Stormarn
Lübeck/Reinbek

Axtmord-Prozess: Beschuldigter bot sich Merkel als V-Mann an

Der Prozess wird von einem großen Medieninteresse begleitet

Der Prozess wird von einem großen Medieninteresse begleitet

Foto: Dorothea Benedikt / HA

32-Jähriger soll seinen Stiefvater erschlagen haben. Zeugen berichten von wirren Dokumenten des psychisch kranken Mannes.

Lübeck/Reinbek.  Scientologen-Verschwörung, Arbeit als V-Mann, Notizen mit Geheimzugängen zur Botschaft – das Protokoll seiner Vernehmung wirkt, als habe jemand allerlei Agenten-Romane und Verschwörungstheorien zu einer Geschichte zusammengedichtet. Doch statt die Welt vor fremden Mächten zu retten, sitzt Felix B., der unter einer psychischen Krankheit leidet, vor dem Lübecker Landgericht.

Mit mehr als einem Dutzend Axtschlägen soll der 32-Jährige wie im Blutrausch den Lebensgefährten seiner Mutter umgebracht haben. Die Tat ereignete sich im August 2017. Es war ein warmer Sommertag. Gunnar G. hatte einige Tage zuvor den Garten des großen Hauses in Reinbek auf Vordermann gebracht. Vermutlich ahnte der Reinbeker nichts von der Gefahr, nachdem er den Hund fütterte und nach draußen ging. Dann wurde Gunnar G. von hinten erschlagen, mit einer Axt. „Es handelte sich um schwerste Gewalteinwirkung“, beschreibt die Sachverständige Dr. Ivana Gerling im Prozess den Zustand der Leiche. Der 65-Jährige hatte keine Chance: „Eine einzige Verletzung wäre wohl schon tödlich gewesen“, sagt die Gerichtsmedizinerin. Sie zählte 14 Hiebe. Doch es werden wohl noch mehr gewesen sein.

Mutter warnte die Behörden mehrfach vor ihrem Sohn

Für den Tod verantwortlich – dafür sprechen die Fakten – ist Felix B., Sohn der Lebensgefährtin des Opfers. Er leidet an paranoider Schizophrenie . Obwohl seine Mutter die Behörden mehrfach vor ihrem kranken und gefährlichen Sohn warnte, konnte B. sich offenbar unbehelligt seinen Wahnvorstellungen hingeben. Durch den mentalen Zustand gilt er als nicht schuldfähig. Das Gericht entscheidet also nicht über eine Strafe, sondern über die Einweisung in eine forensische Psychiatrie.

Am zweiten Verhandlungstag hörte das Landgericht mehrere Polizisten an, die nach der Tat an der Suche nach B. beteiligt waren. Dieser konnte tags darauf am Allermöher See gestellt werden. Er trug einen Nadelstreifenanzug und murmelte Unverständliches.

In einer Reisetasche fand sich ein wirres Schreiben

Ein Zeuge meldete außerdem eine Beobachtung, nach der eine Person eine Reisetasche in einem Gebüsch versteckte. Wie sich herausstellte, gehörte sie Felix B. Der Inhalt der Tasche lässt tief in den Geisteszustand des 32-Jährigen blicken. Neben einem Laptop und einem Blackberry-Smartphone fanden die Beamten auch diverse Zettel – unter anderem einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In dem Schriftstück erklärt „Chief Security Officer Felix Microb“ – so sein Deckname – die „Operation Fredstone“ für beendet. In dem wirren Schreiben bietet B. seine Dienste als V-Mann an, um „die Hilfsgötter ins Gefängnis zu bringen“. Diese würden, so gab es B. in seiner Vernehmung zu Protokoll, die Menschen verfolgen und müssten weggesperrt werden.

Felix B. fühlte sich von der Scientology-Sekte verfolgt

Nach dem Job wolle er aussteigen, heißt es in dem Brief an die Kanzlerin weiter. Um in seine Heimat Israel zu gelangen, brauche er allerdings eine neue Identität, Pass und Ausweis. Wie weit B.s Wahnvorstellungen gingen, zeigt sich in der Konsequenz seiner Handlungen. So hatte der gebürtige Berliner offenbar tatsächlich geplant, sich neue Dokumente zu beschaffen.

In der Reisetasche fanden die Beamten auch mehrere Notizen wie „Geheimzugang zur Botschaft“, oder „Scientology-Mitglieder in Hamburg, Berlin, SH und Niedersachsen“. Von der Sekte fühlt B. sich verfolgt.

Die Verhandlung wird am 6. März fortgesetzt. Dann ist unter anderem die Mutter von Felix B. als Zeugin geladen. Sie hatte der Polizei nach der Tat sofort gesagt: „Suchen Sie meinen Sohn, er ist der Täter.“