Stormarn
Auszeichnung in Kiel

Das sind die besten Schülerzeitungen in Stormarn

Susanne Bergmann und ihre Redaktion in der Bücherei der Grundschule. Deren Mitglieder wechseln halbjährlich, wenn die Nachmittagskurse gewählt werden

Susanne Bergmann und ihre Redaktion in der Bücherei der Grundschule. Deren Mitglieder wechseln halbjährlich, wenn die Nachmittagskurse gewählt werden

Foto: Sebastian Knorr / HA

Gleich zwei Schülerzeitungen aus dem Kreis konnten beim diesjährigen Landesschülerzeitungswettbewerb den ersten Platz belegen.

Für gewöhnlich verlassen sie den Schulhof kaum, jetzt wurden sie in Kiel ausgezeichnet: Gleich zwei Schülerzeitungen aus dem Kreis konnten beim diesjährigen Landesschülerzeitungswettbewerb den ersten Platz belegen. „Der Heimgärtner“ aus Ahrensburg gewann bei den Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. „Die Aktuelle“ aus Hoisbüttel siegte bei den Grundschulen. Wir haben die jungen Kollegen besucht und sich ihre Zeitungen genauer angeschaut.

„Der Heimgärtner“ bietet auch politischen Lesestoff

Mit den Themen Heimat und Garten haben es schon ganz andere auf dem Magazinmarkt weit gebracht: Vom „Heimgärtner“ dürfte die Branche bisher jedoch wenig vernommen haben. Dabei sei das Heft bis auf wenige Ausgaben stets am Erscheinungstag ausverkauft, sagt Durmis Özen, der Redaktionsleiter. Özen ist Lehrer an der Ahrensburger Gemeinschaftsschule Am Heimgarten. Dort wird „Der Heimgärtner“ geschrieben, produziert, gelayoutet und verkauft. Gerade einmal einen Euro kostet das schmale Heft, das in einer Auflage von 300 Stück zwei Mal im Schuljahr erscheint. Schüler zahlen die Hälfte.

„Der Heimgärtner“ ist eine klassische Schülerzeitung: handgemacht, bis hin zum gezeichneten Titelblatt, persönlich, informativ und unterhaltsam, kleine Fehler gehören auch dazu. Mit den Themen Heimat und Garten haben die Berichte naturgemäß wenig zu tun, außer es findet einmal eine Schulhofverschönerung mit anschließendem Grillfest ihren Weg ins Blatt. So der Fall in der vierten Ausgabe der Zeitung, die zum Beginn der Sommerferien 2016 erschien. Im damaligen Heft gab es dazu noch reichlich politischen Lesestoff in Form eines vierseitigen Interviews mit Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach. Dort erfahren die Leser vom „Heimgärtner“ nicht nur, dass der Verwaltungschef schon viele Haustiere hatte, neben Katzen auch schon Pferde und Schafe (2016 aktuell: ein 13 Jahre alter Hund), sondern auch, was er an seinem Job besonders „toll findet“ (an der Spitze einer Verwaltung gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Probleme zu lösen) und er speziell für Kinder in der Stadt zu verbessern gedenkt: Jedem Kind müsste ein Platz im Schwimmbad, in der Krippe und im Kindergarten offen stehen, so Sarach im „Heimgärtner“. Zudem suche die Stadt einen Platz für laute Konzerte.

„In die Zeitung gehören aber auf jeden Fall auch Witze“, sagt Finn (11) beim Redaktionsbesuch im Heimgarten. Die Freude über seine Lieblingsrubrik lässt sich an einem breiten Grinsen ablesen, wie es nur Kindergesichter zulassen. Also bitte: „Was macht eine Wolke mit Juckreiz?“, wird der Leser auf Seite 7 der aktuellen Ausgabe gefragt – „Sie fliegt zum Wolkenkratzer.“ Da ist vielleicht – um im Bild zu bleiben – noch Luft nach oben. Aber über Humor lässt sich ja bekanntlich streiten.

Die Themen sind so vielfältig wie die Schülerschaft

Ebenso über die Kompetenzen der Lehrer: Die Wahl zum besten Pädagogen der Anstalt – auch so ein klassisches Element von Schülerzeitungen, das der Heimgärtner nicht auslässt. Ebenso die obligatorischen Berichte über die hausinternen Veranstaltungen: ein Benefizlauf, Ausflüge der Klassen, Projekte, Praktika oder ein Besuche bei der Ausbildungsmesse.

So erfahren die Schüler Relevantes aus der Schule, streifen dabei immer wieder aber auch allgemeine Themen: Um zeitgenössische Kunst geht es in einer Reportage zum Ausflug zur Documenta. Ein Bericht über einen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Neungamme thematisiert die NS-Vernichtungspolitik, ein Interview mit der Schulsozialarbeiterin klärt über Mobbing auf.

