Stormarn
Nach Unfall in Ammersbek

„Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht an Benny denken“

Mit einem Holzkreuz, Blumen und Kerzen haben die Hinterbliebenen um den getöteten Motorradfahrer Benjamin Eckhardt getrauert

Mit einem Holzkreuz, Blumen und Kerzen haben die Hinterbliebenen um den getöteten Motorradfahrer Benjamin Eckhardt getrauert

Foto: Roland Magunia

Die Mutter und Schwester des in Ammersbek getöteten Motorradfahrers hoffen, nach dem Ende des Prozesses etwas zur Ruhe zu kommen.

Ammersbek.  Der Prozess ist zu Ende. Endgültig. Die Trauer bleibt. Für immer. „Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht an Benny denken“, sagt Gabi Eckhardt. Sie ist die Mutter von Benjamin, der am Morgen des 27. April 2016 bei einem Verkehrsunfall an der Einmündung Hoisbütteler Mühle in Ammersbek ums Leben gekommen ist.

Der 35 Jahre alte Hamburger war gegen 7.50 Uhr mit dem Motorrad auf dem Weg zur Arbeit in Bargteheide, als ihm eine Autofahrerin die Vorfahrt nahm. Wenige Tage nach der Einstellung des Prozesses gegen die Unfallverursacherin mit Zahlung einer Entschädigung (wir berichteten) hofft Gabi Eckhardt darauf, endlich etwas zur Ruhe zu kommen.

Gedenkseite im Internet soll an Benny erinnern

„Durch diesen Unfall ist auch mein Leben zerstört worden, weil eins meiner Kinder tot und eins todunglücklich ist“, sagt die Frau, die eher ungern über ihre Gefühle spricht. Dass ihre Kinder Christina und Benjamin ein besonders vertrauensvolles Geschwisterverhältnis zueinander hatten, lässt sich an vielen Fotos ablesen, auf denen beide in die Kamera lächeln oder auch herumalbern. „Dieser unendliche Schmerz, diese tiefe Trauer, dieser große Verlust, diese Ohnmacht und eine nie zu füllende Leere zerbricht unser Herz“, hat die jüngere Schwester auf einer Gedenkseite für ihren Bruder im Internet geschrieben. Und weiter: „Wir lieben dich von ganzem Herzen und danken dir für die wundervolle Zeit, die wir gemeinsam hatten.“

Das ist bald zwei Jahre her. Für viele Menschen ist seit jenem Vormittag im April 2016 nichts mehr, wie es davor war. „Er fehlt mir unendlich“, sagt die Mutter, „er ist und bleibt der beste Sohn, den ich mir nur wünschen konnte.“ Benjamin sei ein liebevoller und aufrichtiger Mensch gewesen, für den sich die Familie und viele andere ein langes und glückliches Leben gewünscht hätten. „Leider hat das Schicksal anders entschieden.“

Familie setzte sich für Ampel an der Todesstrecke ein

Drei Wochen nach dem tödlichen Unfall hatten sich die Angehörigen öffentlich für eine schnelle Entschärfung der Todesstrecke an der Hoisbütteler Mühle eingesetzt. Auslöser war ein weiterer Zusammenstoß eines Motorradfahrers mit einem Auto im morgendlichen Berufsverkehr an derselben Stelle, der allerdings glimpflich ausging.

Es sollte keine weitere Familie dasselbe Leid ertragen müssen, so die Angehörigen von Benjamin Eckhardt. Sie baten Verantwortliche in Verwaltung und Politik um Unterstützung. Ihr Einsatz zahlte sich nach einem Jahr aus: Im Mai 2017 wurde eine Ampel in Betrieb genommen . Seitdem hat es an der ehemals gefährlichen Einmündung keine Kollisionen mehr gegeben.

Ebenfalls im Mai verurteilte das Amtsgericht Ahrensburg die Unfallverursacherin wegen fahrlässiger Tötung. Der Richter verhängte gegen die heute 62 Jahre alte Hoisdorferin eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 100 Euro, insgesamt 12.000 Euro. Er erkannte nicht nur ein Momentversagen, sondern sprach von einer Fehleinschätzung der Situation. Die Studienleiterin legte Berufung ein, sodass der Fall vergangene Woche noch einmal vor dem Landgericht Lübeck verhandelt wurde. Am Ende wurde der Prozess gegen Zahlung einer Entschädigung von 20.000 Euro eingestellt. Damit ist die Angeklagte im Gegensatz zum ersten Urteil nicht vorbestraft.

Die Entschädigung ist für den Neffen von Benny bestimmt

Für Gabi Eckhardt ist es wichtig, dass ihre Familie der Zahlung niemals zugestimmt hätte, wenn allein dadurch ein geringeres Strafmaß zu erwarten gewesen wäre. Die Richterin habe schon vor der Einigung deutlich gemacht, dass sie auf jeden Fall milder urteilen werde. Die Angeklagte hatte in Lübeck unter anderem berichtet, welche schwerwiegenden psychischen Folgen der Unfall auch für sie und ihr Leben habe. Zudem bedauerte sie, auf ihre damalige Verteidigung gehört und sich deshalb nicht bei den Hinterbliebenen gemeldet zu haben. „Menschlich tut mir das leid, weil ich erahnen kann, wie schrecklich es sein muss, mit dieser Schuld zu leben“, sagt Gabi Eckhardt. Sie könne die Frau nicht verurteilen, weil sie keine Richterin sei, hätte sich aber einen Führerscheinentzug gewünscht.

Die Entschädigung ist für das Bankkonto des jüngsten Familienmitglieds bestimmt. „Das Geld bekommt, so wie von der Richterin bei der Verhandlung auch festgesetzt wurde, der Neffe von Benny“, sagt Gabi Eckhardt. Der inzwischen drei Jahre alte Sohn von Christina Eckhardt hat am gleichen Tag wie sein Onkel Geburtstag, am 9. Dezember. Benjamin habe sich auf viele gemeinsame Feiern gefreut. Es wurde nur eine. Was bleibt, ist Trauer. Und ein Junge, der genauso eine Frohnatur ist, wie es sein Onkel war.