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Ahrensburgs Musicalschüler lassen den Alltag hinter sich

Leichtfüßig, aber mit Energie: Schulleiterin Jacqui Dunnley-Wendt zeigt den jungen Adepten eine kleine Schrittkombination

Leichtfüßig, aber mit Energie: Schulleiterin Jacqui Dunnley-Wendt zeigt den jungen Adepten eine kleine Schrittkombination

Foto: Sebastian Knorr / HA

Serie Stormarns Theatermacher: Menschen vor und hinter der Bühne. Heute: in der Musical-Schule Ahrensburg gibt die Musik den Takt vor.

Ahrensburg.  Das „La La Land“ von Ahrensburg liegt im Gewerbegebiet beim Bahnhof am Ende der Bogenstraße, Hausnummer 47. Hinter einer Fensterfront aus Glassteinen ist der große Saal der Musicalschule der Schlossstadt. Ein Tanzboden ist verlegt, E-Piano und Musikanlage stehen bereit. 13 junge Erwachsene schlüpfen im Nebenraum noch schnell in Tanzschuhe und komfortable Sportkleidung, dann beginnt die Stunde – das Licht geht an.

Wer den Film „La La Land“ gesehen hat, ahnt, was folgt: Bereits die Anfangsszene des mit sechs Oscars prämierten Blockbusters beweist eindrucksvoll, wie selbst der ödeste Alltag im Musical zum Ereignis werden kann. Aus einem Highway-Stau Richtung Los Angeles (Spitzname: „La La Land“) wird eine rauschhafte Massenchoreographie, die ebenso plötzlich beginnt, wie sie vorbei ist.

120 Schüler singen, tanzen und spielen im Gewerbegebiet

Auch im Ahrensburger Studio ist etwas von dieser Ausbruchsmagie zu spüren. Anderthalb Stunden studieren die Schüler im wöchentlichen Wechsel die Fächer Tanz, Schauspiel und Gesang. Schlechte Nachrichten werden hier besonders schön gesungen. Nicht Chef oder Schule geben den Takt vor, sondern die Musik. Von Routine also, mit Ausnahme der Aufwärmübungen, keine Spur: „Sei kreativ, probier’ aus, sei frei“, sagt Schulleiterin Jacqui Dunnley-Wendt bei der Schauspielübung.

Vor knapp vier Jahren hat Dunnley-Wendt gemeinsam mit ihrem Ehemann Hauke Wendt die Schule in Ahrensburg mit fünf Schülern gegründet. Mittlerweile holen sich 120 Musical-Adepten hier regelmäßig ihren kurzfristigen Realitätsverlust.

Initialzündung zur Hobbyschule: eine Projektwoche

Die Idee dazu ist einer Projektwoche in der Grundschule Am Aalfang entsprungen. Die besuchte damals der Nachwuchs des Musicalpaars. Statt des obligatorischen Kuchens brachten die Wendts sich mit ihrer Leidenschaft ein, probten eine Woche Am Aalfang Szenen aus dem Musical Cats. Aus der Porjektwoche wurde irgendwann die Musicalschule Ahrensburg.

Und die ist zwar professionell und als berufsvorbereitend anerkannt, für die absolute Mehrheit der Schüler bleibt das Musical aber ein Privatvergnügen. „Wir sind eine Hobbyschule“, sagt Jacqui Dunnley-Wendt zwischen zwei Unterrichtsstunden. Heute ist eine Schnupperstunde. Sie soll Interessierten einen Blick in die Schule ermöglichen. Statt eines Faches werden dafür gleich alle drei Disziplinen gelehrt, jeweils eine halbe Stunde lang.

Die ersten 30 Minuten gehören Gesangslehrerin Elizabeth Eaton, deren Aufwärmprogramm davon ausgeht, dass die unschönsten Geräusche zu den schönsten Tönen führen. Zum Beginn also Kauen, Schmatzen und Saugen. Danach erklingt im Raum erst ein ziemlich unsinniges „Biddi-Di-Babbidi-Bu“ dann ein äußerst positives „Jahahahaa“, das sich in unerwartete Tonhöhen schraubt. Danach noch kurz ein Stück aus dem Musical „Aida“, dann geht es mit 30 Minuten Schauspiel weiter, die für viel Erheiterung sorgen.

Statt Konkurrenz ist Spaß und Gruppendynamik wichtig

Probiert werden Gänge durch den Raum und Begrüßungen in verschiedenen Stimmungen – deprimiert zum Beispiel oder mit „drei Flaschen Cola“. Zum Abschluss wird getanzt.

Nach der Stunde verraten die Schüler, warum sie die Musicalschule besuchen. „Für mich ist es die Chance, aus dem Alltag auszubrechen “, sagt die 18-jährige Marleen Albrecht. Der Spaß stehe dabei im Vordergrund. Und dann äußert die 19 Jahre alte Schülerin Michelle Schütz noch einen veritablen Heimvorteil des Ahrensburger „La La Lands“: „Hier gibt es überhaupt keinen Konkurrenzkampf.“