Die Themen sind so vielfältig wie das Leben in der Schule. „Wir schreiben über das, was uns interessiert“, sagt Lea (16), die regelmäßig Fantasy-Geschichten für das Heft dichtet. Deshalb sind auch Flucht und Migration regelmäßig Thema. Zum Beispiel in der Geschichte von zwei syrischen Geschwistern, die erzählen, wie sie sich nach zwei Jahren Dank Familiennachzug in Ahrensburg wiedergefunden haben. Beide besuchen in der Heimgartenschule eine Klasse, in der „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) unterrichtet wird.

Die Aktuelle aus Hoisbüttel

Das Titelbild der „Aktuellen“ aus der offenen Ganztagsschule (OGS) der Grundschule Hoisbüttel verspricht nichts, was die folgenden Seiten nicht halten können: Fünf unterschiedliche Schriftarten sind dort nebeneinander zu sehen, ebenso wie unzählbare Bildchen, die alle zum Thema Sommer passen: Sonne, Palme, Muscheln, Schwimmflossen. Das Heft, das wir begutachten dürfen, ist zudem noch mit einem Leuchtturm-Sticker verziert.

So sieht es also aus, wenn Grundschüler Zeitung machen: ein fröhlich-buntes Durcheinander. Das lässt sich auch bei einer der Redaktionssitzungen in der Bücherei der Grundschule erleben. Hier wird die Grundschulzeitung übrigens noch selbst gedruckt, von Hand getackert und stets am letzten Freitag vor den Ferien von den jungen Kollegen selbst am Schul-Kiosk verkauft. 20 Cent kostet „Die Aktuelle“ dort. „Alles kostet am Kiosk 20 Cent“, sagt die zehn Jahre alte Mia. So einfach ist das.

Innerhalb von zehn Minuten sei die Auflage von 70 Stück ausverkauft, sagt Susanne Bergmann, die die Redaktion als Nachmittagskursus leitet: „Es ist ein toller Anblick, wenn alle Kinder auf dem Schulhof die Zeitungen lesen.“ Schülerin Mia besucht mittlerweile wie Freundin Flori (11) zwar die fünfte Klasse, hat zuvor aber schon häufiger als Redakteurin bei der Grundschulzeitung gearbeitet. „Bei uns kommt alles Mögliche in die Zeitung“, sagt Mia. „Wenn man Lust auf ein Thema hat, dann fängt man an.“ Mia führt gern Interviews, Flori macht lieber Buchstabensalat, also Rätsel. Unterhaltung sei wichtig, sagt Flori. Mia mag bei Interviews besonders knifflige Fragen: „Was würdest Du machen, wenn du in der Achterbahn kopfüber im Looping stehen bleibst?“ zum Beispiel. „Da können die Interviewpartner nicht einfach ja oder nein antworten“, sagt sie.

Ein Rezept mit Fruchtgummis und zwei Liter Limonade

Die beiden Mädchen lesen auch in ihrer Freizeit viel: Mia das Kindermagazin „Dein Spiegel“ und Flori die „Geolino“, hinzu kommen die dicken Wälzer aus dem Universum von Zauberschüler Harry Potter oder die Detektiv-Geschichten von Penny Pepper.

Die jetzt in Kiel prämierte Ausgabe ist wie auch beim „Heimgärtner“ ein Heft zum Start der Sommerferien 2017. Dementsprechend stehen im Heft Rezepte für einen Fruchtsalat fürs Freibad oder für ein essbares Aquarium zur Sommerparty, das es in sich hat: Als Zutaten für 10 Personen werden 150 Gramm Fruchtgummi, zwei Liter Zitronenlimonade, blaue Lebensmittelfarbe und 20 Blatt weiße Gelatine angegeben. Kindermägen vertragen ja so einiges.

Außerdem hat die Redaktion Anti-Langeweile-Spiele gesammelt, Sommer-Witze aufgeschrieben, Interviews zu Reisezielen mit Mitschülern geführt. Und dann sind da noch viele kleine Erklärstücke. Ein Schüler beschreibt zum Beispiel sein Hobby „Survival-Bushcraft“ – „Die Kunst, in der Wildnis zu überleben“ – und listet Gegenstände auf, die es im Wald braucht: ein grünes Outfit etwa, eine Taschenlampe und Ersatzbatterien. Über die sogenannten Fidget Spinner lesen wir, dass sie eigentlich für ADHS-Kinder erfunden wurden, jetzt aber jeder einen hat.

Gleiches gilt auch für Eltern: „Jeder Mensch hat Eltern“, schreiben Mia und Ella im Artikel „Verwandtschaft“ und erklären, wie sich die gesamte Sippschaft zumindest mathematisch bestimmen lässt: „Ihr wisst, dass jeder zwei Eltern hat, also nehmt ihr die zwei und verdoppelt sie. Dann habt ihr eine vier, die verdoppelt ihr auch. Das ergibt acht, die verdoppelt ihr auch. Und die nächst und übernächste Zahl dann auch, bis ihr die Aufgabe nicht mehr rechnen könnt.“

Zwei Computer für die Recherche, eine Digitalkamera und ein Diktiergerät: Mehr brauchen die Schüler nicht. Susanne Bergmann lässt ihnen dabei viel Freiraum – mit Erfolg.