Stormarn
Spender gesucht

Leukämie: Stormarner starten Typisierungsaktion für Till

Tills ehemalige Mitschüler (vorn v. l.) Lea Beckmann und Maximilian Grupe sowie Lehrerin Christiana von Kirchbach bitten um Unterstützung

Tills ehemalige Mitschüler (vorn v. l.) Lea Beckmann und Maximilian Grupe sowie Lehrerin Christiana von Kirchbach bitten um Unterstützung

Foto: Pelle Kohrs / HA

Die von ehemaligen Mitschülern und Lehrern organisierte Aktion soll den 18-Jährigen retten. Er braucht dringend einen Spender.

Barsbüttel.  Es war Silvester, als Till ins Krankenhaus eingeliefert wurde. An dem Tag, den er für gewöhnlich zusammen mit seinen engsten Freunden feiert, erfuhr der 18-Jährige, dass er schwer erkrankt ist. Akute Leukämie diagnostizierten die Ärzte dem Jugendlichen – Blutkrebs an der Schwelle zum Erwachsensein. Eine schreckliche Nachricht, die Till und seine Eltern noch dazu völlig unerwartet traf – wegen der Symptome hatten sie eine Magen-Darm-Grippe vermutet.

In der Klinik begann für Till umgehend eine Chemotherapie. Seitdem befindet sich der Junge aus Stapelfeld in Dauerbehandlung. Inzwischen steht fest, dass der Krebs allein mit Medikamenten nicht zu besiegen ist – Till braucht einen Stammzellspender. Bislang verlief die Suche nach einem genetischen Zwilling in den weltweiten Datenbanken ohne Erfolg. Deswegen rufen ehemalige Mitschüler und Lehrer von Till dazu auf, sich bei einer Typisierungsaktion am Freitag, 9. März, als Spender registrieren zu lassen.

Schüler und Lehrer bauen auf die Hilfe vieler Menschen

Sechs Jahre lang hat Till mit Lea Beckmann und Maximilian Grupe die Erich-Kästner-Schule in Barsbüttel besucht. Dort machte der angehende Speditionskaufmann seinen Realschulabschluss. Dort geht auch die Spendenaktion über die Bühne. Lea und Maximilian besuchen in der Gemeinschaftsschule die zwölfte Klasse. Mit ihrem ehemaligen Mitschüler sind sie immer noch befreundet. Von seiner Erkrankung haben sie früh erfahren.

„Als Till an Silvester die Party abgesagt hat, haben wir uns schon gewundert“, sagt Maximilian. Denn eigentlich sei der 18-Jährige nicht der Typ, der oft krank wird. „Später hat er uns von der Diagnose geschrieben.“ Nach Feiern sei der Gruppe dann nicht mehr zumute gewesen. Trotzdem blieben die Jugendlichen optimistisch. Maximilian sagt: „Wir haben gehofft, dass schnell ein Spender gefunden wird.“

Lehrerin initiierte die Typisierungsaktion

Genau dieser Fall ist bisher leider nicht eingetreten. Deswegen organisiert Tills ehemalige Klasse nun die Typisierungsaktion. Die Idee dazu hatte Lehrerin Christiane von Kirchbach, die Till viele Jahre lang unterrichtete. „Ich hab’ die Schüler gefragt, ob sie bereit wären, mir dabei zu helfen“, sagt die Pädagogin. Allein sei die Planung einer solchen Aktion nämlich nicht zu schaffen. „Sie haben nicht eine Sekunde gezögert.“

Auch weitere Lehrer und viele Eltern sind an der Organisation beteiligt. Zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) setzt die Gruppe alle Hebel in Bewegung, um möglichst viele Menschen dazu zu bringen, an der Aktion teilzunehmen. „Die Schüler verteilen Flyer, sammeln Spenden und kümmern sich um Helfer“, sagt von Kirchbach. „Sie sind wahnsinnig engagiert.“ Für Lea Beckmann ist das selbstverständlich. „Till hat sein Leben noch vor sich“, sagt die 18-Jährige, die anfangs, wie viele ihrer Mitschüler auch, angesichts der Diagnose ihres Freundes eine Art Hilflosigkeit verspürt habe. „Es ist schön, wenn wir helfen können.“

Aufruf wurde auch in sozialen Netzwerken geteilt

Derzeit darf Till seine Station im Krankenhaus nicht verlassen. Seine Werte sind zu schlecht. Damit ihm nicht langweilig wird, besuchen ihn seine Freunde regelmäßig. „Er macht das Beste aus der Situation“, sagt Maximilian. Auch seinen Humor habe Till nicht verloren. „Neulich hat er gescherzt, dass es schön ist, endlich berühmt zu sein“, sagt Maximilian und lacht. „Sein Bild ist ja zurzeit überall zu sehen.“

Tatsächlich hat der Aufruf zur Spendenaktion schon viele Menschen erreicht, wurde etwa auf Facebook oft geteilt. „Die Frage ist aber, wie viele am Ende wirklich vorbeikommen, um sich registrieren zu lassen“ sagt Christiane von Kirchbach. Die Lehrerin appelliert an die Öffentlichkeit, die Aktion zu unterstützen. Sie sagt: „Jeder Einzelne könnte ein Lebensretter sein.“

Und jeder Einzelne könnte dafür sorgen, dass Till bald wieder Zeit mit seiner Clique verbringen kann. „Im Sommer 2017 hatte ein Kumpel von uns zwei Wochen lang sturmfrei“, erzählt Maximilian. Die Freunde verbrachte die gesamte Zeit zusammen in dem elternfreien Haus, lachten, feierten und zelteten im Garten. „Das Ganze haben wir dann Sommercamp genannt.“ In diesem Jahr möchten die Jugendlichen den Spaß unbedingt wiederholen – und wünschen sich dafür nichts sehnlicher, als Till an ihrer Seite zu wissen.