Stormarn
Ahrensburg

So viel Strom erzeugt Stormarn jetzt schon selbst

Stormarns größter Solarpark: Die Anlage direkt an der Autobahn 1 in Großhansdorf liefert jährlich Strom für rund 400 Haushalte

Stormarns größter Solarpark: Die Anlage direkt an der Autobahn 1 in Großhansdorf liefert jährlich Strom für rund 400 Haushalte

Foto: Birgit Schücking

Rechnerisch können zwei Drittel aller Privathaushalte im Kreis aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Zuwachszahlen abgeschwächt.

Ahrensburg.  Der im Kreis Stormarn umweltfreundlich erzeugte Strom reicht aus, um rund 75.000 Drei-Personen-Haushalte mit einem Verbrauch von jeweils 3600 Kilowattstunden (kWh) komplett zu versorgen. Rein rechnerisch können etwa zwei Drittel aller Stormarner Privathaushalte von Reinbek über Ahrensburg und Bargteheide bis nach Reinfeld ihren Bedarf aus erneuerbaren Energien (EEG) decken. Laut Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz) lag die installierte EEG-Leistung Ende Dezember bei 117 Megawatt. Ein Jahr zuvor waren es 115 Megawatt.

„Insgesamt haben sich die Zuwachszahlen im Lande abgeschwächt – das merken wir auch im Kreis Stormarn“, sagt Carsten Hack, technischer Leiter für den Kreis bei SH Netz. Ende 2015 und 2014 lag die Leistung bei rund 108 Megawatt. Die Zahl der Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung ist in den vergangenen vier Jahren von 1400 über 1450 und 1510 auf jetzt 1565 gestiegen.

Windkraft liefert den meisten Strom

Die Windkraft lieferte mit 52 Megawatt (unverändert zum Vorjahr) Ende 2017 den meisten Strom. Es folgen Solaranlagen, bei der Fotovoltaik stieg die Leistung von 25 auf 26 Megawatt. Bei Blockheizkraftwerken gab es ebenfalls einen leichten Zuwachs von 20 auf 21 Megawatt. Der Rest kommt vor allem aus Biogas und -methan.

SH Netz betont, dass es sich bei den Haushaltszahlen um eine grobe Schätzung handelt. „Die installierte Leistung der EEG-Anlagen gilt bei besten Bedingungen: bei einer Fotovoltaikanlage also bei perfektem Sonnenschein und idealem Neigungswinkel, bei einer Windkraftanlage bei so starkem Wind, dass die Anlage gerade noch nicht abschaltet“, sagt Unternehmenssprecherin Christine Pinnow.

Weniger Sonnenschein, aber mehr Wind

„Im Norden Deutschlands haben wir weniger Sonnenschein als in Bayern, dafür mehr Wind.“ Daher rechne die Fachabteilung mit den jeweils durchschnittlichen, regionsabhängigen jährlichen Volllaststunden von Windkraft und Fotovoltaikanlagen sowie Blockheizkraftwerken.

Die Räder des größten Windparks drehen sich in Bad Oldesloe. Der größte Solarpark wurde im Sommer 2012 in Großhansdorf eingeweiht. Auf dem 18.000 Quadratmeter großen Grundstück Grenzeckkoppel direkt an der Autobahn stehen mehr als 6000 Fotovoltaik-Module. Die Anlage hat rund 2,2 Millionen Euro gekostet und liefert jährlich knapp 1,4 Millionen Kilowattstunden Strom. Das reicht allein für gut 400 Häuser. Das größte mit Biogas betriebene Blockheizkraftwerk (BHKW) ist in Wesenberg am Netz.

Lukrative Förderprogramme für Haushalte

Stormarns Klimaschutzmanagerin Isa Reher macht vor allem veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen als Ursache für den geringeren Zuwachs aus. „Gerade Energiegenossenschaften sind bei der Fotovoltaik stark gestoppt worden“, sagt sie. „Auch bei den kleinen Leuten ist der Boom vorbei.“ So hat der 2011 eröffnete Oldesloer Bauhof immer noch das größte Bürgersolarkraftwerk auf seinem Dach, das pro Jahr rund 250.000 kWh produziert. Seit April 2017 ist auch die Anlage auf dem gemeinsamen Bauhof Lütjensee/ Trittau am Netz, die es auf rund 47.000 Kilowattstunden bringt.

„Wer seinen Strom selbst nutzt, ist immer noch sehr gut bedient“, sagt Reher, die in der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe auch Interessenten berät. So gebe es weiterhin lukrative Förderprogramme auf Bundesebene für Haushalte, die ihr Warmwasser mit Hilfe von Solarmodulen auf dem Dach erzeugen wollen. „Jetzt mag es noch Zukunftsmusik sein, aber künftig werden sich die Häuser zunehmend selbst mit Strom versorgen, wenn die Preise für die Speichertechnik sinken“, sagt Klimaschutzmanagerin Reher.

In Ahrensburg haben die Stadtwerke bereits einen besonderen Stadtplan entwickelt, um Hauseigentümer beraten zu können: ein Solarkataster. Die Dächer von allen Gebäuden wurden aus der Luft fotografiert, dazu Höhe, Neigungswinkel und Ausrichtung bestimmt. Anhand der Sonneneinstrahlung der vergangenen zehn Jahre wurde ausgerechnet, wie effizient eine Fotovoltaik-Anlage wäre. Rote Dächer haben die höchste Sonneneinstrahlung, Orange steht für bis zu 80 Prozent, Gelb für bis zu 70 und Grau für unter 50 Prozent. Die Karte soll dieses Jahr für alle Bürger nutzbar sein.