Stormarn
Autobahn 1

Mängel an der Fahrbahn: Darum ist die A1 so bunt

Die Autobahn 1 wurde zwischen Barsbüttel und Stapelfeld grundsaniert. Nun fragen sich viele Autofahrer, warum die neue Betondecke unterschiedliche Farbtöne hat

Die Autobahn 1 wurde zwischen Barsbüttel und Stapelfeld grundsaniert. Nun fragen sich viele Autofahrer, warum die neue Betondecke unterschiedliche Farbtöne hat

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Bauarbeiten auf der A1 zwischen Barsbüttel und Stapelfeld beendet. Geblieben ist eine Fahrbahn in verschiedenen Terrakotta-Tönen.

Barsbüttel/Stapelfeld.  Seit knapp zwei Monaten sind die rot-weißen Baken, die Bagger und die Bauarbeiter von der A 1 zwischen Barsbüttel und Stapelfeld verschwunden. Geblieben ist eine neue Fahrbahn, die an ein Farbenspiel von Terrakotta-Tönen in sämtlichen Nuancen erinnert. Zudem dürfte dem einen oder anderen Autofahrer aufgefallen sein, dass es auf dem 4,4 Kilometer langen neuen Autobahnabschnitt ziemlich laut wird. Ob das so gewollt ist und warum noch immer in Fahrtrichtung Hamburg ein Tempolimit von 100 gilt, beantwortet Jens Sommerburg, Chef des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) in Lübeck.

Warum hat die Betondecke verschiedene Rottöne und Strukturen?
Die rote Farbe stammt vom Splitt, der in der Betondecke verbaut ist. „Es handelt sich um einen Hersteller, der den Splitt in einem Steinbruch in Sachsen-Anhalt abbaut.“ Die Farbunterschiede, insbesondere auf den Fahrbahnen Richtung Hamburg, haben jedoch einen anderen Grund. „Die Betondecke musste in mehreren Abschnitten gegossen werden.“ Normalerweise trage man den Beton kontinuierlich auf. „20 Stunden läuft die Maschine, wird anschließend vier Stunden gewartet.“ Beim Bau auf der A 1 habe es jedoch Probleme gegeben. „Da kam einiges zusammen, Regen, Maschine kaputt und Lieferschwierigkeiten.“ Letzteres sei jedoch das Hauptproblem gewesen. „Es fehlten Fahrer, die den Zement zur Baustelle brachten.“ Deswegen habe die Maschine immer wieder stoppen und neu ansetzen müssen. „Das hat für Unebenheiten gesorgt.“ Um diese zu entfernen, habe das Bauunternehmen einige Abschnitte abfräsen müssen. Dies sei der Grund für die unterschiedlichen Rottöne und Oberflächenstrukturen. Je weniger Profil vorhanden ist, desto lauter wird das Fahrgeräusch.

Warum ist an einigen Stellen Asphalt statt Beton gegossen worden?

Gussasphalt ist nur auf Brücken zu finden. Und das hat einen bestimmten Grund: „Wegen des Gewichts.“ So werde auf die Brückenkonstruktion, die schon eine Betondecke hat, eine etwa acht Zentimeter dicke Asphaltschicht aufgetragen. „Die oberste Betonschicht, die auf der Autobahn verbaut wurde, ist 27 Zentimeter dick.“ Das wäre für eine Brücke zu schwer. Ferner sei Gussasphalt wasserundurchlässig und schütze das Brückenbauwerk.

Warum ist mitten auf der Autobahn eine Entwässerungsrinne?

„Die wurde dort baustellenbedingt eingesetzt.“ An dieser Stelle, kurz hinter dem Rastplatz Ellerbrook in Richtung Hamburg, befand sich während der Bauarbeiten der sogenannte Verschwenkungsbereich. Das heißt: Während etwa die Fahrbahnen Richtung Hamburg saniert wurden, wurde der Verkehr gen Süden auf die Fahrbahnen Richtung Lübeck umgeleitet. Dafür musste die Mittelschutzplanke demontiert und eine Überfahrt asphaltiert werden.

Das Problem an dieser Stelle: Zwischen beiden Richtungsfahrbahnen gibt es einen Höhenunterschied von mehreren Zentimetern. Grund sei die Querneigung der Fahrbahnen für die Entwässerung. „Hätten wir einfach nur den Übergang asphaltiert, hätte es dort eine Sprungschanze gegeben.“ Deswegen musste ein Keil gebaut werden. Bauarbeiter hatten über wenige Hundert Meter die oberste Betonschicht der dritten Spur abgetragen und dort eine Asphaltdecke, den Keil, eingebaut. Wegen des Gefälles wurde dann zwischen dieser Asphaltschicht und der mittleren Spur eine Entwässerungsrinne eingebaut. „Im Frühjahr, sobald das Wetter besser ist, wird der Keil wieder entfernt. Genauso wie die Entwässerungsrinne. Zudem müssen an dieser Stelle auch noch Arbeiten an der Leitplanke ausgeführt werden.“

Warum gilt ein Tempolimit von 80 auf einem der Abschnitte?

Wegen der Entwässerungsrille zwischen Ahrensburg und Stapelfeld in Richtung Hamburg. So mancher Autofahrer dürfte sich erschreckt haben, der an dieser Stelle einen Spurwechsel gemacht hat. Zwar gibt es Schilder mit dem Hinweis, dass Fahrbahnmarkierungen fehlen, dies gilt jedoch auch für die sanierte Gegenfahrbahn. Dort gilt, wie gewohnt, Tempo 120. Sobald im Frühjahr die Entwässerungsrinne verschwunden ist, soll auch in Richtung Hamburg wieder Tempo 120 erlaubt sein. Auch die Fahrbahnmarkierungen sollen im Frühjahr aufgetragen werden.

Ist das Land mit der Arbeit des Bauunternehmens zufrieden?

„Wir haben keinen Anlass zur Beschwerde.“ Zwar sei es nicht gewollt gewesen, die Fahrbahn an einigen Stellen abzuschleifen, allerdings handele es sich um Millimeter. „Entscheidend ist die Festigkeit und Griffigkeit der Betondecke.“ Das Bauunternehmen habe die vertraglich vereinbarten Anforderungen erfüllt. Ferner sei der LBV mit dem Ablauf insgesamt zufrieden. „Das war ein sehr umfangreiches Projekt. Das Wetter war im vergangenen Jahr für den Straßenbau eher schlecht.“ Bis auf den Keil (Asphaltschicht), der erst im Frühjahr entfernt werde, habe sich die Baufirma an den Zeitplan gehalten. Die Sanierung des Autobahnabschnitts hat rund 24 Millionen Euro gekostet.

Welche Bauarbeiten sind an der Autobahn als nächstes geplant?

Bis auf Reparaturen von Brücken, wie derzeit an der Anschlussstelle Bad Oldesloe, ist laut Sommerburg für dieses Jahr und auch für 2019 keine weitere Sanierung der Fahrbahnen geplant.