Stormarn
Miss-Wahl

Das Schaulaufen der Schönen in Bargteheide

Jessika Rohlff (M.) aus Elmshorn holte sich in diesem Jahr die Krone. Vize-Miss wurde Julena Scheuch (r.), Platz drei ging an Tamara Prochnow

Jessika Rohlff (M.) aus Elmshorn holte sich in diesem Jahr die Krone. Vize-Miss wurde Julena Scheuch (r.), Platz drei ging an Tamara Prochnow

Foto: Melissa Jahn

Im Restaurant Casa Grande wird Miss Schleswig-Holstein 2018 gekürt. Die Krone holt sich eine 17 Jahre alte Schülerin aus Elmshorn.

Bargteheide.  Einmal im Jahr kämpfen junge Frauen im Alter zwischen 17 und 29 Jahren in Bargteheide um den Titel der Miss Schleswig-Holstein . Die Voraussetzung: Sie müssen schön, unverheiratet und kinderlos sein. So wie Jessika Rohlff, 17 Jahre alt aus Elmshorn, die die Jury – unter anderem bestehend aus Schauspielerin Jenny Elvers und Mister Germany 2017, Dominik Bruntner, – in diesem Jahr überzeugen konnte. Nach eigenen Angaben setzt die Miss Germany Corporation (MGC) auf moderne, zielstrebige junge Frauen und zieht nun nach: Sie passt mit einer überfälligen Verjüngungskur die eigenen Statuten an. Ehemalige Dschungelcamp-Kandidaten, singende Missen und mehrere Werbeblöcke gehören zum neuen Image ebenso dazu.

Auf engstem Raum drängen sich im Restaurant Casa Grande elf Kandidatinnen auf und um ein altes Sofa. Sie werden gepudert, posieren vor einem Spiegel und besprühen ihre Schuhsohlen mit Haarspray – ein Trick, den alle Branchenkenner spätestens seit der Fernsehsendung „Germanys next Topmodel“ beherrschen sollten. Während die Visagistin noch eine Runde Handcreme verteilt, wischt Jessika Rohlff ihre Nervosität auf dem Smartphone weg. Von Konkurrenzkampf keine Spur? „Ach was, wir verstehen uns doch alle super“, sagt Julena Scheuch (21) und lacht.

Hobby einer Kandidatin: „Körpermodifikation“

Oben im Restaurant sind bereits alle Tische besetzt. Doch bevor es losgeht, kommt zuerst eine Werbepause. Maren Gilzer, bekannt geworden als Buchstabenfee der Spielshow Glücksrad, Dschungel-Königin 2016 und Moderatorin diverser Einkaufskanäle, präsentiert ein Getränk mit „Frischekick“ sowie ein Silbercollier, welches die Gewinnerin mit nach Hause nehmen darf.

Dann ist es endlich Zeit für die Kandidatinnen. In langen Abendkleidern und hohen Absätzen schreiten sie über den roten Teppich, um vor der Jury ein kurzes Interview mit dem stets braun gebrannten und gut gelaunten Rudi Köhlke zu führen. Besonders angetan hat es dem 55 Jahre alten Moderator Alena Hansen, die „Körpermodifikation“ als Hobby angegeben hat. 18.920 Euro hat die 28 Jahre alte Verwaltungsfachangestellte bereits für diverse Piercings und Tattoos ausgegeben. Das Gesamtkunstwerk wurde aber noch nicht fertiggestellt. Ungewöhnlich ist auch der Beruf von Felice Stüber. Die 19 Jahre alte Kauffrau für Büromanagement verdient ihr Geld als „Influencerin“, in dem sie Produkte auf ihrem Instagram-Kanal vorstellt.

Gesamtausstrahlung ist wichtig

Beim zweiten Durchlauf im Bikini strahlen vor allem die Augen der anwesenden Männer. Einen geschulten Blick bescheinigt sich hingegen Franziska Ernst, die als „Promi-Friseurin“ in der Jury sitzt und nebenbei jungen Mädchen das Schwimmen mit der Meerjungfrauen-Flosse beibringt. Worauf sie besonders achtet? Auf die Gesamtausstrahlung natürlich. Die ist auch dem Bargteheider Immobilien-Makler Horst Gibbesch besonders wichtig. Entscheiden lassen möchte er seine Intuition, die er durch gemeinsame Fotos mit den Bikini-Damen in Stimmung bringt.

Vor der Siegerehrung wird es noch einmal „dramatisch“. Giulia Claußen tritt mit dem Titel „Skyfall“ von Adele auf. Die 20 Jahre alte Kielerin holte den Titel der Miss Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr und war dank ihrer Schärpe auch mit deutlich längeren Haaren noch zu erkennen. „Besonders toll war das Reisen“, fasst Giulia ihre Erfahrungen zusammen. „Jetzt konzentriere ich mich ganz auf das Tanzen und erhoffe mir mit meinem Partner einen Titel in der A-Klasse.“

Gewinnerin will berühmt werden

Während die Jury diskutiert, wird die Wartezeit abermals mit einem längeren Werbeblock unterbrochen. Das neue Buch von Jurymitglied Bärbel Kiy, Geldanlage-Tipps von Makler Gibbesch sowie eine erneute Vorstellung des Schmucksenders „Juwelo TV“ lassen (fast) keine Langeweile aufkommen.

Schließlich treten die elf Kandidatinnen mit Werbetüten von Paul Mitchell vor die Jury, um die begehrten Plätze auf dem Siegertreppchen zu ergattern. Mit 350 Punkten und 60 Punkten Vorsprung schaffte es Jessika Rohlff vor der Zweitplatzierten, Julena Scheuch und der Drittplatzierten, Tamara Prochnow, auf den ersten Platz. „Mein Traum ist es, berühmt zu werden und nette, bekannte Leute kennenzulernen“, sagt die 17 Jahre alte Schülerin, die sich für Fitness und gesunde Ernährung begeistert. „Ich bin gespannt, wohin mich meine Karriere noch bringt.“ Den nächsten Schritt könnte sie am 24. Februar bei der Wahl zur Miss Germany im Europapark Rust machen.

Karrierechancen bieten sich künftig auch jenen, die bisher von einer Teilnahme ausgeschlossen waren. Denn im kommenden Jahr können sich erstmals verheiratete und Frauen mit Kindern bewerben. Die MGC änderte nach eigenen Angaben als erste Organisation weltweit ihre Statuten. Weiterhin nicht erlaubt sind jedoch Nacktbilder. „Dies wird sich auch nie ändern“, sagt Geschäftsführer Ralf Klemmer. „Eine Miss muss immer repräsentieren können.“