Stormarn
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Verein für Schulbegleitung sucht Verstärkung

Schulbegleiter unterstützen Kinder und Jugendliche im Unterricht und während der Pausen und tragen so zu einer besseren Lernatmosphäre bei

Schulbegleiter unterstützen Kinder und Jugendliche im Unterricht und während der Pausen und tragen so zu einer besseren Lernatmosphäre bei

Foto: dpa Picture-Alliance / Waltraud Grubitzsch / picture alliance / ZB

Der Verein für Schulbegleitung hilft herausfordernden Schülern in Ahrensburg, Ammersbek, Hoisdorf und Großhansdorf in die Spur.

Ahrensburg/Hoisdorf.  Vier Anträge auf eine Schulbegleitung hat Gabriele Haase-Umbach in den vergangenen Monaten unbearbeitet in ihren Ordner abheften müssen. Als Vorsitzende des Vereins für Schulbegleitung in Stormarn entscheidet sie mit einem Gremium darüber, welche Schüler eine zusätzliche Betreuung während der Unterrichtszeiten und in den Pausen erhalten. Doch nicht alle bekommen eine positive Rückmeldung. Der Grund: Es fehlt an Personal. „Es gibt Anträge, die brennen“, sagt Haase-Umbach, Sonderpädagogin für den sozial-emotionalen Förderbedarf.

Bisher sind schon elf Begleiter in Stormarn im Einsatz

Seit 2010 setzt sich der rund 30 Mitglieder zählende gemeinnützige Verein dafür ein, dass Kinder und Jugendliche eine gesonderte Unterstützung erhalten. Elf Schulbegleiter sind derzeit in Grund- und Gemeinschaftsschulen im Einsatz, die das Einzugsgebiet des Förderzentrums Fritz-Reuter-Schule in Ahrensburg umfassen. Neben der Schlossstadt zählen hierzu Einrichtungen in Hoisdorf, Großhansdorf und Ammersbek. Betreut werden ausschließlich Kinder und Jugendliche mit sogenanntem herausforderndem Verhalten im Schulsystem.

Dies kann sich sehr unterschiedlich äußern, wie die Kinder- und Jugendpsychiaterin Jeska Baack weiß: „Zum einen gibt es sehr ruhige Schüler, die sich im Unterricht verkriechen und zum Mitmachen motiviert werden müssen. Zum anderen gibt es sehr aggressive Kinder“, sagt Baack, ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins für Schulbegleitung in Stormarn. Meist befänden sich die Schüler in einer schwierigen Lebenssituation, in der sie ihr Verhalten nicht angemessen steuern könnten. Oftmals gehe dies auch mit unsicheren familiären Verhältnissen einher. „Häufig haben diese Schüler keine Möglichkeit, vom Amt eine Schulbegleitung bewilligt zu bekommen“, sagt Baack. „Das System ist einfach nicht dafür ausgerichtet.“

Bewilligung einer Schulbegleitung gestalet sich schwierig

Weil sich das Land und die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg jahrelang um die Zuständigkeit und Finanzierung von Schulbegleitungen stritten, hatten auch Eltern von geistig oder körperlich behinderten Schülern in der Vergangenheit regelrechte Papierkriege für eine Bewilligung führen müssen (wir berichteten). Doch würden bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität oder psychischen Störungen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Schulbegleitung erst gar nicht bestehen, so Baack. Jene Lücke im System wollen Jeska Baack und Gabriele Haase-Umbach mit ihrer gemeinnützigen Arbeit schließen. So können Schulen innerhalb des Einzugsgebiets des Ahrensburger Förderzentrums beim Verein eine Begleitung beantragen.

Die Eltern müssen dann einer zusätzlichen Unterstützung einwilligen. „Meistens entwickelt sich die Zusammenarbeit ganz gut“, sagt Haase-Umbach. „Wenn die Eltern jedoch denken, dass ihr Kind stigmatisiert wird, klappt es natürlich nicht.“ In solchen Fällen erfolge häufig auch eine Testphase, in der Schüler über mehrere Wochen probeweise von einer Schulbegleitung Unterstützung erfuhren. „Die Eltern stellen dann häufig fest, dass die zusätzliche Betreuung eine gute Sache ist und sich die Lage insgesamt entspannt“, sagt Baack.

Schüler sollen selbstständig lernen und Kontakte pflegen

Das vorrangige Ziel des Vereins ist es, Schüler zu befähigen, selbstständig ihre Sozialkontakte sowie das Lern- und Arbeitsverhalten zu gestalten. Damit soll für alle Beteiligten während der Schulzeit eine angenehme Atmosphäre geschaffen werden. Die Vereinsarbeit wird größtenteils durch Spenden sowie jährliche Mitgliedsbeiträge finanziert. Weiter stammt ein Teil des Geldes von Sponsoren und der Stadt Ahrensburg. Schon viele Begleitungen konnte der Verein erfolgreich beenden.

So erinnert sich Gabriele Haase-Umbach an einen Erstklässler, der nicht mehr am Unterricht teilgenommen, sich von anderen abgelehnt gefühlt habe. „Zuvor hat er Mitschüler gekratzt, ihnen Sachen weggenommen und sich nicht an Spielregeln gehalten“, sagt die Sonderpädagogin. „Mit Hilfe der Schulbegleitung nahm das Kind wieder am Unterricht teil, sodass am Ende der zweiten Klasse keine weitere Unterstützung mehr nötig war.“

Dass immer mehr Grundschüler eine Begleitung benötigen, begründet die Sonderpädagogin mit unterschiedlichen Entwicklungen in Gesellschaft und Schule. Haase-Umbach: „Heutzutage gibt es keine Vorschulen mehr, ebenso muss ein Kind mit sechs Jahren eingeschult werden.“ Eine Zurückstellung um ein Jahr sei damit kaum mehr möglich. „Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse“, sagt Haase-Umbach. „Manchen fällt das Lernen und das lange Sitzen im Unterricht in diesem Alter noch sehr schwer.“

Bewerber sollten Arbeit im Konfliktfeld aushalten können

In der Regel erfolgt eine tägliche Begleitung. In den höheren Stufen ab der siebten Klasse würden vor allem unterstützende Gespräche geführt werden. „Jugendliche tolerieren es kaum noch, wenn sie ständig begleitet werden“, sagt Baack. „Jüngere Schüler nehmen die Schulbegleitung dagegen häufig sehr gut an.“

Gleichzeitig müssten sich angehende Schulbegleiter auch auf herausfordernde Situationen einstellen. „Dies ist eine Arbeit im Konfliktfeld“, sagt Haase-Umbach. „Man muss es aushalten können, dass man auch mal auf Ablehnung stößt.“ Zudem bestehe ein wichtiges Aufgabenfeld darin, für den Schüler die Stellung im Klassenverband zu verbessern. Grundsätzlich könne sich jeder Interessierte bewerben. „Die Bewerber müssen sozial erfahren und bereits in irgendeiner Form im Kinder- und Jugendbereich tätig gewesen sein“, sagt Haase-Umbach. Hierzu zähle Nachhilfe, eine Lesepatenschaft oder die Arbeit im Sportverein. 14 Wochenstunden umfasst der 450-Euro-Job insgesamt.

Eine Stunde pro Woche nehmen Dokumentation und Kommunikation ein. Hierzu zählen Telefonate mit Eltern und außerschulischen Institutionen sowie das Schreiben eines wöchentlichen Berichts. Auch während der Schulferien werden die Schulbegleiter bezahlt.

Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.schulbegleitung-stormarn.de.