Stormarn
Prozess

Gericht verurteilt Lütjenseerin wegen Geldwäsche

Strafrichter Ulf Thiele vom Ahrensburger Amtsgericht sprach das Urteil in dem Verfahren

Strafrichter Ulf Thiele vom Ahrensburger Amtsgericht sprach das Urteil in dem Verfahren

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Das Urteil ist gefallen: 61-Jährige erhält vom Amtsgericht Ahrensburg eine Geldstrafe. Sie hatte mit ihrem Konto Betrügern geholfen.

Ahrensburg.  Bei der Straftat der Geldwäsche denken wohl viele an millionenschwere Geschäfte von Mafiosi, um die Einnahmen aus Verbrechen zu verschleiern. Doch nun musste sich eine 61 Jahre alte Frau aus Lütjensee wegen dieses Deliktes vor dem Ahrensburger Amtsgericht verantworten. Dabei ging es um eine Summe von rund 15.000 Euro. Weil dieses Geld über ihr Konto transferiert wurde, erhielt die Lütjenseerin eine Verwarnung und eine Geldstrafe von 300 Euro auf Bewährung.

Der Prozess offenbarte eine Geschichte von Leichtgläubigkeit, Unvernunft und Uneinsichtigkeit, sowohl bei der Angeklagten als auch beim Opfer, dem 75 Jahre alten Pensionär M. aus Oldenburg. Wobei Richter Ulf Thiele der Täterin bescheinigte, ebenfalls ein Opfer zu sein. Und zwar das Opfer von Betrügern aus dem Ausland, die als die eigentlichen Täter wohl nie zur Rechenschaft gezogen werden. Nach der Überzeugung des Gerichtes waren im Oktober 2016 bei zwei Überweisungen 5000 und 10.000 Euro auf das Konto der Angeklagten eingegangen. Das Geld kam von Pensionär M. und war für medizinische Behandlungskosten seiner Internetbekanntschaft Elisabeth M. aus den USA bestimmt. Von dieser hatte er die Kontoverbindung der Angeklagten erhalten. Letztere wiederum überwies das Geld weiter an einen ihr unbekannten Mann aus Ghana – auf Bitten ihres Internetbekannten Peter J., ebenfalls aus den USA.

Die Angeklagte war von der Polizei gewarnt worden

Die Angeklagte aus Lütjensee war geständig und gab zu, die 15.000 Euro nach Ghana transferiert zu haben. Ihr Bekannter Peter J. habe ihr gesagt, dass Geld sei für die Operation der Frau eines Freundes. Sie sagte aus, J. auch eigenes Geld für Behandlungskosten überwiesen zu haben. Nun sei ihre Altersvorsorge weg. „Ich war einfach blöd, das ist mein Helfer-Syndrom“, sagte die geschiedene 61-Jährige, die derzeit von Unterhalt und Hartz IV lebt. Ihren Bekannten J. habe sie einmal sogar persönlich in Dubai getroffen. Das sie nun vor Gericht stand, nahm die Frau sichtlich mit, während ihrer Aussage brach sie in Tränen aus.

Das Besondere: Im Jahr 2015 war die Angeklagte bereits von der Polizei über die mögliche Strafbarkeit ihrer Tätigkeit als sogenannte Finanzagentin aufgeklärt worden. Dennoch hatte sie auf Bitten von Peter J. weiterhin Geld angenommen und über ihr Konto weitergeleitet, im Jahr 2016 waren es rund 36.000 Euro.

Die Bewährungszeit beträgt ein Jahr

Der Geschädigte im angeklagten Fall, Pensionär M., sagte vor Gericht als Zeuge aus. Der 75 Jahre alte Witwer hatte per Internet und SMS Kontakt zu einer US-Amerikanerin. „Sie hat mich immer wieder um Geld gebeten. Es sollte nur geliehen sein, aber ich habe keinen Cent wiedergesehen“, sagte er. Insgesamt habe er 40.000 Euro verloren.

Richter Thiele verwarnte die Angeklagte und verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 300 Euro auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt ein Jahr. „Sie sind selbst Opfer geworden und haben sich nicht bereichert“, sagte Thiele zu der Lütjenseerin. „Aber ihre Leichtgläubigkeit hat anderen geschadet, obwohl sie durch die Polizei hätten wissen müssen, dass sie Straftaten unterstützen.“ Laut Thiele gibt es immer mehr professionelle, mit psychologischen Tricks agierende Kriminelle, die ältere Menschen ausnutzen. Deshalb bekam die Angeklagte als Bewährungsauflage, sich über Betrugsmethoden bei einem Opferhilfeverband zu informieren.