Stormarn
Kritik der Woche

Star-Pianistin Anna Vinnitskaya entzückt Publikum

Hoch konzentriert und doch voller Hingabe: Das Ahrensburger Konzert mit der Pianistin Anna Vinnitskaya (34) war ein außergewöhnliches Erlebnis

Hoch konzentriert und doch voller Hingabe: Das Ahrensburger Konzert mit der Pianistin Anna Vinnitskaya (34) war ein außergewöhnliches Erlebnis

Foto: Elvira Nickmann / HA

Im Eduard-Söring-Saal der Stormarnschule Ahrensburg gibt die Ausnahme-Pianistin ein ausverkauftes Gastspiel.

Ahrensburg.  Volles Haus beim Klavierabend mit der russischen Ausnahme-Pianistin Anna Vinnitskaya im Eduard-Söring-Saal der Stormarnschule Ahrensburg am Sonnabend: Die Gelegenheit, einen Weltstar in einem so intimen Rahmen hören und erleben zu können, wollten sich die Besucher offensichtlich nicht entgehen lassen.

Kein Wunder, sparen die Kritiker der Feuilletons doch weder mit Superlativen noch mit blumigen Vergleichen: „Rotziges Tastenvieh, kecker Kuckuck, samtpfötige Löwenkönigin von diamantener Kraft“ sind nur einige der Zuweisungen an die Adresse der Pianistin. Dementsprechend hoch dürften die Erwartungen des Publikums gewesen sein. Dazu kam das hochklassige Programm mit Sergej Prokofjews Sonate Nr. 4 c-Moll op. 29, Préludes von Claude Debussy sowie dessen Stück „L’isle joyeuse“, die „Insel der Freude“. In der zweiten Hälfte folgten alle 24 Préludes op. 28 von Frédéric Chopin.

Pianistin arbeitet Essenz der Stücke heraus

Als Vinnitskaya im bodenlangen Kleid und mit gebändigter Lockenmähne auf der Bühne erschien, herrschte augenblicklich Stille. Ein kurzes Innehalten, als blende sie alles um sich herum aus, dann begann die Pianistin ihr Spiel an dem schwarzen Steinway-Flügel. Und tatsächlich: Nach den ersten Anschlägen füllte ihre Präsenz bereits den Saal. Wie ein Maler, der vor den Augen seiner Zuschauer ein Bild entstehen lässt, verstand es Vinnitskaya auf beeindruckende Weise, die Essenz der Stücke herauszuarbeiten. Die drei mit einfallsreich verzierten Themen ausgestatteten Sätze der Sonate spielte sie mit traumwandlerischer Sicherheit und technischer Raffinesse. Ihre Finger stürzten wie ein Falke auf die Tasten hinab, um temperamentvoll starke Akzente zu setzen, dann wieder entlockte sie dem Instrument perlende Leidenschaft oder verlieh Partien berührende Zartheit bei gleichzeitiger Intensität.

Durchdringend die drohende Dunkelheit, das Grollen des Flügels zu Beginn des Andante assai, des ergreifenden Herzstücks der Sonate. Im dritten von quicklebendiger Bewegung durchzogenen Satz war davon nichts mehr zu spüren. Nach furiosem Finale Beifall des begeisterten Publikums, das Vinnitskaya in einer Synthese von Anmut und Kraft in ihren Bann zog. Überwältigend das herausfordernde „L’isle joyeuse“, mit dem die Künstlerin auf ganzer Linie überzeugen konnte.

Konzertbesucher sind begeistert von der Pianistin

Wie Konzertbesucherin Maria Hahn aus Volksdorf, die selbst ein Klavierstudium absolviert hat: „Anna Vinnitskaya ist fabelhaft, souverän, sehr strukturiert und dabei frei und gleichzeitig entfesselt“, lobte sie. Eine längere Anreise aus Lüneburg hatte dagegen Katharina Munske. Das Konzert war es ihr wert: „Ich habe in der Pause den Platz getauscht, so konnte ich einmal die Tasten, einmal den Gesichtsausdruck sehen – einfach grandios.“

Das Fazit nach dem zweistündigen Konzert: Wäre Klavier eine Sprache, dann ginge Anna Vinnitskaya als Poetin in die Geschichte ein.