit teilweise geschlossenen Augen, dass es nach jedem Song wirkt, als erwache er kurz aus einem Traum, um gleich mit dem nächsten Stück wieder in einer Welt aus Klängen zu versinken.

Unterstützt durch ihren 14-jährigen Sohn Jack an den Drums gelingt es dem Paar, Einflüsse aus verschiedenen Genres wie Folk, Blues, Rock, Klassik, Jazz und traditionellen armenischen Stücken in temperamentvolle und ergreifende Songs zu übersetzen. Gesungen wird auf Englisch und Armenisch, Letzteres bei den von John Hodian ursprünglich für das armenische Naghash Ensemble komponierten Stücken, die auf den Texten des mittelalterlichen armenischen Dichters und Priesters Mkrtich Naghash basieren.

Einige Zuhörer hält es nicht länger auf den Plätzen

Die musikalische Harmonie auf der Bühne trägt dazu bei, dass das Spiel der drei Künstler wie aus einer einzigen inspirierenden Quelle gespeist wirkt. „It’s a pleasure to play with your family“ („Es ist eine Freude, mit deiner Familie zu spielen“), gesteht Bet Williams denn auch zwischen zwei Songs.

Jedes Stück ist neu und überraschend, Stile wechseln in Windeseile. Die Musik von Epiphany 3 in eine Schublade zu stecken, erweist sich als schwierig, am ehesten passend erscheint das Etikett Weltmusik. Benennung ist das eine, Begeisterung der Besucher das andere.

Einige Konzertbesucher hält es im „Bella Donna Haus“ nicht mehr auf den Plätzen, sie stehen auf und beginnen zu tanzen. Oder wie Zuhörer Gerhard Mei formuliert: „Es ist eine ungewöhnliche Musik, die man sonst nicht zu hören bekommt. Die drei Musiker bilden eine Einheit. In Berlin gilt die Band bereits als Geheimtipp.“ Und jetzt auch in Bad Oldesloe.