Schaden am Wagen

Frau fährt mit Auto in Gully: Wer hob den Deckel ab?

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Laura Treskatis
Der Reifen ist platt, Felge und Spurstangen wurden beschädigt

Der Reifen ist platt, Felge und Spurstangen wurden beschädigt

Foto: Almut Willmes / HA

Die Großenseerin muss die Reparaturkosten allein zahlen und sucht Zeugen. Die Polizei warnt Übeltäter vor möglichen Gefahren.

Grossensee.  Gegen halb zwei Uhr nachts fuhr Almut Willmes in ihrem Volvo V 50 von einer Geburtstagsfeier in Linau zurück nach Großensee. Auf Höhe des Campingplatzes an der Trittauer Straße vernahm sie plötzlich ein lautes, rumpelndes Geräusch: Vorder- und Hinterreifen ihres Wagens platzten, Felgen und Stoßdämpfer wurden beschädigt, die Lenkspur verzogen. Unbemerkt war die 38-Jährige über einen offenen Gully gefahren, dann über den dahinter liegenden Deckel. „Das Auto fuhr sich immer schlechter“, sagt Willmes. „Im Rückspiegel habe ich gesehen, dass es am Gully lag.“

Ihr Lebensgefährte legte den rund 30 Kilogramm schweren gusseisernen Deckel später in der Nacht wieder auf den Schacht, um weitere Unfälle zu verhindern. Für die Reparatur muss Willmes rund 1000 Euro zahlen. Erst zum Ende vergangenen Jahres hatte sie ihre Vollkasko-Versicherung gekündigt, für die sie jahrelang ohne einen Schaden am Wagen zu haben bezahlt hatte. „Die Teilkasko-Versicherung übernimmt keine Schäden an den Reifen, Felgen und der Achse am Auto“, sagt Willmes. „Dass ich jetzt so viel Geld für die Reparatur bezahlen muss, ist sehr ärgerlich und unnötig.“ Sie vermutet hinter dem Vorfall in erster Linie einen dummen Jungenstreich.

Wer Gullydeckel aushebt macht sich strafbar

Großensees Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers schätzt das Geschehen dagegen sehr viel kritischer ein. „Dies ist weit mehr als ein Streich, sondern Gefährdung von Menschenleben“, sagt der Kommunalpolitiker. „Es wurde mit Absicht versucht, jemanden zu schädigen.“ In der Vergangenheit hätten angetrunkene Besucher der Trittauer Diskothek Fun-Parc auf ihrem Nachhauseweg bereits anders auf sich aufmerksam gemacht. Lindemann-Eggers: „Eine beliebte Beschäftigung ist es, Leitpfosten zu werfen und in den Straßengräben zu verteilen.“

Dass Gullydeckel ausgehoben und liegengelassen werden, ist keine Seltenheit, wie Rena Bretsch, Sprecherin der Polizeidirektion Ratzeburg, weiß. „Das kommt überall immer mal wieder vor“, sagt Bretsch. Häufig würden vor allem in den Sommermonaten angetrunkene Personen auf ihrem Fußweg nach Hause versuchen, die gusseisernen Schachtdeckel auszuheben. Eine örtliche oder zeitliche Häufung gäbe es trotzdem nicht. „Oftmals ist den Menschen gar nicht bewusst, wie gefährlich ihr Handeln ist“, sagt Bretsch. „Vor allem wenn Moped- oder Fahrradfahrer unbemerkt über einen offene Gully fahren, kann das zu schweren Verletzungen führen.“ Noch dazu ist das Ausheben eines Gullydeckels nach Paragraf 315 b des Strafgesetzbuches eine Straftat: Wer Anderen Hindernisse bereitet und damit die Sicherheit des Straßenverkehrs sowie Leib und Leben eines Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren Haft oder einer Geldstrafe bestraft werden.

Almut Willmes hat inzwischen Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Beim Großenseer Campingplatz erkundigte sie sich bereits nach möglichen Zeugen, die beobachtet haben, wie der Gullydeckel in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar enthoben wurde – bislang ohne Erfolg. Einen weiteren Hinweis zur ungefähren Tatzeit erhielt Willmes von einem Bekannten, der ebenfalls nachts von Linau nach Großensee gefahren war. „Als er gegen halb eins nach Hause fuhr, war der Gullydeckel noch nicht enthoben“, sagt Willmes. „Es muss also in der darauffolgenden Stunde passiert sein.“ Zeugen können sich bei der Trittauer Polizei melden.

( ltr )

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