Stormarn
Wildes Tier

Ministerium bestätigt: Wolf auf dem Lütjensee

Ein Wolf überquert den verschneiten Lütjensee, die Aufnahme machte Claudia Retter aus dem Restaurant

Ein Wolf überquert den verschneiten Lütjensee, die Aufnahme machte Claudia Retter aus dem Restaurant

Foto: Claudia Retter

Restaurantchefin Claudia Retter filmt das Tier beim Überqueren des Gewässers. Für Experten ist das Video ein „eindeutiger Nachweis“.

Lütjensee.  Jetzt ist es offiziell: Bei dem Tier, das am Montagvormittag beim Überqueren des Lütjensees gefilmt wurde, handelt es sich tatsächlich um einen Wolf. Die Videoaufnahmen ließen „eine eindeutige Bestimmung“ durch den für Schleswig-Holstein zuständigen Experten Norman Stier von der Technischen Universität Dresden zu, heißt es aus dem Umweltministerium in Kiel. „Die Beobachtung konnte der Kategorie C1 ,eindeutiger Nachweis’ zugeordnet werden“, sagte Sprecherin Jana Ohlhoff dem Abendblatt.

Zum 52. Mal seit 2007 wurde damit ein Wolf in Schleswig-Holstein nachgewiesen. In Stormarn sind die Tiere bislang allerdings selten gesehen worden – Experten zufolge auch wegen des hohen Verkehrsaufkommens im Kreis und der vielen Menschen. 2014 erfasste ein Auto auf der A 24 bei Witzhave einen Wolf. 2013 war bereits ein Artgenosse auf der A 1 bei Siek überfahren worden.

Als sie aus dem Fesnter blickt, traut sie ihren Augen kaum

Auf dem Lütjensee konnte der Wolf für ungefähr fünf Minuten beobachtet werden – von Claudia Retter, die mit ihrem Mann Gerhard das Restaurant Fischerklause am Seeufer betreibt. Als sie am Montagvormittag ihren Blick aus einem Fenster des Restaurants schweifen lässt, traut sie ihren Augen kaum. Ein großes Tier läuft gegen 9.30 Uhr mitten über den schneebedeckten und zugefrorenen Lütjensee. „Für einen Fuchs war es zu groß“, sagt sie. Die Restaurantchefin ist schnell davon überzeugt, dass sie es mit einem Wolf zu tun hat. „Ich habe dann gleich mein Handy gezückt und zwei Videos gemacht.“

Das Tier habe in etwa 100 bis 200 Metern Entfernung den See gekreuzt. Es sei dann aber wieder zurückgelaufen und schließlich in dem Waldstück verschwunden, aus dem es gekommen war. „Ich hatte keine Angst oder Panik, sondern war nur sehr überrascht“, sagt sie. „Es war ein schöner Anblick.“ Die Videos zeigen, wie sich das Tier immer wieder nach hinten und zur Seite umblickt. Fast so, als hätte es das Gefühl, verfolgt zu werden.

Wolfsbetreuer war zuvor zum See geschickt worden

„Ich war erstaunt, wie groß der Wolf war – selbst auf die Entfernung“, sagt Claudia Retter. Sie meldete ihre Sichtung dem Wolfsmonitoring Schleswig-Holstein. Das zuständige Umweltministerium in Kiel beauftragte daraufhin einen Fachexperten mit der Aufgabe, zu klären, ob es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelt. Das Ergebnis ist laut Ministerium eindeutig.

Auch ein Wolfsbetreuer war zuvor zum Lütjensee geschickt worden , um Spuren zu sichern. „Es ist generell nicht unwahrscheinlich, in dieser Gegend Wölfe zu sehen“, sagt Gunther Esther. Der Wentorfer schaute sich die Pfotenabdrücke auf dem Gewässer an und verfolgte sie bis in den Wald hinein. „Meine Tendenz geht zum Wolf“, sagte er danach dem Abendblatt.

Die Tiere trauen sich immer näher an die Häuser heran

Jetzt sei die Jahreszeit, in der die Jungwölfe von ihrem Rudel weggetrieben würden. „Wenn sie etwa zwei Jahre alt sind, schicken die Leitwölfe sie auf die Reise“, sagt Esther. Das Tier sei vermutlich aus südlicher Richtung über die Elbe gekommen und versuche nun, weiter nach Norden zu gelangen.

Im Internet verbreiteten sich die Videos von Claudia Retter in Windeseile. Auch Kai Schubert, Jäger aus Trittau, bekam die Aufnahmen zugeschickt. Die Sichtung überrascht ihn nicht. „Die Wölfe trauen sich immer näher an die Besiedlung heran, weil sie sehen, dass ihnen nichts passiert“, sagt Schubert. Er selbst habe im Mai vergangenen Jahres zur Mittagszeit einen Wolf in Grönwohld gesehen. „Der hat überhaupt keine Scheu gezeigt. Ich konnte bis auf 30 oder 40 Meter herangehen.“

Schubert ist der Ansicht, dass der Kreis Stormarn für Wölfe keinen optimalen Lebensraum bietet. „Er braucht weite Streifgebiete. Die haben wir hier weniger.“ Zudem gebe es viele Unfallgefahren. „Die Frage ist auch, wie die Bevölkerung damit umgeht, dass der Wolf so nah an die Häuser herankommt“, sagt er. Der Trittauer befürchtet, dass dies bei den Menschen Ängste auslösen könnte. Aus Lütjensee waren gestern unterschiedliche Stimmungen zu vernehmen – von besorgt bis entspannt.