Stormarn
Besonderes Hobby

DLØDFF: Funker werben für Ahrensburger Schloss

Tatjana Ceynowa freut sich, dass Funkamateure wie Stefan Reyers vom Schloss funken

Tatjana Ceynowa freut sich, dass Funkamateure wie Stefan Reyers vom Schloss funken

Foto: Janina Dietrich / HA

Funkamateure gehen mit Sonderrufzeichen auf Sendung. Antworten erwarten sie aus vielen Ländern der Welt. Sonntag öffnen sie ihre Türen.

Ahrensburg.  Einen Sender, eine Antenne, ein Mikrofon und eine Morsetaste – mehr braucht Stefan Reyers nicht, um mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Der 51-Jährige ist Funkamateur und plant an diesem Wochenende eine besondere Aktion. Mit den anderen Mitgliedern des Ortsverbands Ahrensburg/Großhansdorf des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) funkt er zwei Tage lang über das Ahrensburger Schloss. Mit dem Sonderrufzeichen DLØDFF gehen sie auf Sendung. DL steht dabei für Deutschland, Ø für Sonderrufzeichen und DFF für Deutsche Flora und Fauna. „Wir wollen das Ahrensburger Schloss international bekannt machen“, sagt Stefan Reyers.

Anrufer bekommen eine Bestätigungskarte per Post

Dafür werden die Funker im benachbarten Bürgerhaus (Bagatelle 1) drei Stationen einrichten, von denen sie ihr Sonderrufzeichen in die Welt schicken – per Sprechfunk, Telegrafie und mit einem digitalen Übertragungsverfahren. Die Geräte wurden von den Mitgliedern selbst gebaut. „Wer das Sonderrufzeichen hört, kann uns anrufen“, sagt Reyers. Theoretisch könne das Signal überall auf der Welt empfangen werden. „Wir werden dann einen Anruf nach dem anderen abarbeiten.“ Dabei notieren die Stormarner die Daten der Anrufer in einem Computerlogbuch. Das ist wichtig, damit die kontaktierten Personen eine sogenannte QSL-Karte bekommen können. Mit deren Versand bestätigen Funkamateure eine erfolgreiche Funkverbindung – in diesem Fall wird auf der Karte das Ahrensburger Schloss zu sehen sein. Stefan Reyers hat bereits Tausende solcher Karten zu Hause – aus fast allen Ecken der Welt. Neuseeland, Japan, Mali, die USA, Russland, die Antarktis und die zu Australien gehörende Lord-Howe-Insel sind zum Beispiel dabei.

Die Bestätigungen werden über den Bundesverband des Clubs verschickt, für die Mitglieder ist das kostenlos. Bei einigen Ländern, zum Beispiel in Lateinamerika, dauere es schon mal ein Jahr, bis die Karten am Ziel ankämen. „Funken macht wahnsinnig viel Spaß“, sagt der Ahrensburger. Denn es diene der Völkerverständigung. Reyers ist auf Einladung anderer Funkamateure bereits in der Ukraine, den USA, England und Schottland gewesen.

Bundesweit 65.000 Funkamateure mit eigenem Rufzeichen

Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder des Ortsverbands erstmals über das Ahrensburger Schloss gefunkt. Damals seien ihnen mehr als 500 Verbindungen gelungen. Einige Gespräche dauerten nur kurz, manchmal werde aber auch noch etwas länger über das Schloss geredet. „Alle Kontinente waren dabei“, sagt Reyers. Tatjana Ceynowa, Museumsleiterin und Geschäftsführerin der Stiftung Schloss Ahrensburg, freut sich über die Aktion der Funkamateure. „Wir haben viele ausländische Gäste im Schloss“, sagt sie. Im Besucherbuch seien Einträge in zahlreichen Sprachen zu finden. „Deshalb ist es super, wenn das Schloss weiter in die Welt getragen wird.“

Bundesweit gibt es zurzeit rund 65.000 Funkamateure – jeder mit einem eigenen Rufzeichen. Um das Hobby betreiben zu dürfen, muss zunächst eine Amateurfunklizenz erworben werden. Der Ortsverband Ahrensburg/Großhansdorf wurde 1965 gegründet. Noch in den 1990er-Jahren zählte er rund 150 Mitglieder, inzwischen ist die Zahl auf 53 gesunken. Der Altersdurchschnitt sei hoch, sagt Reyers. „Wir wollen erreichen, dass Amateurfunk wieder beliebter wird – auch bei jüngeren Menschen.“ Deshalb lädt der Verein Interessierte ein, sich am Sonntag von 11 bis 15 Uhr in den Räumen des Bürgervereins über das Funken zu informieren. Besucher können dort mitverfolgen, wie die Signale aus Ahrensburg in die Welt gesendet werden.

„Etwas anderes, als sich im Laden ein Handy zu kaufen“

Doch was fasziniert in einer Zeit, in der per Internet und Smartphone rund um die Welt kommuniziert werden kann, am Amateurfunk? Ein Reiz sei, seine selbstgebaute Technik zu nutzen, sagt Reyers. „Das ist etwas anderes, als sich im Laden ein Handy zu kaufen.“ Zudem funktioniere die Technik auch dann, wenn alles andere nicht mehr gehe. Zum Beispiel nach Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Hurrikans und Tsunamis. „Es sind nur ein Funkgerät und zwölf Volt aus einer Batterie oder Solarzelle nötig, um weltweit Kontakt aufzunehmen und Hilfe zu rufen“, sagt er. Rettungskräfte könnten auf diese Weise zur richtigen Stelle geleitet werden. Auch in Entwicklungsländern sowie großen Flächenländern wie Russland und den USA spiele der Amateurfunk immer noch eine große Rolle, um zu kommunizieren.